Studentenprotest bringt Orbán aus dem Konzept

Verwirrung um Einführung von Studiengebühren - Rückzieher des Premiers

Unter den Schülern und Studenten in Ungarn gärt es. Neue Hochschulgesetze sollen indirekt wieder Studiengebühren einführen und die Absolventen dazu zwingen, nach Abschluss des Studiums in Ungarn zu arbeiten. Tausende Schüler und Studenten demonstrierten schon in der vergangenen Woche gegen die geplanten Erschwernisse beim Studienzugang. Am Montag fand eine weitere Großkundgebung vor dem Ministerium für Human-Ressourcen statt.

Ausgelöst hatte die Proteste der Regierungsbeschluss von Anfang des Monats, der erstmals konkrete Zahlen im Zusammenhang mit den neuen Hochschulgesetzen ins Spiel brachte. Demnach würde die Quote der Studienanfänger, die einen gebührenfreien Studienplatz erhalten, auf 10.000 - ein Fünftel der letzten Zahl - sinken. Auf diese Weise würden für die meisten Studenten Studiengebühren eingeführt werden. Aber auch die "Staatsfron" nach gefördertem Studium - die Pflicht, die doppelte Studienzeit in Ungarn "abzuarbeiten", was möglicherweise auch gegen die in der EU geltende Freizügigkeit verstößt - und die klammheimliche Abschaffung der Universitätsautonomie durch die Einsetzung regierungsernannter Wirtschaftsdirektoren an den Unis (sogenannte "Kanzler") brachten das Fass zum Überlaufen.

In der rechtsnationalen Regierungspartei Fidesz brach angesichts der anschwellenden Proteste Unruhe aus. Seit vielen Jahren polemisiert Fidesz gegen jede Art von Studiengebühren. Am Samstag "verhandelte" schließlich Orbán in einer Budapester Szene-Kneipe unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit angeblichen Studenten. Beim Abgehen sagte er zu Journalisten: "Quoten? Die wird es nicht geben."

In Budapest herrscht jetzt eine gewisse Konfusion. Offenbar hat Orbán im Handumdrehen das gesamte Quotensystem - gebührenfreie, teilgeförderte und selbstbezahlte Studienplätze - gekippt. Unklar bleibt allerdings, wie die Unis finanziert werden sollen, wenn wieder plötzlich alle gebührenfrei studieren können. Am Mittwoch wird die Orbán-Regierung die Hochschulfrage nach eigener Darstellung neu regeln. Für den selben Tag haben Schüler und Studenten eine neue Großdemonstration angekündigt. (Gregor Mayer aus Budapest /DER STANDARD, 18.12.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 55
1 2
Niemand hat vor, eine Mauer zu errichten

Und wenn dann ein Jungakademiker dennoch geht? Kommt dann eine Anzeige wegen Republikflucht? Ach nein, "Republik" wurde ja aus dem offiziellen Namen gestrichen.
Ich hoffe jedenfalls, das diese Dinge zu den letzten Todeszuckungen der Nationalstaatsreligion gehören - europaweit.

orban ist der, den...

orban ist der, den eine mehrheit gewählt hat, und der, den eben diese mehrheit VERDIENT hat... mehr gibt es dazu nicht zu sagen! auch die italiener haben ihren 'burlesconi' und die österreicher ihren 'schweige-mascherl-kanzler' gewählt und verdient; von den kärntnern erst gar nicht zu reden...LoL !

Die Sache ist schon entschieden, alles war nur ein typischer Orbán-Bluff: der Zugang wird jetzt über "Aufnahmekriterien" geregelt. Anstelle der Begrenzung der Plätze tritt die Schraube der Punkte im Eignungstest, die man beliebig verstellen kann. Regierung nennt das "Qualität" als einziges Kriterium. Bleibezwang bleibt auch erhalten, wurde schon regierungsamtlich klargestellt. http://www.pesterlloyd.net/html/1250... enten.html

verspäteter Bericht

gestern fürh hab ich die Hälfte von diesen News im Radio gehört (bin erst zu spät dazu gekommen) dann hab ich den ganzen Tag anch einem Bericht gesucht, nichts.
Mcih hätt nämlich interessiert was die Ungarn so an studiengebühren zahlen.

Ziemlich komplexes System, hier gibt aber ein paar brauchbare Zahlen dazu: http://goo.gl/7ispv

Danke!

Nur nebenbei:

Bajnai, der Hoffnungsträger (http://derstandard.at/135025896... ion-einen) hält Studiengebühren für möglich und notwendig, nur Meyer berichtet nicht darüber.

Bajnai, der Hoffnungsträger, sowie sehr viele vernünftige Menschen, halten Studiengebühren für möglich und teilweise notwendig - ich auch z.B.

Allerdings mit zwei klitzekleinen Ergänzungen zu den Fidesz-Vorstellungen:

a) Die Studiengebühren müssen dem lokalen Einkommensniveau entsprechend tragbar sein.

b) Sie müssen durch ein weitgehendes soziales Stipendienprogramm ergänzt sein. JEDER, der geeignet ist für ein Studium, muss auch den Zugang in der Realität erhalten können.

Sie werfen also leider wieder eine Nebelgranate, "vergessen" aber die wesentlichen Inhalte...

Na und?

Dann werden die Studenten auch gegen Sie protestieren.

Bagolyvár-Kommentar wie leider in letzter Zeit üblich : Ein rotzig hingeschriebenes, meist persönlich werdendes etwas, nur ja nicht inhaltlich auf das Vorposting eingehen.
Schade.

Da Sie mein Kommentar zu Punkt a, oder zu b?

vermissen: beide Ergänzungen sind überflüssig, soweit haben die Fideszler auch schon gedacht.

So, haben die Fideszler soweit gedacht ? Wirklich ?

No, viel ist bei diesem Nachdenken nicht herausgekommen - wie üblich möcht ich sagen...
Nach wie vor sind die von Fidesz beabsichtigten Studiengebühren exorbitant hoch, nach wie vor gibt es extreme Beschränkungen beim Gratiszutritt. Orientieren Sie sich bitte an der Realität !

Versuchen Sie es mit Zahlen.

Wie hoch sind diese geplanten exorbitant hohe Studiengebühren?

Für die nicht staatlich finanzierten Studenten : Bis zu 2000 EUR/Jahr.
Zum Vergleich : Wo es in Österreich Studiengebühren gibt, betragen diese rund 650 EUR/Jahr.
Das österr. Durchschnittsgehalt ist etwa 3x so hoch wie das ungarische.
Wenn wir also diese Zahlen miteinander in Beziehung setzen, ergibt sich in Ungarn das (in Relation zum Durchschnittseinkommen) bis zu 9-fache der österr. Studiengebühr.

Ich weiss nicht, wie Sie das sehen - aber für mich ist das exorbitant.

Sie bluffen schon wieder! 1

Hochschulbildung gibt/gab es in Ungarn nur gegen Studiengebühren. Der Kandidat kann allerdings zwischen staatlich unterstützte und eigenfinanzierte Variante wählen. Beim ersteren – entsprechende Leistung vorausgesetzt- übernimmt Vaterstaat die Kosten in Form von Stipendien, beim letzteren gibt es, wieder Leistung vorausgesetzt, begünstigte Studentenkredite.
Die Studiengebühren werden von den Anstalten festgesetzt. Das teuerste Studium: IBS 4700€/a, also weit über ihren geblufften 2000.

Es ist mir langsam leid, über Ihre Demagogien herumzustreiten.
"Hochschulbildung gibt/gab es in Ungarn nur gegen Studiengebühren. " Seit wann bitte genau ?

Fein. Dann sind also viele Studiengebühren in Ungarn noch viel höher als die von mir erwähnten 2000 EUR/Jahr. Das ist ja noch schlimmer !
Und wann und von wem wurden sie eingeführt ? Sieh da - von Fidesz. 2011. Sowas aber auch !

Ah ja - war Fidesz nicht die Partei, die einen Riesenwirbel veranstaltet hat, als Gyurcsány vor ein paar Jahren eine (um ein mehrfaches niedrigere) Studiengebühr einführen wolte ?

Nein mein Lieber!

Bla, bla: Es eine Errichtung die exorbitant hohen Gebühren verlangt: IBS/Budapest,eine private Stiftung. Also eine, und nicht viele, die über 2000€ liegt.

Sonst noch mehr blab,bla:

Studiengebühren gibt es in Ungarn seit 2008.
Googeln Sie mal wer die eingeführt hat!

Andere haben es schon erraten: ein gewisser Gyurcsány.

Ansonst: die Demagogie lässt gerne grüßen.

Sind Sie neulich so schlecht informiert oder tun Sie das (das Irreführen ) mit Absicht?

Gyurcsány WOLLTE NUR 2008 Studiengebühren einführen, aber Fidesz hat es mit dem Dreifach-Volksreferendum verhindern können. Mit grossem Mehr haben sich die ungarischen Stimmbürger für Gebührenfreiheit bei Arzt- und Spitalbesuchen sowie beim Studium an staatlichen Hochschulen ausgesprochen und Gyurcsány hat das Resultat des Referendums respektiert.

http://www.nzz.ch/aktuell/s... m-1.686517

http://en.wikipedia.org/wiki/Hung... ndum,_2008

Der Hinweis auf Pester Lloyd geht noch ab.

Dass das Referendum Ihnen noch immer weh tut, das glaube ich schon. Als kleiner Trostpflaster, auch für Ihre Finger, die Sie in der Sache wundgeschrieben haben: Sie werden sich nicht für die Wahlen registrieren müssen!

Wenn Orbán nicht etwas einfällt wie dem Gyurcsány damals: statt Studiengebühr: "Teilbeitrag zur Entwicklung"!

Mein Gott, jetzt werden Sie aber vom allgemeinen Demagogen zum elenden Demagogen !
- Wie anderweitig von mir bereits festgestellt : Ja, Gyurcsány wollte 2008 Studiengebühren einführen (u.zw. solche, die einen Bruchteil der jetzigen betrugen) . Darauf hat Fidesz mit Riesenwirbel die Dreifach-Volksbefragung initiiert. Eine der drei Fragen zielte auf die sofortige Wiederabschaffung der Studiengebühren, die anderen beiden auf die Abschaffung der 300-Ft Ordinationsgebühr und des Krankenhaus-Taggeldes. Diese "Nona-Volksbefragung" war erfolgreich. Endgültig Studiengebühren eingeführt hat Fidest, u.zw. exorbitant hohe. Die IBS-Privatuni haben SIE ins Spiel gebracht, nicht ich.
Ärmlich, was Sie da bringen !

Ansonst: die Demagogie lässt gerne Grüßen

Ansonst: die Demagogie lässt gerne Grüßen

Daweil ich nicht umsonst mit dem Satz geendet habe. Dass Sie sich auf den Trick berufen werden war zu erwarten.
Aber klären wir auf:
Demagogie ist es wenn man statt Studiengebühren fejlesztési részhozzájárulást (fer)= Teilbeitrag zur Entwicklung einhebt, und so tut als wäre das Studium gratis, als hätte man den Volkswilolen erfüllt. Der ofizieller Name ist ein anderer, das Kind ist aber das gleiche, drum wird es in der Umgangssprache weiterhin "Studiengebühr" genannt, wie Wiki es schreibt: " köznyelvben tandíj".

Und Sie setzen fort mit Ihren Nebelgranaten und Ihrer bewussten Irreführung der nicht informierten Leser...

"fer" WAR die von Gyurcsány beabsichtigte Studiengebühr, die von Fidesz abgeschossen wurde. Sie betrug (hätte betragen) jährlich 105.000 HUF = ca 400 EUR (die Unis hätten die Möglichkeit gehabt, davon nach unten oder nach oben in beschränktem Ausmass abzuweichen) Ein Drittel bis zur Hälfte davon hätte für Aufstockung von Stipendien verwendet werden MÜSSEN. Die allermeisten Studenten wären von der Gebühr befreit gewesen (Erststudium oder guter Lernerfolg oder soziale Indikation).

Gy. hat also nicht, wie von Ihnen leise angedeutet, NACH dem Abschuss durch Fidesz "hintenherum unter anderem Namen" doch eine Studiengebühr eingeführt.

Posting 1 bis 25 von 55
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.