Mit Abe erwartet Japan Rückkehr zu Atomenergie

Birga Teske aus Tokio
17. Dezember 2012, 17:25

Unter der neuen Regierung von Premier Shinzo Abe wird Japan trotz der Fukushima-Katastrophe zur Atomenergie zurückkehren

Am zweiten Weihnachtstag erhält Japan ein besonderes Geschenk: den siebenten Premierminister in sechs Jahren. Shinzo Abe, der als Vorsitzender der Liberaldemokratischen Partei (LDP) am Sonntag einen erdrutschartigen Wahlsieg verbuchte, hatte bereits 2006 für wenige Monate dieses Amt inne. In seinem zweiten Anlauf als Regierungschef will er vor allem die Wirtschaftspolitik des Landes ändern. Doch auch die Energie- und Sicherheitspolitik Japans könnten einen Richtungswechsel erleben.

Die LDP hatte Japan fünf Jahrzehnte lang fast ununterbrochen regiert, bevor 2009 erstmals eine Oppositionspartei die Macht übernahm. Bei den vorzeitigen Neuwahlen am Sonntag straften die Wähler die Democratic Party of Japan (DPJ) für drei erfolglose Regierungsjahre ab. Die LDP errang 294 der 480 Unterhaussitze und hat zusammen mit den 31 Sitzen ihres traditionellen Koalitionspartners New Komeito die Zweidrittel-Mehrheit. Die DJP stürzte von 233 auf 57 Sitze ab.

Zwei AKWs wieder in Betrieb

Eine der wichtigsten politischen Entscheidungen der DPJ war die Abschaltung der 50 funktionsfähigen Atomreaktoren nach der Katastrophe von Fukushima gewesen. Inzwischen sind zwei Meiler wieder in Betrieb, um Versorgungsengpässe zu vermeiden.

Beobachter erwarten, dass die LDP mit ihren engen Beziehungen zur Energiebranche das schnellstmöglich ändern wird. Der desi gnierte Premier Abe hat sich für eine zehn Jahre lange Prüfphase ausgesprochen. "Ich glaube, dass sie dieselbe Politik verfolgen werden wie vor Fukushima", sagte Politikprofessor Koichi Nakano am Montag vor ausländischen Journalisten in Tokio. "Die Frage ist nur, ob sie es sofort tun oder noch die nächste Oberhauswahl abwarten."

Wirtschaftspolitisch dürfte Tokio zu einer Strategie der umfangreichen Konjunkturprogramme zurückkehren. Die Aktienmärkte reagierten positiv auf den Wahlsieg der LDP. Der Nikkei-Index kletterte am Montag um knapp ein Prozent auf ein Achtmonatshoch von 9828 Punkten. Bereits in den vergangenen Wochen war das Aktienbarometer gestiegen, weil Investoren auf Konjunkturpakete und eine Abschwächung des Yen setzten. Abe will die seit Jahren grassierende Deflation beenden. Am Montag sagte er, das neue Kabinett werde die Notenbank zu einem Inflationsziel von zwei Prozent verpflichten.

Außenpolitisch tritt Abe als Hardliner gegenüber China, Nord- und Südkorea auf. Entsprechend verhalten fielen die Reaktionen auf seinen Wahlsieg in Peking aus. Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums forderte Abe auf, den Konflikt um die von beiden Ländern beanspruchten Senkaku-Inseln zu lösen.

US-Präsident Barack Obama gratulierte dem designierten Premier. Die USA setzen in der Region auf den Bündnispartner. Abe selbst würde Japan gerne mehr militärisches Gewicht verschaffen. Allerdings soll er einem Bericht zufolge einen Abzug des japanischen UN-Kontingents von den Golan-Höhen erwägen. Österreich stellt dort den Großteil der Blauhelme. (Birga Teske aus Tokio, DER STANDARD, 18.12.2012)

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Manchmal hätte ich gerne ein bisschen mehr asiatische Weisheit in der deutschsprachigen Politiklandschaft.

Die Russen bauen richtig gute Gezeiten-Kraftwerke, sollte sich eine Inselnation wie Japan vielleicht mal anschauen.

Ne englische Doku dazu
http://rt.com/programs/... er-future/

menschen und bienen

bei den menschen istes genau umgekehrt wie bei den bienen: das kollektive kurzzeitgedächtnis ist kürzer als das individuelle.

Man hofft eben in Japan, dass es so wie früher wird...

wenn man dieselbe Partei wie früher wählt.

Vielleicht brauchen's wirklich noch ein zweites Fukushima (das erste ist noch längst nicht erledigt), um die Lektion zu kapieren.

Wir sehr schlau in einer Gegend Atomkraft zu fördern, die extrem Erdbeben- und Tsunamigefährdet ist.
Das nächste Unglück kommt bestimmt und sie werden ja sehen wie es ihnen ergeht - ausgerechnet auf einer Insel, auf der man ja so viel Platz zum Ausweichen hat.

Reaktor 4

Die nächste Katastrophe in Japan heißt mit 98% Wahrscheinlichkeit Reaktor 4:
http://www.global2000.at/site/de/n... unami2.htm
Es ist ein Jammer, dass es so kommen wird müssen.

sehr gut, erhöht Europas Chancen unverseucht zu überleben

Irgendein Kontinent wird wohl komplett radioaktiv verseucht werden müssen damit die anderen aus dem radioaktiven Wahn aussteigen.
Gier macht blind und dumm.

Tschernobyl hat immerhin nachhaltige Auswirkungen gehabt.

Die Atomlobby hat ihre dreisten Lügen danach auf Jahre zurückgefahren.

Japan ist politisch genauso am Ende wie die USA

mal schauen, was das nächste Erdbeben in der politischen Landschaft (nicht) bewirkt :-)

Ohje, auf Einsicht hoffen...

eher kommt Godzilla aus dem Meer und trampelt Tokio kurz und klein.

... zum Glück ist das Land weit weg....

Dioe Bevölkerung tut mir zwar leid, aber sie wußten ja, wen sie wählen.....

Das nächste Beben

und der nächste Zunami kommen sicher!

Ja, leider! Das kann man nicht verhindern. Ob man die Vorwarnung vor einem Tsunami so ausbauen kann, dass nicht so viele Menschen sterben müssen wie 2011 ist zu hoffen - aber die Schäden an den Küsten werden sicher wieder groß sein. Was aber die Kernkraftwerke angeht bin ich zuversichtlich: Sie wurden ja nicht durch das Erdbeben zerstört (Weltweit noch kein Einziges, obwohl lt. Global 2000 fast alle am Schnittpunkt von Erdbebenlinien liegen :)) und ich bin sicher, dass man sich in Japan nicht ein zweites Mal unvorbereitet (zu niedrige Schutzmauer, Notstromdiesel nur im überfluteten Bereich....) überraschen wird lassen. Also was solls?

Naja

Ein "Zunami" wär mal ja was neues...

Kein sooo gravierender Wechsel in dieser Hinsicht

Auch Noda war der Atomkraft freundlich gesinnt, das sollte man hier nicht vergessen. Seine Ankündigung eines Atomausstiegs war eher ein verzweifeltes populistisches Manöver im heißen Wahlkampf und nicht allzu ernst zu nehmen.

Im Grunde wurde ein "atomfreundlicher" Premier durch einen anderen ersetzt.

So oder so wären zumindest einige Reaktoren wieder hochgefahren worden.

Interessant wäre noch, was mit der "zehnjährigen Prüfphase" gemeint sein könnte: Ein zehnjähriger Stopp für den Bau neuer AKW?

naja...

...das gute daran ist, dass japan wieder für uns touristen dadurch billgier wird. derzeit ist der yen kurs ja nicht gerade lustig

Gut so, diese wende der wende muss auch in Deutschland einbrechen.

Warum genau?

Der alltägliche Irrsinn der deutschen Energiewende

http://www.welt.de/wirtschaf... wende.html

Und warum genau soll dies ein Zeichen für den Rückkehr zum Atom geben?

Atomenergie ist die wahre ‘grüne’ Energie

deswegen

Nuclear power is true ‘green’ energy
http://www.washingtontimes.com/news/2009... /?page=all

Nuclear energy
greener than you think?
http://www.nerc.ac.uk/publicati... uclear.pdf

Atomenergie ist die wahre ‘grüne’ Energie

Die Entsorgung ist wahnsinnig grün.

Und erst den Spaß den alle haben, wenn so ein Reaktor leckt oder schwer beschädigt wird. Da haben Generationen noch was davon! DAS ist echte Nachhaltigkeit.

eh

grün, weils so schön strahlt
und wenn du schon die welt zitierst -> ich wünsch mir auch noch nen link zur bild bitte

Und wer konkret soll die Lagerung/ Bewachung des entstehenden Giftmülls über die nächsten 100.000 bis 200.000 Jahre bezahlen?

Zum Vergleich: vor 10.000 jahren endete die Steinzeit.....

Giftmüll

Ja genau, wie ist das eigentlich mit dem Giftmüll? Wie entsorgt man denn die ganzen Dioxinverbindungen, die Arsen- Quecksilber- Blei- Cadmiumverbindungen? Soweit ich weiß werden diese von Österreich nach Deutschland zur Endlagerung verbracht. Wer bewacht denn das auf ewige Zeit? Das sind ja keine radioaktiven Stoffe, die sich nach einiger Zeit von selbst in Wohlgefallen auflösen, die hat man ja auf ewig!
Wieso glauben Sie dass die Endlagerung radioaktiver Stoffe schwieriger bzw. teurer ist als die Lagerung des (nicht zerfallenden) Giftmülls?

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