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Der Plastiklöffel im Kindermund ist möglicherweise giftig: ein Themenabend über "Gift im Spielzeug" und Maßnahmen der EU auf Arte, um 20.15 Uhr.
Wien - Auch diese Weihnachten werden wieder viele bunte Geschenke Kinderherzen höherschlagen lassen - aber nicht nur ihre: Nach Ansicht von Gift im Spielzeug (heute, 20.15, Arte) sollte der Elternpuls ebenfalls rapide ansteigen: Die quietschige Aufmachung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Plüschteddy und Plastikauto womöglich hochtoxisch sind und krebserregende Kohlenwasserstoffe enthalten. Jedes Kind, das mit diesen vergifteten Spielzeugen kuschelt, spielt, sie mit ins Bett nimmt, setzt sich einer unabsehbaren Gefahr aus, lauten Expertenmeinungen.
Gift kann in jedem Spielzeug sein, berichten die Arte-Reporter Tuan Lam, Joanna Michna und Nicole Probst. Denn die Kontrollen sind lückenhaft.
Eine neue EU-Richtlinie regelt ab Mitte nächsten Jahres die chemische Zusammensetzung von Spongebob, Barbie und Plüschdino. Das Regelwerk ist aber umstritten: Bei Blei, Antimon, Quecksilber und nitrosierbaren Stoffen habe man Standards gesenkt, kritisiert Nicole Maisch, grüne Verbraucherpolitikerin in Deutschland. Die erlaubte Menge an Arsen im Spielzeug ist laut neuer Richtlinie gar fünfmal so hoch als bisher: "Da hat sich eine verantwortungslose Lobby durchgesetzt. Das kann nicht sein" , sagt Maisch. Eine Klage gegen die EU läuft.
Tests erbringen mitunter horrible Ergebnisse: Luftballons mit Nitrosaminen, Allergien verursachendes Nickel im Spielzeugauto, giftige Weichmacher für das Stethoskop im Arztkoffer, krebserregende Azofarbstoffe im gefärbten Puppenhaar fördern Prüfstellen zutage. Mehr als kurzen Alarm schaffen die Funde nicht. Den Interessen der Kritiker stehen jene der Industrie gegenüber. 15 Milliarden Euro setzt die Branche pro Jahr um und freut sich über Zuwächse, obwohl Geburtenraten kontinuierlich sinken.
Der Film dringt zu den Wurzeln der Verwertungsketten vor. 86 Prozent aller beanstandeten Produkte stammen aus China. Ein besonderer Trugschluss ist weiters die CE-Kennzeichnung auf den Waschzetteln der Spielzeuge. Weder Hersteller noch Importeure müssen ihr Produkt von einer unabhängigen Stelle prüfen lassen. Sie tragen selbst die Verantwortung und dürfen von sich behaupten, Schadstoffgrenzen einzuhalten: ein Qualitätszertifikat, das einen Freibrief für falsche Angaben ausstellt.
Arte widmet dem giftigen Spielzeug einen Themenabend. Nach der Problemstellung folgt der Service: Um 21.10 Uhr erfährt man, was hinter Gütesiegeln steckt, welchen Produkten man vertrauen kann und wo man sich am besten im Web informiert. Um 21.35 Uhr diskutieren Experten. (Doris Priesching, DER STANDARD, 18.12.2012)
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