Geleakter Bericht sorgt für Streit bei Klimaexperten

17. Dezember 2012, 17:25
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Skeptiker stellte Daten vorab online

Genf/Wien - Die Informationspolitik des Klimasekretariats der Vereinten Nationen IPCC bleibt ungeschickt. Der nächste sogenannte " Sachstandsbericht", der eigentlich erst im Herbst 2013 veröffentlicht werden sollte, ist im Internet bereits jetzt nachzulesen. Für die Organisation besonders peinlich ist, dass der Bericht auf der Webseite eines Klimaskeptikers ( stopgreensuicide.com) veröffentlicht wurde. "Nun wird dem Bericht niemand mehr Aufmerksamkeit schenken, wenn er im nächsten Herbst offiziell freigegeben wird", sagt Erwin Mayer von der auf Umweltfragen spezialisierten Agentur Denkstatt.

Eigentlich will das IPCC mit der offeneren Informationspolitik dem Vorwurf entgegenwirken, dass Wissenschafter, die an einen vom Menschen verursachten Klimawandel nicht glauben, mit ihrer Expertise bisher keinen Eingang in die Berichte fanden. Und dass andere Theorien zur Erderwärmung als die Nutzung fossiler Energien bisher immer ausgeblendet wurden. Außerdem sollten mit einer breiteren Begutachtung der umfangreichen Berichte Fehler hintangehalten werden. Schließlich hatte es beim letzten Bericht aus dem Jahr 2007, dem vierten Sachstandsbericht, peinliche Rechenfehler zu Gletscherschmelze und Meeresspiegel gegeben.

Diese Informationspolitik fällt nun dem IPCC sozusagen auf den Kopf: Eigentlich müssen sich Mitarbeiter zu Verschwiegenheit verpflichten. Daran aber hielt sich der Klimaskeptiker Alec Rawls nicht. Ohne Probleme konnte er sich beim IPCC als "Experten-Gutachter" anmelden und kam so in den Besitz des unfertigen Berichts. Laut Magazin Spiegel beschäftigt sich Rawls mit "Moraltheologie" und publiziert eher dubios zu Themen wie Moscheebau in den USA.

Inhaltlich bestätigt der Bericht ältere Erkenntnisse, formuliert aber klarer und eindeutiger. Die Beweislage dafür, dass an Schnelligkeit und Umfang des Klimawandels der Mensch schuld ist, habe sich weiter verdichtet, heißt es darin. Im IPCC ist man von den Vorkommnissen nicht begeistert. Dies erschwere den Reviewprozess, schließlich sind 31.422 Kommentare zu überprüfen und gegebenenfalls einzuarbeiten. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 18.12.2012)

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