Strasser-Prozess: Britische Journalisten sagen "unsichtbar" aus

Videobefragung am 11. Jänner bleibt für Medien und Zuschauer unsichtbar - Urteil für selben Tag geplant

Die britischen Aufdeckungsjournalisten Claire Newell und Jonathan Calvert, die sich Ernst Strasser gegenüber als Lobbyisten ausgegeben hatten, werden im Prozess gegen den ehemaligen Innenminister und EU-Delegationsleiter der ÖVP als Zeugen zur Verfügung stehen. Das haben sie dem Wiener Straflandesgericht fix zugesichert.

Newell und Calvert werden beim nächsten und voraussichtlich letzten Verhandlungstermin am 11. Jänner per Videokonferenz befragt. Für Berichterstatter und Publikum sollen sie dabei aber "unsichtbar" bleiben. Die Reporter hätten ihre Bereitschaft zur gerichtlichen Befragung an die Bedingung geknüpft, dass ihre Anonymität gewahrt bleibe, da sie ansonsten nicht mehr investigativ arbeiten könnten.

Bedingung: Anonyme Aussage

Newell und Calvert waren getarnt als Lobbyisten einer Londoner Agentur namens Bergman & Lynch für die "Sunday Times" an Strasser herangetreten und hatten ihm laut Anklage die entgeltliche Bereitschaft zur Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung entlockt, indem sie ein Honorar von 100.000 Euro pro Jahr in Aussicht stellten.

Das Wiener Gericht wird bei der Videokonferenz den Bildschirm nun so platzieren, dass nur der Schöffensenat, die Staatsanwältin und der Verteidiger Calvert und Newell, die mittlerweile für den "Telegraph" arbeitet, zu sehen bekommen.

Prozessende noch am 11. Jänner erwartet

Das erscheint insofern skurril, als bei den heimlich aufgenommenen Videos, die die stundenlangen Gespräche der beiden mit Strasser dokumentieren, Calvert über weite Strecken in Großaufnahme zu sehen ist.

Der Prozess gegen Strasser, dem wegen Bestechlichkeit bis zu zehn Jahre Haft drohen, soll nach der Videokonferenz und weiteren Einvernahmen noch am 11. Jänner zu Ende gehen. (APA, 17. 12.2012)

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