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vergrößern 800x533Temporäre Installation in der Kulturhauptstadt 2012: Matej Andraz Vogrincic verwandelte in Marburg/ Maribor einen überdimensionalen Lichtschacht in einen Swimmingpool.
vergrößern 800x533Am Ende des Kulturhauptstadtjahres: Proteste gegen Programm und Macher.
Mehr als zwei Millionen Besucher, eine massive Zunahme vor allem österreichischer Tagestouristen und 5230 Events, die in Maribor und fünf Partnergemeinden im Nordosten Sloweniens ein "kreatives Potenzial" geweckt hätten: Die Intendanz der diesjährigen europäischen Kulturhauptstadt Marburg/Maribor (EPK) zog am Wochenende eine uneingeschränkt positive Bilanz. Selbst durch aktuelle Hiobsbotschaften ließ man sich die Feierlaune im Narodni Dom nicht nehmen, wo schließlich Laternen an Verantwortliche aus Kosice und Marseille überreicht wurden. Die beiden Kommunen in der Ostslowakei und in Südfrankreich amtieren 2013 als europäische Kulturhauptstädte.
Die Zeremonie blieb am Wochenende geladenen Gästen vorbehalten. Aus Sicherheitsgründen war auf eine Großveranstaltung verzichtet worden: Unerwartet war zuletzt in der 120.000-Einwohner-Stadt eine kleine Revolte ausgebrochen, Tausende waren wiederholt gegen Bürgermeister Franc Kangler auf die Straße gegangen. Der seit Jahren unter multiplem Korruptionsverdacht stehende Kangler erklärte seinen Rücktritt mit 31. Dezember. Der Abschlussveranstaltung blieb er fern.
Führende Protagonisten der Kulturhauptstadt hatten zuvor die Proteste mit ihrem Programm in Verbindung gebracht. EPK - so meinte Projektleiter und Dichter Ales Car - habe zu einer "Neudefinition des Geists von Maribor" geführt. Nicht alle teilen diese Einschätzung. Der Philosoph Boris Vezjak, einer der bekanntesten Intellektuellen der Stadt, ortet einen profaneren Auslöser: Neue Radargeräte, die zu mehr als zwanzigtausend Strafzetteln wegen Geschwindigkeitsübertretung führten, hätten das Fass zum Überlaufen gebracht. Zuvor waren dubiose Details jenes Vertrages bekannt geworden, den die Stadt mit dem privaten Betreiber der Messungen abgeschlossen hatte. Gleichzeitig geht Vezjak auch mit Maribor 2012 hart ins Gericht: "Es sind zwar einige berühmte Persönlichkeiten wie Jan Fabre oder Rebecca Horn in die Stadt gekommen. Wirklich Erwähnenswertes ist nicht passiert."
Vezjaks Urteil fällt ein wenig zu kritisch aus. Fest steht, dass die Programmmacher stark auf Import gesetzt hatten und internationale Größen verpflichteten, die sich eine Stadt von der Größe Marburgs normalerweise nicht leisten könnte. Obwohl epochale Würfe sowie ein erkennbarer Hype für Kunst und Kultur fehlten, bleiben einige lokale Produktionen in Erinnerung: Etwa die intelligente Reihe Urbane Furchen, die sich mit " grünen" Fragen beschäftigte und 80 Familien einen "Ökogarten" im Stadtraum anlegen ließ.
Drago Jancar wurde als einer der wichtigsten Literaten Maribors gewürdigt, seinem Werk mit Leuchtreklame-Zitaten im öffentlichen Raum eine nie dagewesene Sichtbarkeit eingeräumt. Auch lässt sich die engagierten Schau Nemci in Maribor (Die Deutschen und Maribor) als wichtiger Schritt zur Aufarbeitung der Stadtgeschichte verstehen; kürzlich erschien dazu ein umfangreicher Katalog.
Regulärer Betrieb in Gefahr
Noch bis Ende Februar 2013 zeigt die Umetnostna Galerija Maribor (UGM) mit Bald ist Frühling eine beachtenswerte Leistungsschau slowenischer Kunst der letzten hundert Jahre. Während das Stammhaus eher beengt das 20. Jahrhundert präsentiert, beeindruckt vor allem jener Teil der Ausstellung im ehemaligen Hotel Slavija, der sich auf das neue Jahrtausend konzentriert. Hier überzeugt eine temporäre Installation auf dem Flachdach eines Nebengebäudes - Matej Andraz Vogrincic hat hier einen überdimensionalen Lichtschacht in einen Swimmingpool verwandelt.
Bald ist Frühling illustriert, dass UGM dringend eine neue Location braucht. Fragwürdige Entscheidungen der Stadtregierung hatten dies bisher verhindert. Vergangene Woche wurde aber bekannt, dass Kulturminister Ziga Turk die für den UGM-Neubau reservierten zehn Millionen Euro für ein Militärmuseum im Süden Sloweniens verwenden will. Und selbst Maribors regulärer Kulturbetrieb ist in Gefahr - krisenbedingt setzen Stadt und Staat auf einen radikalen Sparkurs. Kulturpolitik war für die lokale Protestbewegung dabei jedoch kein Thema, man fordert Rücktritte und Neuwahlen. Aber womöglich behalten auch die Kulturhauptstadt-Verantwortlichen Recht.
Zumindest dann müssten Demonstranten bald auch gegen Kürzungen des Kulturbudgets auf die Straße gehen. (Herwig Höller, DER STANDARD, 18.12.2012)
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