Polit-Memory

Glosse |

Schöne neue Welt ab gleich

Also. Popelt sich unter dem Punschnebel, der gerade flächendeckend und grenzüberschreitend die Erde verhüllt, etwa ein neues Zeitalter heraus? Geht die Welt mayamäßig unter oder nur, hoffentlich, die Gier, die Respektlosigkeit, der Neid, die Lieblosigkeit, die Korruption, die Eitelkeit, die Ellbogenmentalität, die Unfreundlichkeit, der Schlankheitswahn und die Eigensucht?

Also: Altes Denken adieu? Ja bitte. Jetzt. Ab gleich. Übergangslos. Wir sind bereit für Transparenz. Wir wollen es anders: im Leitmedium ORF. In der Spitzenpostenbesetzung, auch und vor allem im Kulturbereich. Überhaupt: in der Kulturpolitik. Und auch in der Rücktrittskultur.

Doch politische Kleingeldzähler agieren beim Stimmenpoker immer noch nach dem Schema uralt. Welche Frage passt zu welcher (Partei-)Farbe? Volksbefragung ist das neue Politmemory.

Weil Österreich sintflutartig von Korruptionswellen überschwemmt wird, hat eine umweltbewusste Partei ein No-na-Volksbegehren dagegen initiiert. Zu ihrer Farbe passend: a g'mahte grüne Wies'n.

Denn allzu viele vernunftbegabte Menschen werden ja nicht pro Korruption votieren - aber bei den nächsten Wahlen eventuell kontra Nonaisten aller Couleurs.

Das Ende des Maya-Kalenders wäre das Ende politischer Dummverkäufer? Ja, so schön könnte sie sein, die neue Welt. (Andrea Schurian, DER STANDARD, 18.12.2012)

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