Brachiale Soundgewitter

17. Dezember 2012, 17:44
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Subtile Wucht und aufeinandergetürmte Riffs: Converge, Touche Amore, A Storm of Light und The Secret in der Wiener Arena

Wien - Passend zum demnächst angesagten Weltuntergang tourt momentan ein Paket mit vier Hardcore-Combos durch die Alte Welt.

Converge aus dem allen Freunden von Hexenprozessen und Halloween-Themenparks bekannten Ort Salem im US-Bundesstaat Massachusetts wurde Anfang 1990 gegründet. Sänger und Texter Jacob Bannon sowie Gitarrist und Produzent Kurt Ballou sind bis heute dabei, gemeinsam mit Bassist Nate Newton und Schlagzeuger Ben Koller widerlegen sie das Vorurteil, das alle Hartkernbands ohnehin gleich klingen - Hauptsache, es geht laut, schnell und heftig zur Sache. Nicht dass diese Attribute auf Converge nicht zutreffen würden, die aber in inzwischen acht Studioalben beweisen, dass auch in diesem Genre komplexe musikalische Strukturen mit Takt- und Tempovariationen die brachialen Soundgewitter aufzulockern vermögen. Bisweilen klingen einzelne Parts auf der vorletzten Platte Axe To Fall gar nach Pink Floyd.

Gern verbünden sich die Poltergeister dabei mit Seelenverwandten von Neurosis oder Dillinger Escape Plan - zuletzt im August des aktuellen Jahres auch mit den einstigen Obergrunzern und Klangzerhäckslern von Napalm Death auf einer empfehlenswerten Split-EP, die auch mit einer Coverversion des Death-Metal-Knurrers Wolverine Blues von Entombed droht. So klingen genuine Erben von Black Flag und Slayer, ein perfektes Relais zwischen den Metaller- und Hartkernszenen, wobei missionarische Straight-Edge-Ideologie keine Rolle spielt - die nötige Dosis Sozialkritik wird durch sehr persönliche Texte über Tod und Beziehungskrisen ergänzt.

Bannon bastelt die Plattencover selbst, zudem betreibt er mit zwei Freunden das Label Deathwish Inc. Dort veröffentlichen Touche Amore aus Los Angeles, die sich heute ebenfalls die Seele aus dem Leib brüllen werden. Verbindungen zu Converge haben auch die Riffaufeinandertürmer von A Storm Of Light: der Frontmann der New Yorker Doomcombo, Josh Graham, entwirft sonst die Visuals für Neurosis. Bei The Secret aus Triest bedient Kurt Ballou die Regler im Produktionsstudio. Einzige Österreich-Show. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 18.12.2012)

18.12., Wien, Arena, 19.00. 01/798 85 95

  • Mit der nötigen Dosis Sozialkritik in der Arena: Converge aus Salem. 
    foto: switn

    Mit der nötigen Dosis Sozialkritik in der Arena: Converge aus Salem. 

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