Forscher empfehlen rasche Maßnahmen zur Emissionsreduktion

"Was wir die nächsten acht Jahre tun, bestimmt die langfristigen Möglichkeiten"

Wien - Rasche Maßnahmen zur Senkung von Treibhausgas-Emissionen empfehlen Forscher einmal mehr in einer aktuellen Analyse: Um wie angestrebt die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, sollten rasch entsprechende Handlungen gesetzt werden. Andernfalls werde es ab 2020 teuer und risikoreicher. Zudem schwinden die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, betonen Forscher vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien, der ETH Zürich und dem National Center for Atmospheric Research (USA). Sie haben im Fachmagazin "Nature Climate Change" eine Analyse über Kosten und Risiken veröffentlicht, die entstehen, wenn die Treibhausgas-Emissionen 2020 kritische Schwellen überschreiten sollten.

Die nahe Zukunft zählt

Mehr als 190 Staaten haben sich das Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Die Autoren der aktuellen Studie zeigen, dass dieses Ziel nach wie vor erreicht werden kann, selbst wenn die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 nicht reduziert werden und von derzeit 50 Gigatonnen pro Jahr auf 55 Gigatonnen ansteigen würden.

Dies wäre allerdings nur mit hohen Kosten, höheren Risiken und unter sehr optimistischen Annahmen über zukünftige Technologien möglich. Je stärker die Emissionen in naher Zukunft reduziert werden, desto billiger werde es, die Klimaziele zu erreichen und desto mehr Optionen gebe es langfristig, heißt es in einer Aussendung des IIASA.

"Das Klima ist ein kumulatives Problem - je länger man mit stringenten Maßnahmen zur Emissionsreduktion wartet, desto teurer wird es später. Die Höhe des Emissionsniveaus im Jahr 2020 wird die Kosten über die darauf folgenden 50 bis 60 Jahre bestimmen", sagte der Leiter des Energie-Programms am IIASA, Keywan Riahi.

Auch eine Frage der Flexibilität

Es sei allerdings "nicht nur eine Frage der Kosten, sondern auch der Flexibilität, die einem dann noch bleibt", betonte Riahi. So gebe es bei einem Anstieg der Emissionen auf 55 Gigatonnen nach 2020 und einem angenommenen durchschnittlichen Wachstum des Energiebedarfs nicht mehr die Möglichkeit, aus der Kernenergie auszusteigen. "Zudem müsste man weltweit über zehn Jahre hinweg jede Woche ein Kohlekraftwerk schließen, um dann noch das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen", so der Wissenschafter.

Neue Möglichkeiten würden auch radikale Maßnahmen etwa bei der Energieeffizienz oder Technologie-Durchbrüche wie eine vollständige Elektrifizierung des Transportsektors oder bei der unterirdischen Speicherung von CO2 (CCS-Technik: Carbon Capture and Storage) bieten. Allerdings seien solche Alternativen auch mit Risiken verbunden.

"Wenn wir möglichst viele Optionen haben wollen, sollten wir die globalen Emissionen bis 2020 auf 41 bis 47 Gigatonnen CO2-Äquivalent senken", so Joeri Rogelj von der ETH Zürich, Erstautor der Studie, die er am IIASA begonnen hat. Riahi ergänzt: "Was wir die nächsten acht Jahre tun, bestimmt die langfristigen Möglichkeiten." (APA, 17.12.2012)

Share if you care.