Kriegsfolgen-Forscher Stefan Karner feiert seinen 60er

17. Dezember 2012, 19:06
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"Forschergeist, Dialogfähigkeit sowie großes Engagement als Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft", würdigte Christa Neuper seine Persönlichkeit

Graz/Klagenfurt - Stefan Karner, Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, feiert am 18. Dezember seinen 60. Geburtstag. Schwerpunkte seiner Forschung bilden Fragen zur Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion, zu Zwangsarbeit in Österreich und zu den österreichisch-sowjetischen Beziehungen nach 1945. Im Kärntner Ortstafelstreit war Karner um den Dialog zwischen den Volksgruppen bemüht, legte einen eigenen Vorschlag vor und moderierte die Konsensgruppe.

Stefan Karner wurde 1952 in St. Jakob bei Völkermarkt in Kärnten geboren. Er studierte an der Universität Graz Geschichte und Russisch und habilitierte 1985. Zu Beginn der 1990er-Jahre gelang es ihm, als damals erster westlicher Wissenschafter Zugang zu den ehemaligen Archiven des Sowjet-Geheimdienstes NKWD und des Nachfolgedienstes KGB in Moskau zu erhalten: Seine Forschungen haben mittlerweile Licht in das Schicksal zigtausender Kriegsgefangener und Vermisster in den Gulags der Stalinzeit gebracht. Daneben erfasste er auch die nach 1945 nach Russland gebrachten Akten der Israelitischen Kultusgemeinden Wien und Graz.

"Einzigartige humanistische Pionierarbeit"

"Forschergeist, Dialogfähigkeit sowie großes Engagement als Vermittler zwischen Wissenschaft und Gesellschaft" würden Karner als Persönlichkeit auszeichnen, urteilte Christa Neuper, Rektorin der Universität Graz, im Vorfeld zum Geburtstagsfest. Dieses wird im Jänner in der Uni-Aula stattfinden. Durch die Erforschung der Leidenswege von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und vertriebenen Menschen habe Karner "eine einzigartige humanistische Pionierarbeit geleistet", würdigte der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari den Zeithistoriker, als er diesem zu Beginn des Jahres das Komturkreuz des päpstlichen St. Gregorius-Ordens überreichte.

Seit 1993 leitet Karner von Graz aus das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgen-Forschung (BIK), das es sich zur Aufgabe gemacht hat, Auswirkungen von Kriegen interdisziplinär zu erforschen. Zugleich steht er dem Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte an der Uni Graz vor.

Dialog im Kärntner Ortstafelstreit

Jahrelang setzte sich Karner auch im Kärntner Ortstafelstreit für den Dialog ein und moderierte die Konsensgruppe. Bereits 2005 hat er einen Vorschlag präsentiert: Das "Karner-Papier", das sich als gewichtige Grundlage in der Diskussion zur Lösung der Ortstafelfrage herausstellte, sah vor, dass in Gemeinden mit einem Slowenen-Anteil von zehn Prozent sowie in Ortschaften mit einem Anteil von 15 Prozent zweisprachige Ortstafeln aufgestellt werden. Beauftragt dazu wurde der mediengewandte Wissenschafter vom damaligen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Dieser hatte Karner bereits Ende der 1990er-Jahre mit der Leitung seiner Denkwerkstatt "Österreich - Zukunftsreich" betraut.

Karner ist Autor von mehr als 200 wissenschaftlichen Arbeiten und Herausgeber mehrerer Publikationsreihen und hat auch zahlreiche Ausstellungen kuratiert: 2005 die Staatsvertragsausstellung auf der Schallaburg: "Österreich ist frei!", 2008 die Republik-Jubiläumsausstellung "1918|2008" gemeinsam mit Lorenz Mikoletzky im Auftrag der Bundesregierung.

Mehrere Auszeichnungen

Für seine Arbeiten wurde Karner mehrfach ausgezeichnet, u. a. war er 1995 "Österreichischer Wissenschafter des Jahres" und erhielt im Vorjahr das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich". 1996 bekam er den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland 1. Klasse.

Trotz der Vielzahl an Forschungsprojekten und wissenschaftlichen Funktionen, Publikations- und Lehrtätigkeit pflegt der Vater zweier erwachsener Kinder mehrere Hobbys, schilderte seine engste Mitarbeiterin am BIK, Barbara Stelzl-Marx: Seinen Bewegungsdrang lebt der passionierte Tarockierer und Ziehharmonikaspieler mit Skifahren und Tourengehen aus. (APA, 17.12.2012)

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    Stefan Karner, Leiter des Ludwig Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, ist 60.

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