Jeder zehnte ältere Patient hat ein Suchtproblem

17. Dezember 2012, 13:22
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Grenzüberschreitende Untersuchung in Salzburg und Bayern - Problematischer Umgang mit Nikotin, Alkohol, Schmerz- und Beruhigungsmittel

Salzburg/Traunstein - Etwa jeder zehnte Patient über 60 Jahre hat ein Suchtproblem. Ein ähnliches Bild zeichnet das Pflegepersonal von Seniorenwohnheimen. Hier besteht bei mehr als sechs Prozent der Heimbewohner ein Suchtproblem. Das ergab eine grenzüberschreitende Studie in Salzburg und im benachbarten Bayern, deren Ergebnisse am Montag in Salzburg vorgestellt wurden.

Nach Einschätzung von Hausärzten und Internisten hat ungefähr jeder zehnte Patient über 60 Jahre ein Suchtproblem. Am häufigsten wurden Tabakabhängigkeit, schädlicher Gebrauch von Alkohol, Beruhigungsmittel oder Schmerzmittel angegeben. In den Seniorenheimen ortete das Pflegepersonal bei sechs Prozent der Bewohner Suchtprobleme. Auch hier wurden am häufigsten Tabakabhängigkeit, schädlicher Konsum von Alkohol, Schmerz- und Beruhigungsmittel genannt, wobei der Alkohol für die Pfleger das größere Problem darstellt.

Haar und Harn

Haaranalysen zeigten, dass 11,3 Prozent der Heimbewohner sowie 30,5 Prozent der Patienten in Krankenhäusern mehr als zehn Gramm Alkohol pro Tag trinken. Dieser Wert gilt laut Studienautoren als empfohlener Höchstwert. Er entspricht der Alkoholmenge von rund einem Viertel Liter Bier. Harnproben ergaben, dass jeder dritte Seniorenheimbewohner und auch fast jeder dritte Patient Beruhigungsmittel einnimmt. Nach Angaben der Pfleger beträgt die Dauer der Einnahme im Schnitt drei Jahre, obwohl laut Leitlinien solche Mittel nicht länger als zwei bis vier Wochen verwendet werden sollen.

Für die Studie wurden mehr als 1.000 Ärzte, Pfleger, Patienten und Heimbewohner im Bundesland Salzburg und in den bayerischen Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land befragt. Um das Datenmaterial zu komplettieren, wurden zusätzlich Haar- und Harnproben genommen und ausgewertet. Damit können objektive Aussagen über den Konsum von Alkohol und Tabletten gemacht und untereinander verglichen werden.

"Sucht im Alter ist ein Thema und darf nicht weiter tabuisiert werden. Denn die demografische Entwicklung sagt uns eindeutig, dass dieses Problem nicht kleiner, sondern eher größer wird. Wir brauchen dazu umfassende Aufklärungs- und Präventionsarbeit", erklärte Friedrich Wurst, Vorstand für Psychiatrie und Psychotherapie II an der Christian-Doppler-Klinik Salzburg. Er und sein Team haben nun ein Handbuch für Angehörige und Pflege-Mitarbeiter sowie Folder zu den Themen Alkohol und Medikamentenabhängigkeit erstellt. (APA, 17.12.2012)

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