PIP-Skandal: Opfer kämpfen weiter

17. Dezember 2012, 12:42
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Vor einem Jahr flog die Affäre um das Billigsilikon auf

Paris - Industriesilikon für medizinische Eingriffe, billige Gelpolster statt hochwertiger Brustimplantate - für unzählige Frauen ist der Name der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) mit nachhaltigen Risiken für ihre Gesundheit verbunden. Jahrelang verkaufte das Unternehmen Implantate aus billigem Industriesilikon. Vor einem Jahr, am 23. Dezember, zog das französische Gesundheitsministerium die Konsequenzen. In einer beispiellosen Aktion wurden Frauen aufgefordert, die gefährlichen Polster entfernen zu lassen.

Viele Länder folgten dem spektakulären Aufruf. Weltweit sollen bis zu 500.000 Frauen Implantate der französischen Firma erhalten haben. In Österreich meldeten sich rund hundert Frauen für eine Sammelklage.

Beginn der PIP-Affäre

Die Wurzeln des Skandals reichen zurück bis ins Jahre 1996. Die französische Gesundheitsbehörde Direction geenerale de la sante berichtet von einer ersten Überwachung des Unternehmens bis 1997. Bei erneuten Kontrollen von Silikon-Implantaten wurden 2001 erhebliche Abweichungen festgestellt. Die Erklärungen von PIP reichten aber aus, das Unternehmen in den kommenden Jahren nicht übermäßig zu kontrollieren.

Erst nach einer Häufung von Meldungen sowie Warnungen eines Chirurgen wurde 2010 bei einer intensiveren Inspektion der PIP-Produktion in La Seyne-sur-Mer bei Toulon das falsche Silikon entdeckt. Frankreich untersagte anschließend europaweit Vermarktung, Vertrieb und weitere Verwendung der Brustimplantate. Im selben Jahr ging die Firma pleite.

Mehrere Fälle von Brustkrebs bei Patientin mit PIP-Implantaten nährten den Verdacht, Billigsilikon aus den leckenden oder reißenden Polstern könne auch krebserregend sein. Allerdings sehen französische Krebsforscher "bislang keine Fakten" für einen speziellen Zusammenhang von Krebstumoren mit PIP-Produkten im Vergleich zu anderen Implantaten.

Ausgetretenes Silikon durch Risse

Im Dezember 2011 berieten französische Gesundheitsbehörden, ExpertInnen und PatientInnenverbände vorliegende Erkenntnisse. Kurz darauf zog der damalige Gesundheitsminister Xavier Bertrand die Notbremse: Er riet 30.000 Frauen in Frankreich, sich erneut operieren zu lassen, auch wenn die Silikonkissen keine Defekte oder Risse zeigten.

Bisher haben sich mehr als 14.300 Frauen allein in Frankreich PIP-Implantate teilweise vorsorglich entfernen lassen. Bei 3.290 Betroffenen wurden Risse an den Silikonkissen festgestellt. In 1.957 Fällen diagnostizierten ÄrztInnen Entzündungen. In Deutschland wurden bis Mitte 2012 etwa 1.000 Implantate (von rund 5.000) entfernt. Bei mehr als einem Viertel war ein Kissen gerissen, bei jedem fünften Silikon ausgetreten.

Der in der Zwischenzeit inhaftierte PIP-Firmengründer Jean-Claude Mas will schon seit 1995 billiges Gel in die Prothesen gefüllt haben. Das Industriesilikon soll fünfmal günstiger gewesen sein als jenes für medizinische Zwecke. Vor Kontrollen soll das Industriesilikon containerweise entsorgt worden sein. Im Frühjahr wird in Frankreich der Prozess wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen Mas und den früheren Vorstandschef des Unternehmens erwartet. (APA, 17.12.2012)

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    Mehr als 14.300 Frauen in Frankreich haben sich die billigen Silikon-Brustimplantate der Firma PIP  teilweise entfernen lassen.

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