Kindliche Frakturen mit dem Ultraschall diagnostizieren

17. Dezember 2012, 13:29
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Bei Verdacht auf eine Unterarmfraktur bietet sich der Ultraschall als sichere Alternative zur konventionellen Röntgendiagnostik an

Bonn - Um Knochenbrüche bei Kindern sichtbar zu machen, bedarf es nicht immer der konventionellen Röntgenstrahlung. Eine aktuelle Studie belegt, dass viele Unterarmbrüche mit Ultraschall ebenso gut dargestellt werden können. Da Röntgenstrahlung für Kinder besonders zurückhaltend und wohlüberlegt eingesetzt werden sollte, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) zur  Diagnostik von Knochenbrüchen im Kindesalter die Sonografie häufiger in Erwägung zu ziehen.

Die durch Röntgenstrahlen verursachten Schäden im Körper kumulieren im Laufe des Lebens. "Die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch ionisierende Strahlung ist im Vergleich zum Erwachsenen erhöht", gibt Rainer Wunsch, Leiter der Abteilung Pädiatrische Radiologie, Sonografie und Magnetresonanztomografie an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln zu bedenken. "Um die Strahlenexposition im Kindesalter bei den häufigen vorkommenden Unterarmfrakturen so niedrig wie möglich zu halten, sollte die Indikation zum Röntgen nur dann gestellt werden, wenn keine gleich guten alternativen Untersuchungsmethoden in Frage kommen", so der stellvertretende Leiter der DEGUM-Sektion Pädiatrie.

Gleichwertige Diagnostik

Bisher ist die Sonografie kein etabliertes Verfahren für die Diagnose von Frakturen. Von einem qualifizierten Ultraschallmediziner durchgeführt, bietet die Technik jedoch Potenzial. So kommt eine kürzlich erschienene Untersuchung in der Fachzeitschrift "Pediatric Emergency Care" zu dem Ergebnis, dass das Ultraschallverfahren für die Diagnostik von bestimmten Unterarmfrakturen der Röntgenaufnahme gleichwertig ist. Bei Kindern und Jugendlichen gehören diese Brüche von Elle oder Speiche im Bereich der so genannten "Metaphyse", eines bestimmten Knochenbereichs, zu den häufigsten Knochenbrüchen.

Den diagnostischen Vergleich unternahmen Kolja Eckert von der Klinik für Kinderchirurgie am Elisabeth-Krankenhaus in Essen und Ole Ackermann, leitender Oberarzt an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Duisburg, gemeinsam mit ihren Kollegen bei 76 Kindern und Jugendlichen zwischen 1 und 14 Jahren. Die Ärzte hatten die Mädchen und Jungen, die mit dem Verdacht auf eine Unterarmfraktur in der Nähe des Handgelenks in die Klinik gekommen waren, sowohl mittels Ultraschall als auch mit der klassischen Röntgendiagnostik untersucht. 

Metaphysäre Unterarmbrüche

Mit beiden Verfahren stellten sie insgesamt 52 Knochenbrüche bei 42 der untersuchten Patienten fest. "Unsere Untersuchung bestätigt, dass Ultraschall bei metaphysären Unterarmbrüchen, bei denen sich die Knochen nicht verschoben haben, eine geeignete und sichere Alternative zur Röntgendiagnostik darstellt", erklärt Eckert.

Die Ultraschalluntersuchung biete gegenüber dem Röntgen zudem auch andere Vorteile: "Die Untersuchung kann direkt vom Erstuntersucher durchgeführt werden. Das Kind muss zur Diagnose nicht zu einem andern Arzt", erklärt Eckert. Anders als die Röntgenaufnahme mache das Ultraschallbild zudem auch Knorpel und Weichteilgewebe sichtbar.

Um die Strahlenexposition im Kindesalter zu reduzieren, setzt sich die DEGUM dafür ein, vermehrt die Ultraschalluntersuchung zur Diagnostik von kindlichen Knochenbrüchen anzuwenden. "Dabei müssen wir nicht auf die diagnostische Sicherheit verzichten", betonen die Experten der Fachgesellschaft. (red, derStandard.at, 17.12.2012)

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