Wie geht's bitte zur Erleuchtung?

Tim Parks war in einem buddhistischen Schweigeseminar und hat seine Erfahrungen niedergeschrieben

Eine Midlife-Krise kann jeden treffen. Mit Selbstzweifel (Bin ich erfolgreich genug im Beruf, glücklich genug in der Beziehung?) beginnt's. Antworten finden vom Leben Gebeutelte in Retreats. Das ist ein Trend. Der Autor Tim Parks war in einem buddhistischen Schweigeseminaren und hat aus seinen Erfahrungen mit den Menschen dort, dem Meditieren und dem vegetarischen Essen dort einen wunderbaren Roman geschrieben. In Sex ist verboten ist man als Leser dabei, wenn die großbusige, sexhungrige Rock-Sängerin Beth durch Einhalten strenger Regeln, stundenlanges Ein-und-Ausatmen und asketische Enthaltsamkeit versucht, Ordnung in ihr System zu bringen. Parks immer wieder aufblitzende, zweifelnde Distanz ist Lesevergnügen pur, der manchmal in Ironie übersteigerte Selbstfindungsjargon der Protagonisten meisterhaft belauscht.

Und obwohl Sex sowie Rauchen und Schreiben im buddhistischen Schweigeseminar verboten sind, treiben gerade diese drei Aktivitäten die Handlung voran. Die wilde, böse Beth beginnt geheim, das Tagebuch eines Seminaristen zu lesen, und entdeckt in dem ihr zunächst Unbekannten einen Seelenverwandten. Geschickt verwebt Tim Parks die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern mit der eines Mannes zwischen zwei Frauen. Am Ende des Buches ist dem Lesenden jedenfalls klar, dass auch vollkommen vertrackte Situationen nicht immer so schlimm sind, wie sie scheinen. Das ist ein Trost. Ob Sex dabei im Spiel ist? Das wird hier nicht verraten. (pok, DER STANDARD, 17.12.2012)

  • Tim Parks: "Sex ist verboten", Kunstmann. 334 S. 20,60 Euro
    foto: standard/tilman göhler

    Tim Parks: "Sex ist verboten", Kunstmann. 334 S. 20,60 Euro

Share if you care.
2 Postings
irgendwie

komm ich nicht weiter bei dem roman, kann auch an mir liegen ... aber vielleicht kommt es bald mal zum sex, äh, gehts bald zur sache ...

"Der Autor Tim Parks war in einem buddhistischen Schweigeseminaren und hat aus seinen Erfahrungen mit den Menschen dort, dem Meditieren und dem vegetarischen Essen

dort einen wunderbaren Roman geschrieben"... ich habe den Roman zwar nicht gelesen, aber wenn die Buchbeschreibung hier stimmt, dann hat der Autor reichlich wenig aus seinem Aufenhalt im Buddhistischen Schweigeseminar gelernt. "Sex sells" auch in einem buddhistischen Kloster, super! Na hoffentlich hat er nun seine Midlife-Krise wenigstens überstanden :-)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.