Heiliger Fetzen

Konsumentenschützern entgehen die lebensrettenden Eigenschaften von Punsch & Co.

Die Ritter der Tafelrunde vom unbedarften Schnäppchenjäger, auch als AK-Konsumentenschützer bekannt, reiten wieder. Unlängst waren die Hüter der konsumistischen Unschuld in Linz unterwegs, um sich furchtlos Substanzen zu widmen, deren Zusammensetzung nicht nur das Aufkommen von Weihnachtsstimmung und Wohltätigkeitsdusel befördert, sondern auch sonst Gefahren birgt: Glühwein und Punsch.

So konnten sie nachweisen, dass in beiden, Zitat, "Alkohol versteckt" sei, was man nun wirklich nicht ahnen konnte, und - Achtung bitteeee - dieser bei fortgesetzter Einnahme zu Fahruntüchtigkeit führen könne. Als ob das nicht genug wäre, musste auch noch "versteckter" Zucker - und zwar "bis zu acht Stück" in jedem Häferl - festgestellt werden. Wo doch jeder rechtschaffene Charity-Schlucker bisher davon ausgehen konnte, dass ihm einzig das gute Gewissen die Besinnlichkeit des Punschfetzens versüße - das dafür bis zur Ungenießbarkeit.

Was die Schützer des schadstofffreien Einkaufs hingegen sträflich außer Acht ließen, sind die lebensrettenden Eigenschaften von Punsch, Grog und Glühwein: Nirgends wird in der Untersuchung auf neueste Forschungsergebnisse verwiesen, wonach die optischen und akustischen Zumutungen eines Christkindlmarkts erst nach drei Bechern Fuselsirup ohne bleibende gesundheitliche Schäden zu ertragen sind. (Severin Corti, DER STANDARD, 17.12.2012)

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