Werbung öffentlicher Stellen: Transparenz, die schmerzt

Kommentar | Harald Fidler
16. Dezember 2012, 18:40

Ein Schuss ins eigene Verlegerknie: So kann man die Offenlegung öffentlicher Werbebuchungen sehen

Ein Schuss ins eigene Verlegerknie: So kann man die Offenlegung öffentlicher Werbebuchungen sehen. Ministerien, Gemeinden, öffentliche Firmen sind von der neuen Transparenz verunsichert und schalten lieber weniger, als sich unangenehme Fragen stellen zu lassen. Und sie schalten womöglich noch lieber als ohnehin schon in reichweitenstarken Medien, mit deren Massenpublika sie ihre Buchungen einfach rechtfertigen können.

Was haben wir das gebraucht, lautet also das Mantra von Massenverlegern und vor allem sozialdemokratischer Politikern und Beratern. Die Daten führten doch nur zu Neiddebatten unter Medien. Ein typisch österreichischer Befund, ein typisch österreichisches Sehnen, doch ungestört wie bisher Freunde fett zu bedienen und auch ferner Stehende ein bisschen, damit sie sich nicht zu laut beklagen. Womöglich in Erwartung freundlicher Berichte.

Natürlich kann man öffentliche Inserate als Medienförderung sehen. Natürlich kann man damit Blätter großziehen und erhalten - selbst Österreich oder Heute bedeuten eine Art Medienvielfalt.

Man muss nur im Auge behalten: Man fördert da mit öffentlichen Mitteln, Steuergeldern. Schon deshalb ist die Platzierung offenzulegen und zu rechtfertigen. Und man sollte beachten, was man da mit Vorliebe subventioniert: Krawalljournalismus, der politischen Diskurs nicht gerade fördert. Und Verlegerfamilien, die Märkte beherrschen. (Harald Fidler, DER STANDARD, 17.12.2012)

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9 Postings
Sparsamkeit, Wirtschaftlichkeit, Zweckmäßigkeit

das sollte in der Theorie die Leitmaxime sein. Bei einigen Beträgen (z.B. Stadt Wien mit mehr als 5 Mio EUR im Quartal) fragt man sich, ob dies wirklich notwendig ist.

Der Wohnbaustradtrat von Wien, Herr Ludwig grinst zwar aus jeder Hochglanzzeitung in Wien, wenn man aber z.B. beim Kundendienst von Wiener Wohnen anruft, braucht man gute Nerven und hat die perfekte Vorlage für eine Fallstudie zum Thema Unfreundlichkeit, Desorganisation und "mir san mir".

Werbung, bezahlt mit Steuergeldern - wozu?

Wir haben eine Regierung, deren Aufgabe es ist zu arbeiten und uns vernüftig und sparsam zu verwalten. Dafür zahlen wir Steuern.
Wir haben einen ORF, der einen Informationsauftrag hat. Dessen Aufgabe ist es, über die Arbeit der Regierung sachlich und ausgewogen zu berichten. Dafür zahlen wir ORF-Gebühr.
Wozu soll Werbung - bezahlt mit extra Steuergeld - gut sein, wenn nicht zum Eigennutz unserer Politiker?

Werbung

Es besteht nicht die geringste Veranlassung für "öffentliche Stellen", für sich in irgendeiner Form zu werben. Die beste Werbung wäre, ordentlich zu arbeiten, dem Steuerzahler nichts zu stehlen, und nie zu vergessen, dass man vom Steuerzahler bezahlter Dienstleister ist, und deshalb quasi sein Angestellter. Wenn man das beherzigt, so ist jegliche weitere Werbung überflüssig!

wer nicht wirbt, der stirbt

Ministerien sind Dienstleister, die auch ihre Leistungen und ihre Zielsetzungen verkaufen sollen. Wenn die Verkehrsministerin inseriert, dass jetzt die Nordautobahn bis zur Staatsgrenze gebaut wird, ist das auch eine Information. Der Landwirtschaftsminister für heimische Produkte wirbt, der Wirtschaftsminister für den Standort Österreich usw. ...
Ich finde es scheinheilig von den Verlegern, zuerst Transparenz zu verlangen und dann zu jammern.
PS: Und ich bin wahrscheinlich auch der einzige, der sich über ein (1!) Politikerbild in einem Inserat nicht beschweren würde :-)

lieber johannes

Was würde sich ändern, wenn die Gemeinde Wien, der großzügigste Werber in Ö., die Steuermillionen nicht mehr bei Heute, Ö. und Krone verbrät?
Würde an Standesämtern nicht mehr geheiratet?
Wahrscheinlich könnte man mit den Millionen Schulen sanieren, Bäder bauen und Künstler fördern, aber es würde klarere Luft herrschen, der gemütliche Mief: vorbei..
Aber das ist nicht mein Hauptanliegen, mich wurmt, dass gerade Sozialdemokraten, die einst das Ideal der Volksbildung vertraten, nun die Hauptförderer der Volksverblödung und der Volksverhetzung sind.
In Salzburg wurden Steuergelder verheizt in der Hoffnung, damit das allgemeine Wohl zu fördern. Häupl, Faymann & Co verschleudern es, um ihre Haut zu retten!

Dienstleister und Markt

Naja, Ministerien sind "Dienstleister".
Nur: Am Markt sind sie ohne Konkurrenz, ihre Dienstleistungen müssen von den Bürgern ("Untertanen") "konsumiert" werden.
Reine Information braucht keine bezahlten Werbeinserate.
Für die Mitteilung "Nordautobahn wird bis zur Staatsgrenze gebaut" sollte eine Pressemitteilugn bzw. Pressekonferenz ausreichen, um die Medien dazu zu bringen, darüber zu berichten.

S. g. Hr. Fidler

Ich erlaube mir nachstehend, Ihren geschätzten Kommentar ohne Ihrem Einverständnis zu interpretieren. Dies deshalb, da es Ihnen im Sinne der Blattrichtlinie als auch im kollegialem Zusammenhaltsverständnis vermutlich widerstrebt deutlicher zu werden.
Denn eigentlich wollten Sie ja ausdrücken, dass Österreich und Heute entbehrliche Blätter sind die niemand braucht.
Dass sämtliche Gelder die dorthin fliessen leichtfertiger Umgang mit Steuergeld ist.
Dass man bei diesen Krawallblättern nicht mit Medienvielfalt argumentieren sollte.
Dass damit Meinungsoligarchen auf Steuerzahlerskosten aufgebaut werden.
Dass sich Politiker nicht scheuen das zu fördern!
Klarerweise können Sie das nicht so eindeutig sagen, ich als Poster schon!

Das Arge ist, dass diese Krawallblätter durch Anzeigen unverhältnismäßig mehr gefördert werden als alles, was in Richtung Qualitätsjournalismus unterwegs ist.

grün

wäre einer Diskussion würdig, warum die Handelnden (glauben) es so vor-/aufführen (zu müssen)...
fg

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