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Wien - Was lange braucht - nämlich sechs Jahre -, wird schließlich riesengroß, und die interpretierende Nachwelt muss damit fertigwerden. Nun, die Niederösterreichischen Tonkünstler wurden mit Mahlers 2. Symphonie sehr gut fertig. Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada schaffte ein Werk lang inneren Zusammenhalt mit straffen Konturen. Auch im (von heterogenen Episoden gebeutelten) letzten Satz war jene Innenspannung zu bemerken, welche dieses Opus zum Leben bedarf. Nur im 2. Satz fehlte etwas Unbeschwertheit und Beschwingtheit; allzu buchstabiert und trocken kam das Andante daher - hier wurde der auf große Dramatik und gedämpfte Opulenz hin angelegte Ansatz etwas zum Nachteil.
Mit welcher Klarheit und Unbedingtheit allerdings insgesamt musiziert wurde, war aller symphonischen Ehren wert: Ob die zornige Eröffnung durch die Kontrabässe oder die Wechsel zwischen dem Zierlichen und jenen scharfen Ausbrüchen des 3. Satzes - hier schien die originelle Maßlosigkeit der Symphonie gleichermaßen gebändigt wie erweckt.
Zudem: Juliane Banse und Janina Baechle erledigten ihre Vokalaufgaben respektabel - wie auch der Wiener Singverein (das Blech hatte im Urlich kleine Problemchen). In Summe aber: Ein weiterer dynamischer Beweis, wie gut das Gespann Tonkünstler/Orozco-Estrada funktioniert. Schade nur, dass die klatschende Begeisterung hernach nicht einmal eine Sekunde der Stille gewähren konnte. (Ljubisa Tosic/DER STANDARD, 17. 12. 2012)
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