Weltweite Wortgefechte zwischen Google und Verlegern

Sperre in Brasilien, neue Eintracht in Belgien, Deutsche und Österreicher setzen zuerst auf neue Gesetze

Ein Modell für die Zusammenarbeit mit den Verlegern in aller Welt: Das erhoffte Google-Landesmanager Thierry Geerts, als er sich dieser Tage mit den belgischen Verlegern einigte.

Sieben Jahre stritten sie, auch vor Gericht, fast so lange fehlten belgische Blätter in Google News. Die brasilianischen Blätter zogen sich erst vor wenigen Wochen geschlossen aus der Suche zurück. Die Belgier indes einigten sich nun, dass Google in den Zeitungen Werbung schaltet und sie gemeinsam Inhalte online besser, also ertragreicher vermarkten.

Die Zusammenarbeit ist so ungewöhnlich nicht: Auch Österreichische Webplattformen buchen Adwords bei Google, um Kunden auf ihre Seiten zu bringen. Google garantiert ihnen halt noch keine Werbebuchungen.

Österreich winkt ab

Österreichs Zeitungsverband hat dem belgischen Modell vorerst abgewunken: Zunächst brauche es ein Leistungsschutzrecht, das Medien eine Abgeltung sichert, wenn Onlinedienste ihre Inhalte nutzen. Die Abgrenzung, wer da zahlen muss, könnte noch schwierig werden, zeigt die Debatte über das deutsche Leistungsschutzrecht, wohl 2013 Vorbild für das österreichische.

Google bestreitet, Inhalte zu "räubern", so der gängige Vorwurf: Seine News-Suche zeige nur Winz-Ausschnitte, dort laufe keine Werbung, wer klickt, kommt auf die Seite des Newsanbieters.

Publikum auf die eigenen Seiten

Das ist auch die den Verlegern sympathische Seite von Google - der Konzern schafft Publikum auf die eigenen Seiten. Onlinemedien optimieren ihre Präsentation, um besser gefunden zu werden. Und Google liefert auch gleich Instrumente, um diesen sogenannten Traffic zu messen. Wie bei vielen anderen seiner Services werden wohl auch die Daten Google jedenfalls nicht zum Nachteil gereichen.

Digitale Infrastruktur

Eine von vielen Perspektiven auf "Googles Kern", wie ihn etwa Spiegel.de zuletzt auf den Punkt brachte: "Aus der Innenperspektive handelt es sich um ein Unternehmen. Aus der Außenperspektive aber ist es Teil der digitalen Infrastruktur." Der Großteil digitaler Infrastruktur - neun von zehn Onlinesuchen in Deutschland etwa laufen über den Giganten und seine klugen Algorithmen. Die wiederum - weil gewinnorientiertes Unternehmen - Google geschäftlich zu nutzen weiß.

Diese gewaltige Marktmacht und ihr Ge- oder auch Missbrauch ist das zentrale Problem am digitalen Weltbeherrscher. Und wohl auf Sicht ein ernster Fall für Kartellbehörden. (fid, DER STANDARD, 17.12.2012)

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