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vergrößern 1452x2044Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Peter Stöger: "Wir haben uns in der Halbzeit darauf eingestellt, was kommen kann. Es war nahezu perfekt."
Wien - Da sich der traditionelle Weihnachtsfrühling heuer etwas beeilt hat, fand das letzte Bundesliga-Fußballspiel des Jahres tatsächlich unter angenehmen Umständen statt. Mehr als 11.000 Menschen hatten an einem kurzfristig sogar blauhimmelig prunkenden Abend den Weg nach Wien Favoriten gefunden, um der Austria und Sturm die Reverenz zu erweisen, die ja beide mit absolut beeindruckenden Erfolgsserien aufwarten konnten.
Peter Stöger, der Trainer des Tabellenführers, hatte seiner Hoffnung auf eine „lässige Partie" Ausdruck gegeben - sein Wunsch war der Vorsehung offenbar Befehl. Man sah gleich: Beide Mannschaften haben Stil und wissen den Ball zu behandeln. Sturm (4-3-1-2) setzte sein Pressing auswärtsbedingt diesmal nur mediumfrüh an, die Wiener (4-1-4-1) waren da mit einem Hauch mehr Aggressivität zu Gange. Die erste Annäherung an Gefährlichkeit ergab sich nach acht Minuten und einer Standardsituation. Klem brachte einen Freistoß von weit rechts draußen herein, Tormann Lindner kam zu spät, konnte Okotie aber immerhin noch an einem kontrollierten Kopfball hindern.
Dann nahm das Geschehen in einem Konzentrat von nur fünf übervollen Minuten eine völlig unvorhersehbare Wendung. Schiedsrichter Drachta hatte nämlich plötzlich eine Karte in der Hand. Sie war von roter Farbe. Dass der sich am Boden wälzende Jun scheinbar gar nicht mehr erheben will, rettet ihn nicht. Erst dem Zeitlupenstudium wird klar, dass Drachta gar keine andere Möglichkeit blieb, als zum Ausschluss zu schreiten: Der an sich bestens erzogene Spielmacher der Wiener hatte mit weitausladender Geste dem Grazer Kaufmann eine Maulschelle verabreicht. Und das ist eben auch dann nicht erlaubt, wenn einem der Gegenspieler davor den Knöchel malträtiert hat.
Aus der ursprünglichen Gepflegtheit brach plötzlich Emotion und Hektik des Spitzenspiels hervor: Hosiner nahm erst abhebend die Einladung von Dudics leicht ausgestelltem Bein an. Daraufhin geraten beide mittels eines leichten Brustschepperer aneinander, woraufhin der durchaus bullige Verteidiger mit einer Geschliffenheit zusammenklappte, die an Vorstellungen der seligen Löwingerbühne erinnerte (13.).
Drachta griff lediglich ermahnend ein und zeigte sich so, was Fingerspitzengefühligkeit betrifft, voll auf der Höhe unparteiischer Kunst. (Gleich darauf allerdings übersah er ein klares Foul von Koch, der Okotie im Strafraum umgrätschte.)
Nach einer kurzfristigen Beruhigung folgte die nächste Konfrontation. Diesmal involviert: Sukuta-Pasu rannte in Holland, verschaffte sich dabei selbst einen Brummschädel und wurde, noch taumelnd und hinter einem Eisbeutel verschanzt, verwarnt (17.). Mit ihrer Bremsverweigerung hatte sich die Kaiserslautern-Leihgabe sogar selbst aus dem Spiel genommen, wie sich zeigen sollte. Weber musste den Verletzten ersetzen. Okotie war damit seines Partners beraubt und blieb fürderhin solo - denn der neue Mann wurde zur weiteren Verdichtung des Grazer Mittelfelds genutzt. (Grazens Trainer Peter Hyballa: "Ich wollte einen Zehner bringen.")
Weber errangelte in seinem ersten Eingreifen gleich unnachgiebig den Ball, woraufhin Kaufmann Ortlechner umkurvte, jedoch deutlich am langen Eck vorbeizielte. Über die rechte Seite funktionierte bei den Grazern mehr, wenngleich sie generell aus ihrer Überzahl erst einmal nicht viel machten. Violett behielt die Ruhe, gab seine Passsicherheit nicht auf (55 Prozent Ballbesitz vor der Pause) und zog das Spiel wiederholt gekonnt in die Breite. Die Grazer hatten da nicht viel dagegen, versagten sich Übermut. Ihr Keeper Focher blieb allerdings vollkommen beschäftigungslos.
Nach Fernschüssen der beiden Kainze (erst Florian, dann Tobias), lieferte der erste Corner der Grazer nach etwa einer halben Stunde die erste Riesenchance. Okotie verlängerte aus drei Metern per Kopf über die Querlatte und schlug voll berechtigter Ungläubigkeit die Hände über dem Haupt zusammen. Die Austria hatte das Mittelfeld mittlerweile geräumt und Sturm erreichte recht widerstandslos den Strafraum des Gegners. Doch die Umorientierung auf das Konterkonzept dauerte, der Tabellenführer beendete die erste Halbzeit ohne Torschuss.
Nach Wiederbeginn wurde es gleich ordentlich brenzlig, Lindner musste gegen Okotie und Kaufmann Kopf und Kragen riskieren. Aber dann. Der für den angeschlagenen Holland gekommene Dilaver fand Hosiner, Klemm verspekulierte sich beim Versuch des Abseitsstellens. Und am Ende patzte Focher: Der Keeper blockte sich den Ball selbst ins Tor. (48.). Gleich darauf hätte die personifizierte Torgarantie (21 Treffer in 20 Runden!) beinahe auch noch einen Drehschuss untergebracht.
Sturm wollte sich seinem traditionellen After-Halbzeit-Rückfall diesmal nicht ergeben und das Schiedsrichtergespann half ein bisschen dabei mit. Ein Freistoß hatte den Wald aus Beinen im Wiener Sechzehner unterquert und war zuletzt von Koch Okotie vor die Füße geprallt. Der Ausgleich erfolgte, jedoch wegen einer eigentlich deutlich ersichtlichen Abseitsstellung des Vollstreckers in komplett illegaler Weise (55.). Der ehemalige Austrianer war aber weniger glücklich, als nach zweimaligem Zupacken von Rogulj der Penaltypfiff erneut nicht erfolgte.
Sturm gewann in der Folge zwar wieder die Kontrolle, doch irgendwie fehlte dem Team die Präsenz. Bodul war für Madl gekommen, woraufhin sich Weber weiter nach hinten orientierte. Die Austria hingegen setzte ihr derzeit so harmonisches Betriebsklima in ein ungeheures Laufpensum um. Sie war nun viel zielstrebiger, und eigentlich auch gefährlicher als ein Gegner ohne Einfall. Gelegenheiten zum vielbeschworenen Offensivverteidigen blieben ungenutzt. Hyballa: "Ich war nicht glücklich über Rot. Wir mussten dominieren, damit haben wir noch Probleme. Zehn gegen Elf ist nicht so einfach."
Und so solierte Suttner an drei seiner Verteidigern vorbei, die sich eher aufs Hofieren verlegten, als ihren eigentlichen Job zu tun. Den Vogel an Naivität schoss dabei Tobias Kainz ab. Focher, von Hyballa vor dem Anpfiff noch hoch gelobt, hätte beim Schuss ins kurze Eck auch besser aussehen können (66.).
Sturm wusste jetzt keine Antwort mehr und kam am Ende sogar einer kleinen Demütigung nahe. Stankovic, diesmal nicht von Beginn an dabei, schloss einen weiteren Gegenstoß von Selbstvertrauen sprühend, zum Endstand ab. Sein Schuss aus großer Distanz war noch abgefälscht worden (89.). Von sieben Versuchen waren nun drei drin, eine Ausbeute zum Fingerschlecken. Stöger: "Ich möchte mich bedanken, Trainer einer solchen Mannschaft sein zu dürfen." (Michael Robausch, derStandard.at -16.12.2012)
Austria Wien - Sturm Graz 3:1 (0:0). Horr-Stadion, 11.120, SR Drachta.
Tore: 1:0 (49.) Hosiner, 1:1 (55.) Okotie, 2:1 (66.) Suttner, 3:1 (89.) Stankovic
Austria: Lindner - F. Koch (76. Rotpuller), Rogulj, Ortlecher, Suttner - Holland (46. Dilaver) - Gorgon, Mader, Simkovic (63. Stankovic), Jun - Hosiner
Sturm: Focher - Ehrenreich (71. Schloffer), Dudic, Vujadinovic, Klem - Kaufmann, T. Kainz, Madl (58. Bodul), F. Kainz - Okotie, Sukuta-Pasu (24. M. Weber)
Rote Karte: Jun (11./Tätlichkeit)
Gelbe Karten: Mader bzw. Okotie, Sukuta-Pasu, Madl, F. Kainz., T. Kainz
Nach dem Gewinn des Meistertitels verfolgt die Austria weitere Ziele: In dieser Saison wären eine makellose Auswärtsbilanz sowie das Double möglich. Und geträumt wird von der Champions League - mit Trainer Peter Stöger
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Diese Meisterschaft ist - wenn ich mich an jene vor zwei Jahren erinnere - spielerisch eindeutig besser. Eigentlich spielt Salzburg eine wirklich gute Saison, und meine Schwarzen sind punktemäßig ok und trotzdem ist das alles für die Fische, weil es ein Team gibt, das alles zerreißt. Und das auch noch verdient. Einfach ein genialer Sport.
Was die Austria von jener der Vorjahre unterscheidet:
a) die Konstanz - kein einziger der schon traditionellen Durchhänger gegen die "Kleinen" - RB leistet sich hin und wieder so einen Umfaller und ist dadurch 7 Punkte zurück.
b) das nötige Glück - gestern gewinnen wir mit zehn Mann dank des inferioren Focher und der schlechten Chancenauswertung von Sturm in Halbzeit eins.
Wenn die Mannschaft im Frühjahr beisammen bleibt und sich nicht allzu viele Leute verletzen sehe ich in Wirklichkeit keinen Gegner für die Violetten. So weit kann man sich meines Erachtens schon jetzt aus dem Fenster lehnen.
Tut mir leid, aber im Moment ist die Austria einfach um Eckhäuser sympathischer als Rapid. Das kann ich auch als Grüner nicht übersehen.
Einer jungen, ambitionierten, spielerisch ansprechenden Mannschaft mit einem kompetenten und fairen Trainer steht eine wehleidige, konzeptlose, hundskickende Truppe samt ebenso rat- wie ahnungslosem Trainer sowie mauerndem, geriatrisch auffälligem Vorstand gegenüber.
Im Frühjahr drücke ich der Austria die Daumen, den Meisterteller nach Wien zu holen, denn auf Rapid brauche ich diesbezüglich selbst als Optimist nicht zu hoffen.
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