"Das untergräbt das gesamte System"

Adelheid Wölfl, 16. Dezember 2012, 18:20
  • In Ljubljana ist der Weihnachtsfrieden trügerisch. Polizisten bewachen angesichts von weiteren erwartbaren Protesten gegen Korruption und Sparprogramm das Rathaus
    foto: reuters/srdjan zivulovic

    In Ljubljana ist der Weihnachtsfrieden trügerisch. Polizisten bewachen angesichts von weiteren erwartbaren Protesten gegen Korruption und Sparprogramm das Rathaus

  • Goran Klemencic: mit Krise "sehr gefährlicher Mix".
    foto: sta

    Goran Klemencic: mit Krise "sehr gefährlicher Mix".

Sloweniens oberster Korruptionsjäger Goran Klemencic warnt davor, dass Politiker öffentliche Ämter beschädigen, wenn sie nicht zurücktreten. In Slowenien wie in Österreich gebe es Korruption bei der öffentlichen Auftragsvergabe

Ljubljana - "Es muss klar sein, dass ein öffentliches Amt ein Privileg ist und kein Recht und auch kein unbegrenzter Job und dass man zurücktreten muss, sobald die Anschuldigungen die Integrität des Amtes zu beeinflussen beginnen", sagt der Chef der slowenischen Kommission zur Prävention der Korruption (KPK), Goran Klemencic, angesichts der Korruptionsvorwürfe gegenüber Politikern und der Proteste, die diese in Slowenien ausgelöst haben.

In der Demokratie gehe es um die Glaubwürdigkeit der Entscheidungsträger und die Umsetzung des Rechts. "Wir verlieren gerade an der Front der Glaubwürdigkeit, und deshalb verliert die Rechtsstaatlichkeit in Europa", sagt Klemencic zum STANDARD. Er kritisiert, dass Politiker Korruptionsvorwürfe als "politisch motiviert" zurückweisen würden. "Das untergräbt das gesamte System." In anderen EU-Staaten wie in Rumänien sei die Situation noch schlimmer, weil dort auch die Justiz als korrupt und politisiert gelte. "Es ist nicht einfach, Vertrauen herzustellen, aber es ist sehr schnell zerstört", warnt er. In Kombination mit der Wirtschaftskrise ergebe der Vertrauensverlust einen "sehr gefährlichen Mix", wo nach der "Justiz der Straße" gerufen werde und Populisten aufkommen könnten.

Ermittlungen gegen Maribors Bürgermeister

Klemencic, dessen Behörde maßgeblich die Ermittlungen gegen den Bürgermeister von Maribor, Franc Kangler, geführt hat, erwartet in den "kommenden Monaten den Prozessbeginn". Die Ermittlungen gegen Kangler hätten "ein Muster von Klientelismus und systematischem Amtsmissbrauch" offengelegt. Dieses stehe für ein Selbstverständnis von Parteien, die Jobentscheidungen in stadtnahen Betrieben fällen und Parteienfinanzierung sichern. "In Slowenien wie in Österreich schmiert man keine Polizisten oder bezahlt dafür, dass man eine Operation oder ein Zeugnis bekommt. In dieser Hinsicht funktioniert das System", analysiert Klemencic, "was es allerdings in Slowenien wie in Österreich gibt, ist Korruption im Bereich der öffentlichen Auftragsvergabe, auf höchster politischer Ebene."

Deshalb sei auch das Vertrauen in die politischen Institutionen massiv gesunken. "Die Leute glauben heute, dass jeder Politiker korrupt ist." Vor fünf Jahren habe man hingegen in Slowenien noch gar nicht über Korruption gesprochen. "Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen", sagt Klemencic.

Vorwürfe auch gegen Premier und Oppositionschef

Tatsächlich sind in Slowenien neben Kangler auch Premier Janez Jansa und der Chef der größten Oppositionspartei, Zoran Jankovic, mit Korruptionswürfen konfrontiert. "Slowenien braucht dringend Reformen, es geht um die Integrität der Politik", so Klemencic, "wir haben völlig unterschätzt, wie wichtig es ist, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken. Wir sind einfach so in die EU und Nato gerannt." Die 2010 gegründete KPK arbeitet mit der Staatsanwaltschaft zusammen, untersteht aber niemandem und ist nicht weisungsgebunden.

Klemencic macht es Hoffnung, dass Demonstranten nun Rechtsstaatlichkeit einfordern. "Es ist ja nicht typisch für die ehemaligen Länder des Habsburgerreiches, dass sich Ängste in Demonstrationen verwandeln." In der Stajerska sei man aber immer schon kämpferischer gewesen. Am Freitag forderten in Maribor einige tausend Menschen die Auflösung des Gemeinderates, der Kangler unterstützt hat, bis zum 20. Dezember.

In Ljubljana ist der Weihnachtsfrieden trügerisch. Polizisten bewachen angesichts von weiteren erwartbaren Protesten gegen Korruption und Sparprogramm das Rathaus. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 17.12.2012)

Kommentar posten
17 Postings
dass Politiker öffentliche Ämter beschädigen, wenn sie nicht zurücktreten. In Slowenien wie in Österreich gebe es Korruption bei der öffentlichen Auftragsvergabe

der herr verfügt über intime kenntnis der österreichischen praxis!
und zurücktreten: das gehörte niemals zur österreichischen politischen kultur!
ich war noch fast ein kind beim reichsbrückeneinsturz. aber schon damals habe ich mich gewundert....

Macht euch keine Sorgen, Slowenen. Schaut's zum Nachbar und lernt von uns... funktioniert doch seit Jahrzehnten ohne dass das System ein Problem damit hat :-)

sowas würd man sich

halt für salzburg wünschen, was in slowenien los ist. dort allerdings gibts ein bauernopfer, neuwahlen und fertig. revolutionen finden in österreich nicht statt...

und in kärnten auch

eine 100%ig weisungsfreie korruptionsstaatsanwaltschaft und druck von der strasse, das wär in kärnten was schönes
aber leider, alles verscheucht und verdörfelt und vermartinzt....kärnten ist halt anders

Die sind halt doch immer noch ein kleines bisschen Österreich.

so wie fast alle Länder dieser Erde.
Korruption und Machtmissbrauch gibt es überall, das ist nicht unsere Erfindung.
Auch Politiker, die dann nicht zurücktreten wollen, gibt es überall.

...wo er recht hat...

...ich frage mich nur was hier noch zu untergraben ist...ein heue 18 jähriger denkt sich doch nurmehr,(und sry, dass zu recht), dass er laut diesem generationenvertrag arbeiten soll bis er umfällt, für ihn wird es nichts mehr geben, macht mbrach sein studium (denn es müssen ja alle studieren) um nacher draufzukommen, dass der tischlermeister das doppelte verdient (zu recht, da ist auch wirkliche wertschöpfung zu sehen)...blablabla...also ich verstehe die jungen wenn sie sich mit dem gedanken, dass nur wer betrügt überlebt anfreunden wird...wir ihnen seit bald 10 jahren auch medial vorgespielt...unser rechtssyste benötigt ein halbes leben um jemdanden zu verurteilen, was solls...der zug ist schon abgefahren, es wird dauern ihn aufzuhalten...

ich bin 18, und ich denke noch viel schlimmer ;)

...brauchen sie einen job ;-)...

Mache eine Ausbildung zum Medientechniker …

aber danke für das Angebot ;D

...gerne ;-)...

...na da gibt´s wieder ein paar spassss-bremsen...

Zustände sind das - fast wie in Österreich

Es heißt:

Goran Klemenčič
Zoran Janković
Janez Janša

Bitte ausbessern!

Hat der Kangler ...

.. einen Bruder, der ihm nachfolgen könnte?

Hat sich ja in der Bananenrepublik Kärnten bestens bewährt....

...

keine sorge es ist ok ja geradezu ein erfolgsgeheimnis beidhaendig einzustecken und fuer die buerger genau nichts zu leisten, passiert ja europaweit... die 32 antikorruptionsinstitutionen sind nicht einmal faehig in einer gemeinschaftlichen benuehung den preis fuer ein paar wuerstel herauszufinden...

ja genau...da könnte sich der österreicher, der sonst immer milde lächelnd auf den kleinen nachbarn blickt

ne scheibe abschneiden...aber es ist natürlich leichter die vorkommnisse vom stammtisch aus zu dokumentieren

Der Unterschied zwischen Slowenien und Österreich: Dort gibt es Massenproteste gegen Korruption, hierzulande halt etwas Internetgemautschge...

http://www.a-federacija.org/2012/12/1... mber-2012/
http://orf.at/stories/2156501/

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.