Verfassungsreferendum in Ägypten: Nicht überwältigend

Kommentar |

Nicht völlig überraschend bewegen sich die ägyptischen Wähler und Wählerinnen ungefähr auf den Spuren der Präsidentschaftswahlen im Juni

In der demokratischen Lernwerkstätte Ägypten kommt niemand auf die Idee, dass Wahlresultate eigentlich erst nach Wahlabschluss zu veröffentlichen sind (das war schon bei den Parlamentswahlen im vergangenen Winter so). Deshalb weiß man bereits nach der ersten Runde des Verfassungsreferendums so ungefähr, wohin der Hase läuft - auch wenn zwischen dem Ja- und dem Nein-Lager die ersten Streitereien um Auszählungsergebnisse bereits entbrannt sind.

Nicht völlig überraschend bewegen sich die ägyptischen Wähler und Wählerinnen ungefähr auf den Spuren der Präsidentschaftswahlen im Juni. Damals gewann der antiislamistische Kandidat der Armee, Ahmed Shafiq, ganz überzeugend Kairo und ein paar urbane Zentren - das Rennen wurde jedoch in den ländlichen Gebieten entschieden, wo das Wahlvolk noch das tut, was ihm in der Moschee angeschafft wird.

In der zweiten Wahlrunde kommen hauptsächlich solche ruralen Gebiete zum Zug. Es dürfte demnach für die Ablehner der Verfassung nicht leicht werden, das Steuer noch herumzureißen. Wenn die Islamisten jedoch noch einen Funken politischen Verstand haben, dann werden sie anerkennen, dass in absoluten Zahlen gesehen ihr Sieg nicht überwältigend ausfällt. Die Gegner der Verfassung können nicht so einfach vom Tisch gewischt werden, von einer nationalen Versöhnung hängt das Wohl Ägyptens ab. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 17.12.2012)

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Harrer's Ratschläge für die Muslimbrüder

Am 18.6 behauptete Gudrun Harrer, dass sich Hassan al-Banna im Grabe umdrehen würde, weil die Muslimbruderschaft am demokratischen Prozess teilnimmt.

Nun meint sie, dass die Muslimbrüder den sich abzeichnenden Erfolg der Annahme ihrer Wunschverfassung nicht auskosten sollten.

Zu Beginn der Revolution rieten westliche Kommentatoren den MBs, sich überhaupt nicht zur Wahl zu stellen und sich auf Sozialarbeit konzentrieren sollten.

Ich glaube, dass die Muslimbrüder sehr genau wissen, was sie tun und zielstrebig Schritt für Schritt auf ihren Erfolg hinarbeiten.

Wozu der religiöse Kontext?

... wo das Wahlvolk noch das tut, was ihm in der Moschee angeschafft wird.

Ziemlich aggressive Polemik für den Standard.

Ich weiß nicht...

was schlimmer ist

- Kapitalismus in der schlimmsten Form, der es stillschweigend toleriert, dass 20 Kinder umgebracht werden, nur damit die Waffenindustrie lebt oder
- Islamismus in der schlimmsten Form, der Mord und Todschlag nicht nur ganz offen akzeptiert sondern auch predigt.

Ah, wenn es dann so nebeneinander steht, weiß man, es gibt wohl immer noch eine Steigerung menschlicher Grausamkeit.

Das was sie meinen ist nicht Islamismus in seiner schlimmsten Form sondern in seiner normalen Ausprägung.

Islamisten und ein Funke politischer Verstand den Optimismus

möchte ich mal haben.

inwiefern haben die ägyptischen Islamisten in den letzten beiden Jahren nicht vernünftig agiert?

erstaunlich, wie hartnäckig Vorurteile wirken, und welch kleine Rolle nachprüfbare Erfahrungen spielen.

ja vernünftig in den

Augen eines Islamisten. Wir haben Wahlsieg zwar nur knapp errungen und jetzt pressen wir dem Land eine frauenfeindliche und islamistisch geprägte Verfassung über. Das ist in deren und offenbar auch Ihren Augen, durchaus vernünftig.

wie sollte sonst die "unabhängige" presse, die im endeffekt sowieso nur von der APA abschreibt, hier sonst reagieren ?

gegen alle zeichen wurde friede, freude und eierkuchen prophezeit - und in allen punkten kam es anders. was bleibt denn abseits des glaubens ?

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