Uwe Tellkamp und Sibylle Lewitscharoff drohen mit Suhrkamp-Abschied

Autoren beziehen Stellung gegen Mitgesellschafter Hans Barlach

Berlin - Nach dem spektakulären Urteil im Streit um den Suhrkamp Verlag haben nun erste Schriftsteller mit ihrem Abschied gedroht. Bestseller-Autor Uwe Tellkamp ("Der Turm") bezeichnete die Entwicklung am Samstag im Magazin "Focus" als "bestürzend". Sollte der Suhrkamp-Mitgesellschafter Hans Barlach (39 Prozent) die Macht im Unternehmen übernehmen, wolle er sich verabschieden. "In einem Verlag, dessen Betreiber sagt, dass man keine neuen Bücher zu machen braucht, sondern nur die Backlist ausquetschen solle, möchte ich nicht sein."

Auch die Schriftstellerin und Kleist-Preisträgerin 2011, Sibylle Lewitscharoff, stellte sich öffentlich hinter die bisherige Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkewicz. Diese sei ihr von Anfang an als intelligente, generöse Verlegerin begegnet, schreibt Lewitscharoff in einem Beitrag in der "Süddeutschen Zeitung". Barlachs Pläne nannte sie einen "Albtraum". "Sollte es zum Schlimmsten kommen, reiße ich sofort aus."

Streit um Geschäftsführung geht weiter

Unseld-Berkewicz hält über eine Familienstiftung 61 Prozent des Suhrkamp Verlags. Barlach war 2006 gegen ihren Willen mit seiner Medienholding Winterthur in das Unternehmen eingestiegen und betreibt in verschiedenen Verfahren die Ablösung der Verlegerin. Am vergangenen Montag gab das Landgericht Berlin dem Minderheitsgesellschafter Recht und berief Unseld-Berkewicz ab. Die Entscheidung ist aber nicht rechtskräftig, Suhrkamp kündigte Berufung gegen die Entscheidung an. (APA/red, derStandard.at, 16.12.2012)

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3 Postings
Nur ein Mediator kann da helfen - das sich gegenseitig mir Prozessen Überziehen

spricht eine deutliche Sprache: hier läuft es auf einer persönlichen Ebene völlig schief. Es geht irgendwann nur noch darum, wer als Sieger vom Platz gehen kann und wer letztlich "Recht" hat.
Unsummen fließen in diese Prozesse, inzwischen leidet der Verlag (jetzt durch das öffentliche Geraune, durch die Gerüchte).
Ein Mediator könnte sich ausdenken, wie eine vernünftige Lösung aussieht, bei der beide Seiten das Gesicht wahren - zumindest halbwegs. Das verlangt, dass auf beiden Seiten ein wenig nachgegeben wird. Was aber irrelevant ist. Auf den Verlag und dessen Wohlergehen kommt es an, nicht auf Egos und deren Empfindlichkeiten. In der aktuellen Lage einen Buchverlag solchen Kalamitäten auszusetzen, ist ausgesprochen dämlich.

da hilft kein mediator (mehr)

es geht um das eingemachte (sprich: die kohle).

Eben weil es um den Zaster geht, sollte schleunigst ein Mediator eingreifen.

Momentan wird mit Prozessen und Klagen Geld verbrannt.
Wenn das so weitergeht, ist die Zukunft des Verlags unsicher und steht auf dem Spiel.
Da könnte auch Barlach durch die Finger schauen, selbst wenn er alle Prozesse und Klagen gewinnen sollte. Das wäre dann ein Pyrrhussieg par excellence. Berkewicz wiederum muss einsehen, dass sie nicht allein schalten und walten kann, wie es ihr passt. Die Sache mit der Berliner Villa war unnötig.
Ich wünsche wirklich allen Beteiligten, dass sie sich endlich besinnen und einen Ausweg aus dem Schlamassel finden. Oder dass man sie dazu bringt, ihn zu finden. Suhrkamp muss für den Buchmarkt der Zukunft gerüstet und sollte nicht zu Tode prozessiert werden.

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