Nach Hangrutsch in Südtirol: Staatsanwaltschaft ermittelt

16. Dezember 2012, 20:52
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Vier Häuser komplett zerstört - Elf Familien evakuiert - Bach wurde wegen Verklausungsgefahr umgeleitet

Bozen - Nach dem Hangrutsch im Gemeindegebiet Abtei im Südtiroler Gadertal, bei dem 36 Personen evakuiert und inzwischen vier Wohnhäuser zerstört wurden, hat die Staatsanwaltschaft Bozen die Ermittlungen aufgenommen. Einerseits sollen eine mögliche Fahrlässigkeit und Versäumnisse vonseiten der Behörden untersucht, andererseits die Baugenehmigungen unter die Lupe genommen werden, hieß es am Sonntag auf der Homepage von "Südtirol News" unter Berufung auf einen Zeitungsbericht.

Bericht der Carabinieri erwartet

"Zurzeit warten wir noch auf den detaillierten Bericht der Carabinieri zu den Geschehnissen der vergangenen Tage", wurde Staatsanwalt Guido Rispoli in der Tageszeitung "Alto Adige" zitiert. Im Rahmen der Untersuchungen soll unter anderem geprüft werden, ob zum Zeitpunkt der Vergabe der Genehmigungen die geologische Beschaffenheit in dem betreffenden Gebiet ausreichend untersucht worden sei. Ersten Schätzung zufolge sollen durch den Hangrutsch bis dato Schäden in Höhe von mehr als zehn Millionen Euro entstanden sein.

Lage bleibt angespannt

Unterdessen blieb die Lage in den Weilern weiter angespannt. Nach Auskunft des Landes Südtirol habe die Rutschgeschwindigkeit der rund 40 Hektar großen Fläche wieder zugenommen. "Vor allem im nördlichen Teil des betroffenen Hanges", erklärte der Leiter des Landeszivilschutzes, Hanspeter Staffler, in einer Presseaussendung am Sonntag. Es werde versucht, mithilfe von Baggern zwei Höfe vor dem herunterrutschenden Material zu retten. Bäume würden gefällt und ein Rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen bis zu 30.000 Kubikmeter angelegt.

Gaderbach umgeleitet

Inzwischen sei auch der Gaderbach auf einer Länge von 200 Metern durch Rohre umgeleitet worden, damit im Falle einer Verklausung der Durchfluss gewährleistet sei. Gefährdet war unter anderem auch eine Kläranlage, die geschützt werden müsste. Erste Risse wurden bereits in den Schutzbauten des Baches festgestellt, erklärten Fachleute der Landesabteilung Wasserschutzbauten am Samstag.

Donnerstagnachmittag hatte sich der Hang in Bewegung gesetzt. Die Bewohner von zehn Wohnhäusern, insgesamt elf Familien, wurden von der Freiwilligen Feuerwehr Abtei mit Einsatz-und Pistenfahrzeugen in Sicherheit gebracht. Die Nacht auf Freitag war laut Land Südtirol ruhig verlaufen, bevor sich tagsüber die Lage zuspitzte und vier Häuser zerstörte. Am Samstag hatte sich der für den Zivilschutz zuständige Landeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) einen Überblick der Lage bei einem Lokalaugenschein gemacht und den Betroffenen Hilfe zugesichert. Die Häuser blieben weiterhin evakuiert.

Vor 200 Jahren bereits 17 Höfe zerstört

Die beiden betroffenen Weiler Anvi und Sottru würden rund um die Uhr von bis zu 80 Personen des Zivilschutzes, Wasserschutzbauten, Feuerwehr und Geologen beobachtet. Bereits vor rund 200 Jahren dürfte das Gebiet im Gadertal Schauplatz eines solchen Szenarios gewesen sein, berichtete das Land. Damals waren 17 Höfe von einem Hangrutsch zerstört worden. (APA, 15.12.2012)

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    Ein Bagger bei den Aufräumarbeiten.

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