Demonstration in Moskau zum Jahrestag der Proteste

Demonstration/Russland - Polizei nahm Nawalny und andere Oppositionsführer fest

Moskau - Ungeachtet eines Demonstrationsverbots haben sich in Moskau hunderte Menschen zu einer Kundgebung anlässlich des ersten Jahrestages der russischen Protestbewegung versammelt. Die Polizei ging gegen die Teilnehmer vor und nahm mehrere prominente Oppositionsführer, darunter Alexej Nawalny und die Moderatorin Xenia Sobtschak, fest. Im Dezember vergangenen Jahres hatte sich in Russland eine neue Protestbewegung gebildet, die zeitweise bis zu 120.000 Demonstranten mobilisierte.

Nawalny meldete seine Festnahme selbst auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter, später bestätigte seine Sprecherin die Festnahme. Nawalnys Mitstreiter Ilja Jaschin schrieb via Twitter, er sei zusammen mit Fernsehstar Sobtschak festgenommen worden. "Die Polizei hat entschieden, dass wir frieren würden, und setzte uns in den Arrestwagen", schrieb Jaschin. Der oppositionelle Fernsehsender Doschd zeigte zudem die Festnahme von Sergej Udalzow, dem Anführer einer linken Oppositionsbewegung.

Großaufgebot der Polizei

Die Polizei, die der Veranstaltung nahe dem Lubjanka-Platz mit einem Großaufgebot begegnete, berichtete von rund 500 Teilnehmern, von denen zudem die Hälfte Medienvertreter seien. Eine Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP schätzte die Zahl der Teilnehmer trotz Außentemperaturen von minus 15 Grad deutlich höher ein. Die Demonstranten legten Blumen vor dem Solowezki-Stein nieder, einem der wenigen Denkmäler für die Opfer politischer Repression während der Sowjetzeit.

Auch in der sibirischen Stadt Tomsk gingen Demonstranten auf die Straße. Trotz minus 35 Grad marschierten rund 60 Menschen gut 40 Minuten lang in Gedenken an den Beginn der pro-demokratischen Protestbewegung. Diese war vor einem Jahr ins Rollen gekommen, als im Zuge der Parlamentswahlen Betrugsvorwürfe laut wurden. Zudem weckte die Personalrochade zwischen dem damaligen Ministerpräsidenten Wladimir Putin und Staatschef Dmitri Medwedew, die Putin eine dritte Amtszeit als Präsident bescherte, den Unmut vieler Wähler. (APA, 15.12.2012)

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