Weltweite Trauer nach Mord an US-Schülern

15. Dezember 2012, 16:39
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Obama rief gesamte Nation zu Solidarität auf und forderte erneut Konsequenzen aus der Tat zu ziehen

Newtown (Connecticut) - Das blutige Massaker wenige Tage vor Weihnachten in einer Volksschule im US-Staat Connecticut mit 28 Toten hat weltweit Trauer und Entsetzen ausgelöst. Der 20 Jahre alte Todesschütze nahm sich das Leben, nachdem er 20 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren sowie sechs Erwachsene getötet hatte. Seine Mutter wurde ermordet in einer Wohnung in Newtown im Staat Connecticut gefunden. Die Bluttat fachte erneut eine Debatte über das Waffenrecht in den USA an. Präsident Barack Obama forderte in einer Radioansprache "bedeutsames Handeln", nannte aber keine Details.

Alle Opfer identifiziert

Polizeisprecher Paul Vance sagte am Samstag in Newtown, in der Nacht seien in der Sandy-Hook-Schule alle Opfer identifiziert und fortgebracht worden. In zwei Schulräumen wurden die Leichen von 18 Kindern entdeckt, zwei weitere erlagen später ihren Verletzungen. Auch sechs Erwachsene, darunter die Direktorin, wurden erschossen, bevor sich der Täter offenbar selbst das Leben nahm. Die Behörden machten zunächst keine Angaben zu den Motiven des Täters.

Leiche der Mutter des Schützen gefunden

Der Schütze wurde als der 20-jährige Adam L. identifiziert. Die Polizei hatte ihn zunächst für seinen 24-jährigen Bruder Ryan gehalten. Dieser wurde laut Medien von der Polizei befragt. Berichten zufolge wurde in einem Haus in Newtown die Leiche der Mutter des Schützen gefunden - das 28. Todesopfer. Sie unterrichtete den Angaben zufolge als Lehrerin an der Schule. Unklar sei aber, wann genau sie getötet wurde. Auch war zunächst noch nicht offiziell geklärt, ob der Amokläufer ebenfalls für diese Tat verantwortlich ist.

Der junge Mann soll bei seiner geschiedenen Mutter gewohnt haben, hieß es in Medienberichten. Die Polizei stellte drei Waffen sicher: Ein halbautomatisches Sturmgewehr und zwei Pistolen. Alle drei Waffen seien legal erworben worden und auf den Namen der Mutter registriert, berichteten Medien.

Täter als klug, scheu und introvertiert beschrieben

Der Täter soll Berichten von Nachbarn und Bekannten zufolge in der Kleinstadt aufgewachsen sein. Er wird als klug, sehr scheu und introvertiert beschrieben. In jungen Jahren sei er ein Einzelgänger gewesen, erzählte eine frühere Klassenkameradin bei CNN. Nachbarn beschrieben ihn nach Berichten des Senders als merkwürdig. Bei dem Amoklauf soll er ganz in Schwarz gekleidet gewesen sein und eine kugelsichere Weste getragen haben. Er habe sein Auto direkt vor der Eingangstür geparkt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Neues Sicherheitssystem für Volksschule

Die Volksschule hatte den Berichten zufolge erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet: Besucher müssen klingeln und erscheinen dann auf einer Sicherheitskamera. Erst wenn jemand innen auf den Türöffner drückt, kann man eintreten. Die Schuldirektorin selbst habe den mutmaßlichen Todesschützen hereingelassen, nachdem er geklingelt hatte, weil sie ihn als Sohn einer Kollegin erkannte, berichtete die "New York Times". Wenig später war die Frau tot.

"Ich habe Kugeln gesehen, die an mir vorbeigeflogen sind, und dann hat mich eine Lehrerin geschnappt und in einen Klassenraum gezogen", beschrieb ein Bub die Vorgänge in der Schule. Seine Mutter hielt ihn im Arm. "Die Lehrerin hat sein Leben gerettet, da bin ich sicher", sagte sie und weinte. "Mein Kind will am Montag nicht wieder in die Schule gehen", sagte ein Vater, dessen achtjährige Tochter überlebt hat. "Sie fragt mich ständig, wann das wieder passiert."

Amerika unter Schock

Amerika steht nach der Gräueltat unter Schock, Politiker suchten verzweifelt nach Worten. Obama sagte, derartige Tragödien passierten zu häufig in den USA. "Nichts kann ein totes Kinder Angehörigen ersetzen, doch wir können denen die Hand reichen, die es brauchen", sagte der Präsident in seiner wöchentlichen Radioansprache.

Obama fordert Konsequenzen

Er rief seine Mitbürger zu Solidarität mit den Angehörigen der Opfer auf. Wie bei seiner Ansprache am Vortag forderte Obama erneut, Konsequenzen aus der Tat zu ziehen. Es bedürfe "entscheidender Maßnahmen, um derartige Tragödien zu verhindern. Unabhängig von der Parteipolitik", sagte der Präsident. Wie am Vortag ging er jedoch erneut nicht ins Detail.

Waffengegner fordern den Präsident seit langem auf, Schritte gegen die Verbreitung von Schusswaffen zu unternehmen. Doch bisher vermied Obama es, in dieser sensiblen Frage etwas zu tun, um nicht die mächtige Waffenlobby gegen sich aufzubringen.

Gottesdienst für Opfer

Die Kleinstadt Newtown liegt gut hundert Kilometer nordöstlich von New York in einer waldigen Gegend des Ostküstenstaats Connecticut. Hunderte Menschen gedachten dort am Freitagabend in einem Gottesdienst der Opfer. "Unser Glaube wird auf die Probe gestellt", sagte der Gouverneur Dan Malloy. Papst Benedikt XVI. sandte ein Kondolenzschreiben an die Gemeinde, das bei dem Gottesdienst vorgetragen wurde.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erklärte, "Kinder als Ziel auszuwählen, ist eine hasserfüllte und unfassbare" Tat. Auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso, Frankreichs Staatschef Francois Hollande und die britische Königin Elizabeth II. zeigten sich erschüttert über die Bluttat. (APA, 15.12.2012)

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    Die Sandy-Hook-Schule in Newtown hatte erst in diesem Jahr ein neues Sicherheitssystem eingerichtet.

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