Massenmord in Connecticut: Obama unter Zugzwang

Kommentar | Florian Niederndorfer
15. Dezember 2012, 13:56

Nach dem Massenmord muss das laxe Waffenrecht in den USA endlich verschärft werden

Columbine, Virginia Tech, Aurora, Newtown: Die Argumente der US-Waffenfreunde sind nach jedem tödlichen Amoklauf dieselben. Natürlich sind es immer noch Menschen, die Menschen töten, nicht Waffen. Ebenso mag es stimmen, dass die Politik auch in Zukunft derartiges nicht verhindern wird können.

Trotzdem: Mit bloßen Händen lassen sich Tragödien wie jüngst in Connecticut aber nur schwer anrichten. Und intelligente, zeitgemäße Gesetze können das massenhafte Töten sehr wohl bedeutend erschweren.

Einfach zugängliche Kriegswaffen machen es Amokläufern gefährlich leicht. Dafür verantwortlich zeichnet auch eine antiquierte Rechtsauffassung. Als - auf den Tag genau - vor 221 Jahren das Recht auf Waffenbesitz per Zusatzartikel in der US-Verfassung verankert wurde, kannten deren Autoren bloß einfache Schießeisen Marke Vorderlader, nicht die hocheffizienten Tötungswerkzeuge, wie sie heute zu Millionen in Wohnungen zwischen Maine und Texas lagern. Halbautomatische Sturmgewehre, wie der Massenmörder von Newtown eines zum Einsatz brachte, muss keine zivilisierte Gesellschaft im 21. Jahrhundert legal im Schlafzimmerschrank horten, damit sie ihren Bedarf an Freiheit stillt.

Was es jetzt braucht, ist ein fundamentaler Wandel. Und die Erkenntnis, dass liberale Waffengesetze und privates Wettrüsten die Welt nicht sicherer machen. Ganz im Gegenteil. Der frisch wiedergewählte US-Präsident Barack Obama muss mit aller Kraft versuchen, das hoffnungslos veraltete - und in den USA keineswegs sakrosankte - Waffengesetz zu reformieren. Wenn durch schärfere Gesetze und rigidere Kontrollen nur ein ähnliches Attentat in der Zukunft verhindert wird, ist es das politische Risiko wert.

Die Gesellschaft, aus deren Mitte Täter wie Adam L. kommen, abstrakt und von Grund auf weniger gewalttätig zu machen, kann auch dem Demokraten im Weißen Haus nicht gelingen. Geht der Präsident jetzt aber nicht konkret und energisch gegen das Waffen-Unwesen in seinem Land vor, ist sein Versprechen vom großen Wandel vollends an der Wirklichkeit gescheitert. (Florian Niederndorfer, derStandard.at, 15.12.2012)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 264
1 2 3 4 5 6
Meinung bar jeder sachlichen Grundlage

Militärische Waffen (vollautomatische oder auf dieses umschaltbare Schusswaffen) sind bereits seit 1968 verboten. Ausgenommen Altbestand, der exorbitante Preise errreicht und einmal im Jahr in Knob Kreek gassi geführt wird.

Als die Verfassungszusätze beschlossen wurden gab es auch nur die Druckerpresse. Nach Ihrer eigenen Argumentation haben Sie also gar kein Recht, ihre Meinung außerhalb einer gedruckten Zeitung wiederzugeben.

Ich schlafe auch immer mit einem Messer unter dem Kopfkissen.

Man weiß ja nie, vielleicht bringt jemand Kuchen vorbei...

;)

Polizeipräsident ...

... Mannichl, sind Sie's?

Wäre es ein Ausländer gewesen hätte man einen Krieg beginnen können

Aber so?

Steckt diese armen Waffennarren...

...doch allesamt auf eine Insel und überlasst sie deren Hobby: Menschen über den Haufen schießen... Wer diese Idioten in Europa mit dem Wort Freiheit verteidigt, soll bitte schnell den nächsten Jet nach Übersee nehmen...

Konzentrations ...

...lagerfantasien bzgl. Waffenbesitzer?

Mehr Waffen !?!

Jeder, der glaubt, mehr Waffen wären in solchen Situationen die Lösung, hängt kindischen Allmachtsfanatasien an. Man stelle sich einen Kinosaal oder ein Schulgebäude vor, in dem es nicht nur einen Amokschützen sondern auch noch ein paar bewaffnete Zivilisten gibt, die sich ein Feuergefecht liefern... dieses Blutbad in einer dermaßen unübersichtlichen Situation will ich mir gar nicht ausmalen.

Sogar für Mitglieder von Spezialeinheiten mit jahrelanger Ausbildung ist so ein Szenario eine extrem heikle Situation. Aber in den feuchten Träumen der NRA zieht Joe Sixpack seine Halbautomatik unter dem Popcorn-Kübel hervor und legt den Amokläufer quer durch den dunklen Kinosaal zielsicher um und rettet damit den Tag.

Wer's glaubt ...

Die Realität zu ihren eigene Gewaltphantasien sieht so aus:

Nick Meli, 22, besuchte die Clackamas Town Center Mall. Als er den Täter sah, stellte er sich hinter eine Säule und zog seine Waffe. "Ist das Dein Ernst?" fragte er den Täter, der gerade eine Ladehemmung an seinem Gewehr behob. Nick wollte gerade schießen, als er bemerkte, dass im Hintergrund andere Leute waren. "Wenn ich daneben schieße, dann könnte ich jemand treffen" dachte er und schoss deshalb nicht. Unter dem Eindruck der bewaffneten Gegenwehr zog sich der Täter zurück und erschoss sich selbst.

Wie viele Menschenleben alleine durch die Anwesenheit eines bewaffneten Opfers gerettet wurden kann man bestenfalls ahnen.

Nein, ich glaube, es würde anders laufen.

Ein Kinosaal voller Waffenträger wäre kaum ein geeigneter Austragungsort eines Amoklaufs - soll heißen: Da geht keiner mit solchen Absichten rein, weil er weiß, dass er 5 Sekunden später von 120 Kugeln durchbohrt ist.

Wenn alle bis an die Zähne bewaffnet herumlaufen, sucht man sich wohl eher einen Ort, wo das nicht so ist. Also Schulen, Kindergärten. Mit Aufrüstung wären also Kinder noch gefährdeter als jetzt. Und wenn die Lehrer in den USA ähnlich ticken wie hierzulande, würde ich diesen bitte eher keine Waffe in die Hand geben. ;)

Das Dilemma fängt schon viel früher an. Solche Menschen sind in die Enge getrieben, sehen keinen Ausweg mehr, krank, überfordert. Da gehört angesetzt. Waffen sind dann leider nur mehr der letzte Ausweg.

Wer seine Gesellschaft verkorkst muss soll sich über die Folgen nicht beschweren.

Den Argumenten der Waffenlobby folgend, sollte es freien Drogenbesitz geben (die Drogen selbst töten niemanden) und man sollte überall so schnell fahren dürfen wie man will.

In einer bis in die letzte Hautpore auf absolute Konkurrenz gedrillten Gesellschaft, in der schon Millionen Waffen existieren...
...da möchte ich auch eher mit einer Wumme in der Tasche rumlaufen als auf zukünftige Kontrolle zu setzen.

Konkurrenzdruck war ja wohl auch hier wieder der Auslöser und selbst wenn man heute anfängt Waffen zu reglementieren, selbst in 100 Jahren wird man noch leicht an eine rankommen, wenn man nur will.

Für die USA gibt es keine Lösung für dieses Problem. Sie werden mit den, was sie sich eingebrockt haben, leben müssen.

"Freier Schuss für freie Bürger" heissts in den USA.
Bei uns einstweilen nur "Freie Fahrt für freie Bürger" der Autolobbyisten.

Ja, lieber Herr Niederndorfer,

haben's immer noch nicht erkannt dass Obamas Versprechen einer fundamental transformation schon gescheitert waren bevor sie ueberhaupt ausgesprochen wurden?

Wie sich persoenliche ideologische Traeumereien und objektiver Journalismus vereinbaren lassen, darueber sollten's halt ein bisserl mehr nachdenken.

bei Waffen und Sozialstaat glauben die Europäer immer, die US-Amerikaner würden irgendwann aufwachen und unsere Regeln kopieren. In den USA sehen die Leute die Dinge aber etwas anders. Dort wird eher diskutiert, warum die Lehrer und die Kinder nicht bewaffnet waren, um sich zu verteidigen.

um nicht zu sagen,

wenn ueberhaupt, glauben sie, die Europaeer wuerden irgendwann aufwachen

Kranke Argumente der NRA

Die konservativen Mitglieder der NRA (National Rifle Association) argumentieren sicher, der Fehler lag daran, dass die Kinder nicht bewaffnet waren und sich somit nicht zu Wehr setzen konnten. Diese wirre Logik wird auch in dem meist gesehenen Holywood "Tschinbums" tradiert. Da müssen noch viele dicke Bretter gebohrt werden!

Nicht die Kinder, aber Teile des Betreuungspersonals; verdeckt natürlich.

Sowas wie das Breivik-Massaker wäre in Israel unmöglich. Bewaffnete Soldaten - natürlich auch weibliche - gehören dort zum Straßenbild. Nach dem zweiten Opfer wäre ein B. zuverlässig umgenietet.

in Ihren feuchten Träumen...

ein Amoklauf oder eine Geiselnahme ist sogar ein Alptraum für jeden Kämpfer einer Spezialeinheit. In diesem Chaos ist das Risiko extrem hoch, dass Sie einen unschuldigen Zivilisten erwischen.

Niederndorfer setzt Obama unter Druck.

Ein Kampf der Giganten!

Haben die Europäer keine anderen Sorgen, als das Waffenrecht in den USA? Sehr eigenartig dieser US-Fokus

Das lenkt jedesmal so hervorragend von den eigentlichen Ursachen ab

mit denen sich diese Charaktere nicht einmal annähernd befassen wollen.
js

Jo fast schon soviel los wie bei Rapid-Artikeln...

Menschlich betrachtet ist dies kein Problem der USA alleine, sondern ...

betrifft uns alle. Und politisch betrachtet kann es nur positiv sein, wenn die Waffengesetze verschärft werden und dadurch auch nur ein einziger Amoklauf verhindert wird.

Mich macht eher betroffen wie leichtfertig und unkritisch hier - auf wohlgemerkt meist völlig anonymer Basis - Waffen (noch weiter) monopolisiert werden wollen
Und das immer wieder nur unter einem Vorwand von Gewaltverzicht und ebensolcher Konfliktlösung(spotentiale)
Und mit einem "uns" vereinnahmen lasse ich mich dabei sicher nicht - diese abscheuliche Gewalt nicht über mich unwidersprochen ergehen, nur weil es Leuten wie Ihnen so gefällt. Diese daran eine Freude haben -

Interpretiere ich sie richtig, dass sie den ...

Waffenbesitz nicht zusätzlich einschränken wollen, kein potentieller Amokläufer sind und nicht zu jenen gehören (wollen), die sich im Falle eines Amokläufers nicht zum bewaffneten Verteidigung ausholen können?
Wenn dem so ist, das hätten sie auch einfacher zum Ausdruck bringen können!

Immer dasselbe: Ein Amoklauf in den USA lässt über das Waffenrecht lästern, ein Amoklauf in Europa zieht eine Diskusssion über Ballerspiele nach sich.

Posting 1 bis 25 von 264
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.