Medientransparenz: 37,3 Millionen für Werbung - fast neun Millionen von Wien

Größte Bucher im Boulevard: Wien vorne - Hauptstadt investierte am meisten in "Heute" - Update: Werberiese Wien wirbt gern in SP-nahen Medien

Wien - Wien sticht unter den Millionen Werbedaten öffentlicher Unternehmen hervor, die erstmals auf der Webseite der Medienbehörde veröffentlicht wurden. 37,3 Millionen Euro gaben Stellen und Firmen wie Ministerien, Gemeinden, ÖBB, Asfinag und Abwasserverbände allein von Juli bis September 2012 aus. An die neun Millionen investierte die Bundeshauptstadt - ein Vielfaches ihrer Mitwerber.

Die Daten sind nur grobe Werte ohne Gewähr: Die Medienbehörde veröffentlicht die gemeldeten Daten gemäß Gesetz unsortiert. Medien kommen in unterschiedlichsten Schreibweisen vor. Welche Stellen und Firmen etwa Wien zuzuordnen sind, muss aus dem Datenwust heraussortiert werden.

Die Hauptstadt ist größter öffentlicher Bucher etwa in den Massenblättern "Krone" und "Österreich" mit rund 610.000 beziehungsweise 620.000 Euro. Knapp eine Million Euro investierten Wiener Institutionen in "Heute". Die Gratiszeitung und eine Minderheitsbeteiligung daran managt ein Exsprecher von Werner Faymann (SPÖ); die Mehrheit kontrolliert Herausgeberin Eva Dichand, Frau des "Krone"-Chefs.

Öffentliche Stellen insgesamt warben im dritten Quartal 2012 für je 3,2 Millionen in der "Krone" und im ORF. Zusammen mit Einträgen für Mediaprint und den dortigen Mitgesellschafter "Kurier" (1,5) und Kronehit kommt die "Krone" auf 5,1 Millionen. 2,1 Millionen Euro für öffentliche Werbung landeten in "Österreich"; 2,3 Millionen in "Heute". Die Verlagsgruppe News kommt nach ersten Grobanalysen auf 1,3.

Die Styria ("Kleine Zeitung", "Die Presse", "Wirtschaftsblatt") liegt über drei Millionen, eine gute weitere Million schafft der Gratiszeitungsring RMA, an der sie die Hälfte hält. Mehr als 1,2 Millionen gingen in dem Quartal an den STANDARD, fast 1,5 an "Die Presse".

Echo der politischen Heimat

Mehr als eine Million, zum wesentlichen Teil aus Wien, erhält der Bohmann-Verlag, der für die Gemeinde und ihre Firmen wie die Wiener Linien eine Vielzahl von Publikationen herausgibt: Er steht im Besitz seines Managements und wird als SP-nahe eingestuft. Dem roten Verband der Wiener Arbeiterheime gehört der Echo-Verlag ("Bezirksblätter"). Ihm lassen sich grob 720.000 Euro an öffentlicher Werbung zuordnen. (fid, DER STANDARD, 17.12.2012)

NiederÖsterreich

Eine Ergänzung, weil mich Fritz Hausjell mit seinem "Zeit"-Beitrag gerade daran erinnert: Niederösterreichs auch nicht schwache Werbeausgaben haben wir nicht so hervorgehoben wie jene Wiens (die Stadt wirbt halt für ein Vielfaches aller übrigen Institutionen); wir ergänzen reumütig seinen Hinweis, den er einer Grafik in der "Presse" entnahm (ohne zu checken, was die Kolleginnen da hineingenommen haben): Das größte Bundesland überwies rund die Hälfte seiner Werbung an vier Blätter, in der Reihenfolge Österreich, Krone, Heute und Kurier. (fid, derStandard.at, 26.12.2012)

Mehr Daten im Detail

Die Medienbehörde KommAustria hat Samstag um 0.00 Uhr erstmals Werbedaten öffentlicher Stellen nach dem Medientransparenzgesetz veröffentlicht. Die Daten umfassen die Schaltungen von 5548 Unternehmen in jeweils Dutzenden, teils hunderten Medien im Zeitraum Juli bis September 2012, die zudem in vielerlei Schreibweisen vorkommen, was die Sache nicht übersichtlicher macht. Daten also auf den ersten, groben Blick und ohne Gewähr. - Und sorry für den Fehler im Titel, es muss natürlich 37 und nicht 32 Millionen heißen.

Erste Erkenntnisse: 37,257 Millionen Euro für Werbung und Medienkooperationen wurden gemeldet - davon alleine 6,424 Millionen von der Stadt Wien, ZIT, departure, aber ohne Verkehrsbetriebe und andere Gemeindeunternehmen. Für offensichtliche Gemeindeunternehmen wie Wien Energie, Bestattung Wien und Wohnservice Wien fanden wir auf den ersten Blick weitere 2,545 Millionen Euro.

Werner Faymanns Bundeskanzleramt buchte in diesem Quartal für insgesamt 328.000 Euro, davon 116.000 in der "Krone", 39.000 in "Heute" und 28.000 in "Österreich".

Das Innenministerium setzt andere Schwerpunkte auf dem Boulevard: 450.000 Euro, davon 150.000 in "Österreich" und 123.000 in "Heute", 45.000 in der "Presse", aber keinen Werbe-Cent in der "Krone" - und übrigens auch nicht im STANDARD.

Nikolaus Berlakovichs Landwirtschaftsministerium hielt sich in dem Quartal mit insgesamt 232.000 Euro eher zurück, höchste Buchung in derStandard.at mit 23.500 vor "Heute" mit 23.000 und "NÖN" mit 21.000.

Die offensichtlichen ÖBB-Gesellschaften warben für 1,4 Millionen Euro. Große Volumina finden sich - grob - in "Heute" mit 126.000 Euro, "Krone" mit 138.000 und "Österreich" mit 112.000.

Die Asfinag scheint mit 202.000 Euro auf, gebucht in 14 Medien, davon 42.000 in Ö3 und 39.000 in der "Krone bunt". 6000 fielen für "Woman" ab.

Ein erstes, grobes Schlaglicht auf öffentliche Werbung und Kooperationen im Tageszeitungsboulevard, ohne Gewähr für Vollständigkeit:

  • In der "Krone" (ohne Mediaprint-Einträge) warben öffentliche Stellen in dem Quartal für 3,1 Millionen Euro, größte Bucher hier: Stadt Wien mit grob 610.000 Euro, ORF mit 173.000, Kärnten Werbung mit 125.000, AMA mit 119.000 und Bundeskanzleramt mit 115.000 Euro. Auf krone.at kommen dazu noch öffentliche Inserate für 25.500 Euro.
  • In "Heute" (noch ohne heute.at) schalteten öffentliche Institutionen für 2,3 Millionen Euro, größte Bucher: Stadt Wien mit 995.000, ORF mit 132.000, Innenministerium mit 123.000, Wohnservice Wien 113.000.
    heute.at kommt auf rund 30.000.
  • In "Österreich" (mit "Madonna", ohne oe24) investierten öffentliche Stellen 2,4 Millionen Euro, größte Bucher: Stadt Wien mit grob 782.000 Euro, ORF 260.000, Flughafen Wien mit 153.000, Innenministerium 150.000.
    oe24.at kommt auf rund 35.700 Euro.

Unter Mediaprint (Krone-Kurier-Tochter) sind weitere 168.000 Euro vermerkt.

ORF-Volumen Gegengeschäft

Aber Obacht: Die ausgewiesenen Werte beim ORF sind Gegengeschäfte, denen kein Geldfluss gegenübersteht. Der ORF tauscht Inserate gegen Spots.

Damit nicht nur der Boulevard beleuchtet wird, auch das sind erste grobe Daten:

  • Der "Kurier" (ohne Mediaprint-Einträge, inklusive kurier.at) kommt auf 1,61 Millionen Euro. Größte Bucher: Stadt Wien mit 313.000 Euro, ORF mit 156.000 und Wirtschaftskammer Wien mit 120.000 Euro.
  • "Die Presse" (inklusive diepresse.com) kommt auf 1,48 Millionen. Größter Bucher: Stadt Wien mit 353.000 Euro, Wirtschaftskammer Wien 143.00, ORF mit 94.000 Euro.
  • DER STANDARD (inkl derStandard.at) liegt bei 1,21 Millionen Euro. Größte Bucher: Stadt Wien 231.000, Post 110.000, Museumsquartier 43.000.

Damit nicht nur Tageszeitungen vorkommen:

  • Der "Falter" scheint bei Werbung und Medienkooperationen mit 142.000 Euro auf, davon 29.000 der Stadt Wien.

  • "News" und news.at mit allen Ablegern war öffentlichen Werbern 482.000 Euro wert, größter Bucher Stadt Wien mit 124.000 Euro vor dem ORF mit 107.000

Und wo gerade Werbung und Internetgiganten Thema sind:

  • In Google-Werbung investierten öffentliche Unternehmen wie die OÖ Thermen Holding und die Tirol Werbung insgesamt 386.000 Euro.
  • In Facebook buchte die Wien Energie den größten Teil von 65.000 Euro.

Die Übersicht der RTR findet sich unter diesem Link.

Förderungen für ORF und andere

7,03 Millionen für Förderungen ohne den ORF - und für den Gebührenfunk 153,1 Millionen in dem Quartal - Gebühren und Gebührenrefundierung.

99 Prozent der meldepflichtigen 5.604 vom Rechnungshof geprüften Institutionen haben gemeldet oder Nullmeldungen abgegeben, also Ministerien, Landesämter, Kammern, Gemeinden, Gemeindeverbände, überwiegend in öffentlichem Besitz stehende Unternehmen wie ÖBB und Asfinag.

Laut Medienbehörde haben 419 von 5.604 meldepflichtigen Institutionen Aufwendungen nach Paragraf 2 MedKF-TG (Aufträge und Medienkooperationen), also Werbeschaltungen gemeldet. 15 Instiutionen haben Förderungen gemeldet.

5.129 Rechtsträger gaben Leermeldungen in Sachen Werbung und Kooperationen ab, 5.532 Leermeldungen in Sachen Förderungen.

Die nächste Quartals-Meldefrist - für das vierte Quartal 2012 - beginnt am 1. Jänner 2013 und endet am 15. Jänner 2013. (flog/fid, derStandard.at, 15.12.2012)

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