Hutchison muss noch um Orange zittern

14. Dezember 2012, 19:28

A1 will an Kauf von Yesss! festhalten, am Montag entscheidet die Bundeswettbewerbsbehörde

Wien - Wiewohl mit 390 Millionen Euro eine größere Belastung als noch vor einem Jahr kalkuliert, hat sich A1 Telekom Austria (TA) mit dem Kauf der Orange-Diskonttochter Yesss! offenbar abgefunden. A1 wolle an dem Deal auch dann festhalten, wenn die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) gegen die Genehmigung des Deals durch das Kartellgericht Rekurs einlegen und die Entscheidung dadurch verzögern sollte. "Wir sind in freudiger Erwartung", betonte TA-Sprecher Peter Schiefer.

Der Deal sei sinnvoll, ein strategisch richtiger Schritt, und ein Zerbröseln des Deals durch Zeitablauf nicht geplant, hieß es auch in anderen TA-Quellen.

Die Verwirrung, die auch Investoren in London erfasste, hatte der Geschäftsführer der Telekom-Regulierungsbehörde RTR, Georg Serentschy, ausgelöst. Er hatte am Vormittag von einer kritischen Situation gesprochen, in der sich der mit der Übernahme von Orange Austria durch Hutchison 3G (H3G; "3") verbundene Deal befinde. Sollte bis Ende Jänner keine abschließende Genehmigung der österreichischen Wettbewerbshüter (BWB und Bundeskartellanwalt) vorliegen, könne A1 von dem bis zu 390 Millionen Euro schweren Kauf zurücktreten, sagte Serentschy. "Es gibt ein verbindliches Angebot und wir halten daran fest", sagte ein Sprecher.

Wetten auf Ausstieg

An der Börse bescherte die Aussicht auf einen möglichen Ausstieg der TA-Aktie fast drei Prozent plus. Analysten hatten kritisiert, die Yesss! -Übernahme sei teuer, die Telekom brauche das Geld dringender für Frequenzauktion und Netzausbau der nächsten Mobilfunkgeneration (LTE).

"3"-Mutter Hutchison hat, am Mittwoch von der EU-Kommission grünes Licht für den Kauf von Orange Austria um rund 900 Millionen Euro bekommen; allerdings Zugeständnisse verlangt wie Frequenzverkauf. Auch muss H3G Untermieter in sein Netz aufnehmen, um für Wettbewerb zu sorgen. Fixbestandteil des Deals ist der Weiterverkauf von Frequenzen, Netzinfrastruktur und Yesss! um 390 Millionen Euro an A1 (mit seiner Billigmarke Bob).

In Telekom- und Regierungskreisen gilt ein Einspruch gegen die Yesss! -Übernahme durch A1 mittlerweile als unwahrscheinlich. Ob der Besuch von H3G-Chef Canning Fok bei BWB-Chef Theordor Thanner Entspannung brachte, ist nicht bekannt. Fok gratulierte den Österreichern danach jedenfalls zu ihrer "wunderbaren Konsumentenschutzbehörde".

Dem Vernehmen nach versucht die BWB, "3" zur Aufgabe oder Senkung der bei Konsumenten ungeliebten "Servicepauschale" (20 Euro) zu bewegen. Die BWB will über den Gang zum Obersten Gerichtshof am Montag entscheiden. (ung, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

wenn ein unternehmen...

von einer "wunderbaren Konsumentenschutzbehörde" spricht, ist das sehr verdächtig....

Ob Hutchison, A1 oder was auch immer, eines muss man den Ösianbietern lassen:

Die sind gegenüber den deutschen Anbietern echt billig.

Okay, bei Abdeckung und zeitgemäßer Technik hinkt man hier hinterher, aber der Preis macht vieles wieder wett.

Das ist natürlich nicht richtig.
Auch technisch sind die österreichischen Netze den deutsche weit überlegen.
Ich hatte in Berlin E-Plus und O2. Was die beiden abliefern, würde sich in Österreich kein Anbieter trauen. Einfach nur traurig. Dazu 4x so hohe Preise wie in Österreich.

Was die Abdeckung in D betrifft

brauchen sich die "Piefkes" wirklich nichts einbilden. Zwischen München und Salzburg kenn ich einige Orte die mobil überhaupt nicht versorgt sind. Als Roamingtelefonierer bin ich dort unerreichbar. Das ist in A nicht einmal am Großglockner der Fall.

Der Staat...

...kann die Frequenzen ohnehin zurückfordern. Wozu also verkaufen?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.