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Walter Schachermayer spricht sich im jüngsten "Kommentar der anderen" dafür aus, Spekulationsgeschäfte nicht zu verbieten, sondern nur einzuschränken. Wenn man den Schleier der Komplexität, der über diesen Geschäften liegt, wegzieht und ihr Wesen offenlegt, kommt man allerdings zu einer radikaleren Ansicht: Mit Risikohandel kann niemals Wohlstand geschaffen werden. Die Einzigen, die letztlich dabei dauerhaft gewinnen, sind die Banken. Warum? -Darum:
Swaps werden von Banken zur Absicherung von Risiken angepriesen. Tatsächlich geht es dabei um nichts anderes als um den Tausch von einem Risiko gegen ein anderes. Weil man das Wesen dieser Absicherungsgeschäfte mit Banken vielfach noch immer nicht versteht, glaubt man in Salzburg so wie in vielen anderen öffentlichen Bereichen, zukünftige Finanzmarktdesaster vermeiden zu können, indem man auf den Finanzmärkten nur mehr Absicherungsgeschäfte abschließt, die mit dem " Grundgeschäft" zu tun haben. Mit dieser seriös klingenden Formulierung fällt man aber nur auf eine Strategie der Banken hinein, die sich durch diese Formulierung wenigstens einen Teil ihres einträglichen Geschäftes mit dem Handel von Risiken erhalten wollen.
Um die Problematik zu verstehen, muss man vor allem aber den fundamentalen Unterschied zwischen Versicherungsleistung und Risikohandel verstehen. Dazu ein Beispiel:
Es ist wirtschaftlich vernünftig, sich gegen existenzielle Risiken, wie z. B. gegen ein Feuer im eigenen Haus zu versichern. Wenn ein Haus, im Wert von 100.000 Euro im Durchschnitt alle 100 Jahre abbrennt, zahlt man der Versicherung eine Prämie von 1000 Euro (plus einen Kostenaufschlag) im Jahr, damit sie im Schadensfall das Haus wieder errichtet. Weil eine Versicherung viele Häuser versichert, kann sie im Mittel alle Schäden mit den laufenden Prämien bezahlen.
Ein Absicherungsgeschäft eines Risikos auf den Finanzmärkten in Form eines Swaps dagegen läuft völlig anders ab. Hier werden Risiken nicht versichert, sondern im Wesentlichen nur getauscht. Also: Die Bank bietet dem Kunden an, dass er statt 1000 Euro im Jahr wie bei der Versicherung nur 500 zahlen muss. Am Rande und nur im Kleingedruckten wird dabei erwähnt, dass diese günstige Prämie nur deshalb möglich ist, weil der Kunde im Zuge dieses Absicherungsgeschäfts gleichzeitig das Risiko eines Brandschadens des Nachbarhauses übernehmen muss. Weil das Nachbarhaus wahrscheinlich im Schnitt nur alle 1000 und nicht alle 100 Jahre abbrennt, entspreche dieses Risiko nur durchschnittlichen Kosten von 100 Euro, und weil dieses Risiko so klein ist, reiche es auch aus, dass es nur im Kleingedruckten steht.
Im Gegensatz zur Versicherung bezahlt der Kunde beim Absicherungsgeschäft mit der Bank also nur 500 Euro und hat zusätzlich ein durchschnittliches Risiko für den Brand des Nachbarhauses im Wert von 100 Euro zu tragen. Der Kunde erspare sich somit, sagt die Bank, Kosten von 400 Euro im Jahr. Bis hierher könnte man entschuldigend für die Bank noch sagen, dass sie das Risiko für das Nachbarhaus vielleicht nicht so genau schätzen konnte. Die Geschichte geht aber weiter:
Die Bank geht nämlich mit dem gleichen Angebot zum Nachbarn und kassiert somit im Endeffekt zweimal die Prämie von 500 Euro, ohne irgendein Risiko zu tragen. Am Anfang schaut das Geschäft sogar auch für beide Nachbarn noch sehr vorteilhaft aus, so wie auch in Salzburg am Anfang alles sehr vorteilhaft ausgesehen hat. Wenn allerdings dann das Nachbarhaus abbrennt, hat jeweils der andere Nachbar den vollen Schaden zu tragen, und ein öffentliches Wehgeschrei fängt darüber an, warum man denn auf den Finanzmärkten gezockt habe.
An diesem Beispiel wird auch der heimtückische psychologischen Unterschied zwischen dem Roulette im Kasino und den Swaps mit einer Bank deutlich: Zwar verlieren in beiden Fällen die Kunden im Mittel langfristig. Aber beim Roulette verliert man typischerweise am Anfang und hofft auf den zukünftigen großen Gewinn, wenn die richtige Zahl kommt. Swaps dagegen sind deshalb so verlockend, weil man dabei am Anfang zunächst typischerweise gewinnt und dabei gerne übersieht, dass irgendwann die Verluste kommen müssen, die im Mittel größer sind als die vorhergehenden Gewinne.
Das ist auch der Grund, warum die Beamten im öffentlichen Bereich, die die Banken zum Abschluss solcher Swaps drängen, zunächst als Finanzgenies betrachtet und daher mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet werden. Das aber natürlich nur so lange, bis die mit hoher Wahrscheinlichkeit kommenden großen Verluste tatsächlich auftreten und die Banken sich ihrer Verantwortung entledigen wollen, "weil sie ohnehin auf die Risiken hingewiesen haben". Nur bei den ganz großen Spekulationsaffären wird bekannt, dass die Banken manchmal auch über ihre eigenen Füße stolpern, wenn sie ihre Risiko-Deals in ihrer gesamten Wirkung selbst nicht mehr verstehen.
Egal ob solche Absicherungsgeschäfte auf den Finanzmärkten mit dem " Grundgeschäft" - hier die Absicherung gegen einen möglichen Brandfall des eigenen Hauses - zu tun haben oder nicht, sie haben nichts mit Versicherungsgeschäften zu tun. Sie werden entweder in betrügerischer Absicht abgeschlossen oder - noch schlimmer - in gutem Glauben, weil man die eigenen komplexen Modelle in ihrer gesamtheitlichen Wirkung selbst nicht mehr versteht. In Summe aber können durch diese Art von Risikotauschgeschäften die Risiken jedenfalls niemals gedeckt werden. Bei Spekulationsgeschäften kommt es niemals zu einem Wohlstandsgewinn, weil dabei letztlich keine Semmeln gebacken werden. Die Gewinne des einen entstehen stets nur aus den gleichzeitigen Verlusten der anderen. Langfristig gleichen sich aber für die Kunden der Banken bei diesen Spekulationsgeschäften alle Gewinne und Verluste aus. Weil die Kunden aber den Banken hohe Vermittlungsgebühren für diese Geschäfte bezahlen mussten, werden dabei letztlich alle Kunden zu Verlierern, und nur die Banken bleiben als einzige Gewinner übrig.
Wir werden wieder einmal enorme volkswirtschaftliche Leistungen sinnlos vergeuden im endlosen Streit, wer recht hat. Es wäre besser, alle diese schädlichen Risikotauschgeschäfte für die Zukunft generell zu verbieten und alle bestehenden Geschäfte für unwirksam zu erklären und damit alle Gewinne und Verluste daraus zu streichen, weil diese Geschäfte, wenngleich sie vielleicht im Einzelfall manchmal auch nicht in betrügerischer Absicht erfolgten, so zumindest in Summe jedenfalls gegen die guten Sitten verstoßen.
Vor allem muss sich unsere Gesellschaft aber wieder darauf besinnen, dass Wohlstand nicht auf den Finanzmärkten durch den Handel mit Risiken entsteht, sondern indem wir unsere Arbeitskraft in der Realwirtschaft zum Backen von Semmeln einsetzen, denn Geld kann man nicht essen. (Erhard Glötzl, DER STANDARD, 15./16.12.2012)
ERHARD GLÖTZL ist Vorstandsdirektor der Linz AG i. R. und Lektor für Finanzwirtschaft an der Donau-Uni Krems.
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.. der unorthodoxe Meinungen von offensichtlichem Unsinn unterscheiden kann. Abgedruckt wird alles. Die Aussage, alle bestehenden Geschäfte einfach für unwirksam zu erklären, befindet sich auf der gleichen intellektuellen Ebene wie anno dazumal die Aussage der Dame, dass der CIA die Erdbeben der Welt verursacht. Was die Redaktion hier betreibt ist vergleichbar mit den Talkshows tagsüber auf RTL und ProSieben, in denen Absonderliches präsentiert wird, als ob es das Normale wäre. Dass es intellektuelle Beliebigkeit gibt und Fachfremde mit Schwachsinn verwirrt werden, ist nicht zuletzt auf derartige Artikel und die offensichtliche Unbedarftheit der Redaktionen zurückzuführen.
Leider wird aber nach wie vor die Produktion, und damit die Wertschöpfung ausgelagert, und der Konsum sowie die Dienstleistungen über Kredite, also immer weiter steigende Schulden, finanziert.
Die Firmen die Outgesourced haben machen daher, so wie im Artikel dargestellt wurde auch Anfangs hohe Gewinne, weil die Konsumenten auf Kredite weiter konsumieren (bis die Blase platzt).
Ein gutes Beispiel ist Apple, dass viel Geld für Made in China Produkte verlangt, und erst jetzt wieder bereit ist Teile der Produktion wieder in die USA zurückzuholen.
Es sind weder die Banken noch die Derivate Schuld, sondern eher Beamte die solche Deals eingehen und selbstverständlich nicht einmal verstehen worum es geht. Es gäbe sehr viel einfachere Investments warum die Wahl immer auf die komplizierten fällt ? Keine Ahnung, aber ich würd gern wissen ob die Raika damit etwas zu tun hat ;)
wie die verfechter des heiße-luft-perpetuum-mobile zum letzten gefecht rüsten.
schluss mit lustig, ihr virtuelle-semmel-sackerl-zauberlehrlinge :D
lieber herr glötzl, als chemielehrer konnten sie mich ja nie begeistern, aber mit der linz ag war und bin ich als kunde noch immer sehr zufrieden, und den kremsern tut es sicher gut, wenn dort jemand lehrt, der die sache mit naturwissenschaftlich fundiertem hausverstand angeht.
wie diese wu-fuzzis es schaffen nicht mal die natur der funktion k = k0(1 + p/100)^n zu verstehen, auf der sie ihr pyramidenspiel aufbauen, war und bleibt eines der ungelösten rätsel dieser welt.
im öffenlichen Bereich haben Spekulationen nichts verloren, ich war 17 jahre an vorderster stelle im kommunalen Bereich tätig und habe ALLEN Anbietern von diversen Finanzgeschäften umgehend die Tür gewiesen, diese Leute gaben zeitweise einander die klinke in die hand und wir sind ohne Fremdwährung bei der Finanzierung unserer Projekte ausgekommen, durch kräftige eigenkapitalvorleistungen war es möglich zu enormen kosten einsparungen zu kommen
insbesondere Zinsswaps, sind beliebige Vereinbarungen zwischen zwei Vertragspartnern.
Daraus einen systematischen Vorteil für die Bank zu konstruieren, gelingt nur unter einer Voraussetzung:
wenn man 0 (In Worten: NULL) Ahnung hat worum's geht und sich seine Wirtschaftskompetenz in einer geschützen Werkstätte angeeignet hat.
Diese geschützten Werkstätten werden übrigens wegen ihrer "Fachkompetenz" besonders gern und oft über den Tisch gezogen. Dann folgt oft die Standard-Rechtfertigung für die Veruntreuung: die Banken waren's....
…aber wenn jemand schreibt "Es wäre besser, alle diese schädlichen Risikotauschgeschäfte für die Zukunft generell zu verbieten und alle bestehenden Geschäfte für unwirksam zu erklären und damit alle Gewinne und Verluste daraus zu streichen …" weiß man: es ist kein Zufall, dass dieser Herr im öffentlichen, parteibuchinfizierten Sektor Karriere gemacht hat. Grauslich wird es, dass er den Unsinn auch noch an Studierende weitergeben darf.
Wenn man nicht absichert, dann ist die Chance das man Verlust erleidet 50%, weil es ja nur zwei Richtungen gibt.
Wenn man aber absichert, dann verliert man mit einem der beiden Geschäfte auf jeden Fall, weil ja beide in eine andere Richtung zielen.
Es muss daher erst gar nicht der Nachbar "abbrennen" damit man zur Kasse gebeten wird.
Wenn man nur in Swaps veranlagt ohne eigene Veranlagungen abzusichern, dann kann man (theoretisch) Gewinne machen. Aufgrund des einseitig gerichteten Hebels ist aber die Chance auf einen Gewinn ungleich geringer als auf einen Verlust.
Ein Politikwissenschafter als Finanzlandesrat (Sbg), ein Wehrpflichtverweigerer als Verteidigungsminister, ein Landeshauptmann, dem ein Höchstgericht mitteilt, dass er gewisse Sachverhalte nicht versteht usw.
Wir wählen Parteien und diese hieven dann Personen ihres Vertrauen auf Spitzenpositionen und versagen diese dann dürfen wir Steuerzahler blechen. Deshalb müssen die Parteien wenn auch nur symbolisch für ihre Vertrauenleute haften damit mehr Fachkompetenz in die Politik kommt.
http://www.wienerzeitung.at/meinungen... litik.html
Man hat auch vor 1000 Jahren schon Cholera und die Pest gehabt.
Checkst du es nicht oder willst du es nicht wahrhaben? Mit Swaps kann man sich nicht absichern...man kann KURZZEITIG das Gewissen beruhigen, sich einreden einen super Deal gemacht zu haben. Nur...die Probleme wegen derer du die Swaps erst gemacht hast gehen ja nicht weg. Ein Staat ist kein Wirtschaftsunternehmen, ein Staat hat fast IMMER schulden.
Und somit treibt man sich dann auch langfristig in Swaps hinein, und eine Sache ist klar...die Zinsen in der anderen Währung KÖNNEN gar nicht ewig niedrig bleiben und niedriger werden, sonst würde sie irgendwann verschwinden.
Und somit kommt irgendwann der Crash, es ist nur eine Frage der Zeit.
Der Autor behauptet aber, man kann sich mit Derivaten nicht absichern. Sie würden nur "in betrügerischer Absicht abgeschlossen, oder weil .. man sie nicht versteht". Das ist doch Stuss. Natürlich kann man mit Derivaten auch rein spekulativ handeln, aber man kann sie auch rein zur Absicherung einsetzten.
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