Wiener Hotels: Zimmer mit Gewinnaussicht

Markus Böhm
18. Dezember 2012, 09:48
  • Sperrt im kommenden Jahr auf: Das Palais Hansen Kempinski am Schottenring.
    foto: putschögl

    Sperrt im kommenden Jahr auf: Das Palais Hansen Kempinski am Schottenring.

Wiens Hotelmarkt ist mit Abstand der attraktivste in Österreich. Da offenbar noch Luft nach oben ist, ist die Stimmung in der Branche positiv

Wien könnte noch mehr Betten vertragen, konkret: Hotelbetten. Darin waren sich alle Diskussions-Teilnehmer des "1. MRP Hotel Talk" einig, der vom Beratungsunternehmen MRP Consult im November im Hotel Bristol in der Wiener City veranstaltet wurde. "Wien ist ein Ganzjahresmarkt und somit ein attraktiver Hotelstandort", sagte Hans-Peter Hermann, Hotel Fund Manager bei Invesco Real Estate aus Luxemburg, das sich auf grenzüberschreitende Immobilieninvestitionen spezialisiert hat. Invesco besitzt in Österreich drei Hotelimmobilien, wobei man sich auf Stadthotels konzentriert.

Wien sei eine Destination für jeden Wochentag und daher besonders interessant, pflichtete ihm Thomas Willms bei, Regional-Direktor für Mittel- und Osteuropa der Starwood Hotels & Resorts Worldwide, eines der größten Hotel- und Freizeitunternehmen der Welt. Starwood hatte letztes Jahr die Mehrheitsanteile an den Hotels "Imperial" sowie "Goldener Hirsch" (Salzburg) erworben.

Konzentration auf die City

Willms Einschätzung spiegelt sich in der offiziellen Statistik wider. Nach Bundesländern betrachtet, gab es in der letzten Sommersaison die stärksten Nächtigungszuwächse gegenüber dem Vorjahr in Wien (plus 6,9 Prozent). Was den Status der Bundeshauptstadt als wichtigster Hotelmarkt des Landes unterstreicht. Der Löwenanteil und mit 4800 Zimmern das größte Hotelangebot aller 23 Wiener Bezirke konzentriert sich auf den 1. Bezirk.

Aktuelle Auswertungen von Wien Tourismus ergeben im ersten Halbjahr 2012 insgesamt 419 Hotelbetriebe, was einer Steigerung zum Vorjahr um 2,4 Prozent entspricht. Die Zimmerzahl stieg um 5,2 Prozent. Betrachtet man die letzten fünf Jahre, so stieg die Zahl der Betriebe in diesem Zeitraum sogar um zehn Prozent. Gleichzeitig wuchs das Zimmerangebot um gut 17 Prozent - das bedeutet eine jährliche Wachstumsrate von 4,5 Prozent.

Mit Ausnahme der Monate Jänner und Februar lag die Zimmerauslastung nie unter 60 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Wien für Geschäfts- und für Freizeitreisende gleichermaßen attraktiv ist.

"Mit Hotels gutes Geld verdienen"

Wien ist aber nicht nur für Touristen und Businessleute interessant, sondern auch für Hoteleigentümer und Investoren. Nicht zuletzt beschäftigte sich der Talk mit der Frage, ob Hotelimmobilien lohnende Investments seien. "In Wien lässt sich mit Hotels gutes Geld verdienen", meinte Immofinanz-Vorstand Manfred Wiltschnigg, der Hotels als Assets "zumindest interessant" findet. Die Immofinanz habe zwar nur vier Hotels in ihrem Portfolio, aber das liege an der Ausrichtung, die eine andere sei, wie Wiltschnigg betonte. Prinzipiell schade es jedoch nicht, ein Portfolio breiter zu fächern.

Knapp 80 Prozent aller Wiener Hotelzimmer befinden sich im Eigentum österreichischer Investoren. Den Rest halten ausländische Investoren, vor allem aus Deutschland. Es zeigt sich: Je höher die Hotelkategorie, desto höher der Anteil internationaler Hotelinvestoren.

Im ersten Halbjahr 2012 betrug das Transaktionsvolumen im österreichischen Hotelinvestmentmarkt rund 130 Millionen Euro. Damit liegt das Transaktionsvolumen rund ein Drittel unter dem Vorjahresergebnis. Ursache sei das Ausbleiben von großen Deals in Wien, wie das Immobilienberatungsunternehmen Christie+Co mitteilt. Lag das Investmentvolumen im Jahr 2010 noch bei 240 Millionen, stieg es 2011 auf rund 420 Millionen Euro. Das Hauptvolumen von 330 Millionen Euro (80 Prozent aller Deals) bezog sich auf Wien, wo 2011 einige Luxushotels in bester Innenstadtlage verkauft wurden.

Sichere Anlage

"Sieben bis acht Prozent Rendite wollen die Investoren sehen", erklärte Thomas Jungreithmeir, Partner beim Beratungs- und Umsetzungsunternehmen TJP Advisory & Management Services. Allerdings, beklagte er, sei es wegen Basel III und der Finanzkrise derzeit schwierig, an Fremdkapital zu gelangen: "Banken verlangen bis zu 40 Prozent Eigenkapitalanteil." Vor ein paar Jahren noch sei das undenkbar gewesen. Das heißt also, dass vor allem Investoren mit genügend Eigenkapital zum Zug kommen, beispielsweise Stiftungen. Letztere sehen Hotelimmobilien als sichere Anlage, wie Thomas Willms sagte. Viele Anfragen kämen aus dem arabischen Raum: "Viele sehen ein Hotel auch als Trophäe."

Die Entwicklung des Wiener Marktes im Speziellen sehen die Experten durchwegs positiv. Der Wunsch nach mehr Hotelbetten könnte bald in Erfüllung gehen, denn eine weitere Steigerung des Zimmerangebots ist absehbar. Viele Hotels sind in Planung beziehungsweise in Bau, und hier vor allem in der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie. Sofern alle Projekte realisiert werden, werden Hotels in diesen Klassen bis 2014 um 36 bzw. 17 Prozent zulegen, sagen die Immobilienberater bei Christie+Co. (Markus Böhm, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

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3 Postings
Hi, Hi

Bald kann ich sagen, dass ich im Hansen-Kempinski Zivildienst geleistet habe. In Wirklichkeit war es ein finsteres verstaubtes Archiv der Stadt Wien in einem niedrigen Mezzaningeschoß.

Klar baut ein Privater in Wien lieber Hotels als Wohnungen...

Hotels können mit Mietnomaden leichter fertig werden.

Die "Luft nach oben"

existiert nur für Immobilien-Haie.
FünfStern Hotels rentieren sich meist erst beim Weiterverkauf oder nur für den Operator.

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