Urbaner Untergrund

  • Auch der Untergrund der Autofahrerstadt Los Angeles orientiert sich an der Kinotraumfabrik.
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    foto: thimfilm

    Auch der Untergrund der Autofahrerstadt Los Angeles orientiert sich an der Kinotraumfabrik.

Der Dokumentarfilm "Trains of Thoughts" von Timo Novotny sieht und hört sich in sechs Metropolen in der U-Bahn um. Musik: Sofa Surfers

Wien - Fahrzeuge haben den Videokünstler Timo Novotny offensichtlich schon immer fasziniert: In The Plan (1997) diente noch ein schmutzigweißer VW-Bus als Vehikel für eine rasante Miniatur, in Cargo (2004) war bereits eine tragende Rolle für die U-Bahn (von Tokyo) vorgesehen. Heuer hat Novotny nun einen Dokumentarfilm fertiggestellt, der sich unter dem Titel Trains of Thoughts ganz diesem modernen städtischen Massenverkehrsmittel verschrieben hat.

Der Einstieg erfolgt in New York. Momentaufnahmen in Waggons und auf Bahnsteigen, dynamische Fahrten aus der Zugführerperspektive werden von Off-Stimmen begleitet, die über die Fortbewegung unter Grund sinnieren. Dazu kommt - als weitere Konstante im filmischen Werk von Timo Novotny - die äußerst wirkungsvolle Musik der Sofa Surfers.

Die eingangs erwähnten Arbeiten waren auch als Videoclips für die Band gedacht. Bei Trains of Thoughts ist ebenfalls eine enge kompositorische Verschränkung der visuellen und musikalischen Motive merkbar, laut Eigendefinition ist der Film ein audio-visueller Essay. Anfangs fungieren die Aussagen von Passagieren in diesem Kontext noch mehr wie ein Voice-Track - ihre akustische Qualität ist stellenweise interessanter als ihr Inhalt. Im nächsten Schritt, in Los Angeles, Tokyo, Hongkong und Moskau, werden die Interviewpassagen allmählich ausführlicher und nehmen stärker auf konkrete Erfahrungen und strukturelle Zusammenhänge Bezug.

Da erfährt man beispielsweise von der fatalen Anziehung, die die Yamanote-Linie auf einsame Einwohner von Tokyo hat. Oder über jene Gentrifizierung von Stadtraum, der die Hongkonger U-Bahn gezielt Vorschub leistet. Und eine Russin, die fünfzehn Jahre lang am U-Bahnbau beteiligt war, erinnert sich wehmütig: "Das war die beste Zeit meines Lebens!" (Isabella Reicher, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

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