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vergrößern 800x296Florian Kloidt in seinem Probewohnhaus auf dem ehemaligen Flugfeld Aspern: "Im Winter ist es hier manchmal entrisch. Ich habe nicht einmal eine Adresse."
Florian Kloidt ist der erste Probebewohner der Seestadt Aspern in Wien. Wojciech Czaja besuchte ihn in seinem Kabäuschen und erfuhr, wie es ist, Versuchskaninchen zu sein.
"Der Ausblick ist ein Wahnsinn. Wenn ich im Schaukelstuhl sitz und beim Fenster rausschau, dann seh ich Wiesen, Felder und Gstätten von links bis rechts. Hinten am Horizont fahren die Bagger, die gerade die neue Ringstraße bauen. Gerade jetzt im Winter ist das Bild manchmal ein bisschen entrisch. Ich wohne hier nämlich auf der ehemaligen Flugrollbahn und bin der erste Probebewohner der neuen Seestadt Aspern, die hier in den nächsten Jahren errichtet werden soll. Ich habe hier nicht einmal eine offizielle Adresse. Noch nicht.
Meine Wohnbox heißt 'Mikrohaus' und ist rund 35 Quadratmeter groß. Ich habe eine Wohnküche und ein Schlafzimmer, dazwischen gibt es ein kleines Bad mit Dusche und WC. Technisch gesehen besteht das Haus aus einer Stahlrahmenkonstruktion, die außen mit Blech beplankt ist. Die Wärmedämmung ist hochwertig, die Wände sind daher sehr dünn. Und schließlich sind Fassade und Dach mit einem speziellen Bewässerungssystem begrünt.
Das Ganze ist ein Forschungsprojekt, bei dem ich unter anderem das subjektive Temperaturempfinden im Innenraum, die technische Ausstattung und vor allem die Fassaden- und Dachbegrünung kontrollieren und dokumentieren muss. Es geht darum zu sehen, wie die unterschiedlichen Pflanzen den Winter überstehen und welche Konstruktion sich am besten bewährt. Ich bin im Auftrag der Forschung und Industrie sozusagen auf der Suche nach dem besten und effizientesten System. Das heißt: Ich fotografiere, mache Notizen und leite die Ergebnisse dann weiter.
Insgesamt dauert mein Probewohnauftrag ein halbes Jahr. Zwei Monate hab ich schon. Mir kommt das ganz gut entgegen, denn ich lebe eigentlich am Neusiedler See und bin ein klassischer Pendler. Ich bin Lebens- und Sozialberater und arbeite hier nur ein paar hundert Meter weiter in Aspern bei Greenlab. Das ist ein Arbeitsmarktprojekt für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren, die bei der Bildungs- und Berufsplanung eine begleitende Unterstützung brauchen. So spare ich mir also unter der Woche das lange Hin- und Herfahren. Sehr praktisch.
Ursprünglich dachte ich mir: Cool, dass ich hier ein halbes Jahr wohnen kann, dann kann ich endlich mal wieder kreativ arbeiten! Daraus wurde nichts. Ich merke, dass ich diesen Wohnsitz vor allem dazu nutze, zur Ruhe zu kommen. Ich lese und meditiere viel, und manchmal sitz ich einfach nur da und schaue stundenlang in die Landschaft raus. Meist funktioniert das mit der Ruhe ganz gut. Doch manchmal ist es ein einziger Horror. Ich bin ein Eremit, ein Einsiedler! Damit ich hier nicht völlig verblöde, führe ich einmal in der Woche einen Blog. Das ist Teil meines Auftrags. So kann ich mit der Außenwelt kommunizieren.
Es ist ein lustiges Gefühl, so ein Versuchskaninchen zu sein. Mir kommt's schon ein bissl exhibitionistisch vor. Vor allem, wenn am Wochenende Spaziergänger vorbeigehen und dann durchs Fenster ins Wohnzimmer reinschauen. Jedenfalls: Noch kann ich mir kaum vorstellen, dass hier eines Tages Stadt sein wird. Das wirkt so weit weg. Manchmal, wenn ich im Schaukelstuhl sitz und nachdenke, frage ich mich: Was wird an genau dieser Stelle in zehn Jahren sein? Eine Bäckerei? Eine Tiefgarageneinfahrt? Ein Garten vielleicht? Spannend!" (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 15./16.12.2012)
Florian Kloidt, geboren 1970 im Kleinwalsertal in Vorarlberg, studierte Landschaftsarchitektur und machte dann Trainings im Bereich Kommunikation und Präsentation. Kürzlich stellte er seine Ausbildung zum diplomierten Lebens- und Sozialberater fertig. Derzeit arbeitet er als Gruppencoach für das Berufsplanungsprojekt Greenlab mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das Probewohnen im Mikrohaus ist Bestandteil des EU-Projekts Progreencity, das von Erasme, FFG und ZIM gefördert wird. Progreencity wird im Rahmen von "aspern. Die Seestadt Wiens" kuratiert.
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btw - meine allergrößte Hochachtung an diejenigen Antragsteller, die das als gefördertes "Forschungsprojekt" durchgebracht haben.
Dokumentation von subjektivem Temperaturempfinden uund Herumgärtnern an begrünten Fassaden im "Big-Brother"-Stil. Und das an drei Orten in Europa gleichzeitig. Ja, eh ;-))
Coole Marketingaktion.
Chapeau!!
Meinen's für den Probebewohner oder das Ding an sich?
Letzteres ist nämlich relativ: In der 32m2 Variante kostet ein Mikrohaus auch 60.000 EUR - und da brauchen's aber auch den Baugrund, wo sie das Ding hinstellen können.
Um das Geld kriegen sie also locker auch schon eine Kleinwohnung - ohne Grünraum zu zersiedeln.
Grundsätzlich finde ich aber die Idee, sehr kleine Wohnobjekte zu schaffen und die ggf. auch auf der "Gstetten" aufzustellen, mehr als ok. Glaube aber eher, dass die Menschen (und auch die Bauordnung) dafür noch nicht bereit sind - die bauen lieber weiterhin 300m2 Wohnschlösser in die Pampa. Mit Erker, Türmchen und Doppelgarage.
tja, ohne erker, türmchen und doppelgarage verdienen weder baumeister noch baustoffirmen genug...und es gäbe wohl etwas weniger pfusch am bau...
aber mit höhle 2.0 wird sich nicht der grosse reibach machen lassen (und wenn höhle 2.0 gar aus fertigteilen ist...)
... dass ein ganzjährig bewohnbares Eigenheim nicht mehr als das 2fache Jahresbruttoeinkommen kosten soll.
Bei meiner aktuellen Wohnform war ich leider noch deutlich drüber, aber für den Alterswohnsitz hab ich das so geplant ... :-)
... dass das in Wien sein muss.
Ich beschäftige mich jetzt schon eine zeitlang mit der Thematik - sie können definitiv um weniger als 500-700 EUR/m2 sehr brauchbaren Wohnraum schaffen. Mehrheitsfähig ist das idR dann vermutlich nicht - weil eben keine Erker, Gieberl, Säulen und Trepperln, und auch keine Doppelgarage ...
Die Leute meinen halt immer nich, sie müssten für die nächsten 300 Jahre bauen - und drum verschulden sie sich auch viel zu sehr, und bauen viel zu groß. Obwohl schon die nächste Generation die Bude meistens eh nimmer interessiert. Auch weil die Menschen immer älter werden - was interessiert es die Kinder, mit 60 ein Haus vererbt zu kriegen?
Nicht nur bei dem Artikel, sondern allgemein bin ich zunehmend verwundert ueber manche Formulierungen. Bin ich zu altmodisch? Kannte ich nur einen zu kleinen Teil der deutschen Sprache?
Hier: "Ausbildung fertigstellen". War mir bisher unbekannt. "Ausbildung abschließen", "Ausbildung beenden" (mit bissl anderer Bedeutung) - kenn ich. Aber fertigstellen?
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