Massenmord an US-Schülern lässt Waffendebatte neu aufflammen

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20 Kinder, sechs Erwachsene und ein Täter in Schule getötet - Obama verspricht schärfere Waffengesetze

Amerika steht nach dem Massenmord an 26 Menschen an einer Grundschule im US-Ostküstenstaat Connecticut unter Schock. Die Tragödie, die ein 20-Jähriger in der Kleinstadt Newtown auslöste, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete, hat die Diskussion über das liberale US-Waffenrecht neu aufleben lassen. Präsident Barack Obama hatte in einer ersten Reaktion Schritte gegen ungehinderten Erwerb von Waffen in den USA angedeutet. Der sichtlich bewegte Präsident forderte die Politiker aller Couleur zum Handeln auf.

Die Waffenlobby in den USA ist traditionell sehr stark und hat nach ähnlichen Schießereien in der Vergangenheit stets schärfere Gesetze zu verhindern gewusst. New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg versprach, sich nach der Bluttat für strengere Waffengesetze einzusetzen. Der Täter, der Medienberichten zufolge Adam L. heißt, war mit bis zu vier halbautomatischen Schusswaffen ausgestattet, wie sie auch von Soldaten verwendet werden. In der Hauptstadt Washington demonstrierten als Reaktion Waffengegner. Etwa 100 Menschen versammelten sich am Freitagabend vor dem Weißen Haus und forderten schärfere Waffengesetze.

Identifizierung der Opfer dauert an

Die endgültige Identifizierung der 26 Opfer wird frühestens im Laufe dieses Samstag abgeschlossen werden. Es handele sich um eine "gewaltige Untersuchung", sagte Paul Vance von der Staatspolizei. Es geben derzeit nur eine vorläufige Liste mit den Namen der getöteten 20 Kinder und sechs Erwachsenen. Die Familien seien entsprechend informiert worden.

Den Ermittelnden Beamten biete sich in der Grundschule ein "Bild des Grauens". "So etwas haben wir niemals zuvor gesehen", sagte Vance. "Untersuchungen wie diese sind wie ein Puzzle."

In den Kirchen der Kleinstadt rund 130 Kilometer nördlich von New York versammelten sich am Abend Hunderte Bürger zu Mahnwachen.

27 Tote

Bei einem der schwersten Massaker in der US-Geschichte sind am Freitag 27 Menschen getötet worden, darunter 20 Kinder im Grundschulalter. Anschließend beging der schwerbewaffnete Täter Suizid. Adam L., 20, eröffnete während des Morgenunterrichts an der Sandy Hook Elementary School im Bundesstaat Connecticut das Feuer auf die Mädchen und Jungen. Dabei tötete er auch sechs Erwachsene, darunter die Direktorin und den Schulpsychologen. Nach einem Bericht der "New York Times" erschoss sich der Mann anschließend selbst im Schulgebäude.

An einem zweiten Tatort in der Nähe fand die Polizei zudem die Leiche eines weiteren Erwachsenen. Dabei soll es sich um die Mutter des Täters handeln, die an der Schule unterrichtet haben soll.

Obama bestürzt

US-Präsident Obama zeigte sich tief bestürzt über das Ausmaß der Tragödie und kündigte politische Konsequenzen an. Die meisten der Todesopfer seien Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren gewesen, sagte ein sichtlich bewegter Obama in einer Stellungnahme im Weißen Haus. Es gebe keine Eltern in Amerika, die an diesem Tag nicht dieselbe überwältigende Trauer verspürten wie er selbst. "Unsere Herzen wurden heute gebrochen", fügte Obama hinzu und wischte sich dabei Tränen aus den Augen. Das Land habe in der Vergangenheit zu viele solcher Schießereien erleben müssen. Die USA müssten nun ernsthafte Schritte unternehmen und dürften sich dabei auch nicht von politischen Machtspielen abhalten lassen, fügte Obama hinzu.

Panik

Bei dem Täter soll es sich Medienberichten zufolge um einen 20-Jährigen handeln, der mit vier Handfeuerwaffen geschossen haben soll. Berichte über einen zweiten Schützen blieben unbestätigt. Augenzeugen berichteten, dass der Täter maskiert gewesen sei und eine schusssichere Weste getragen habe. Die Associated Press berichtete am Abend, dass sein 24-Jähriger Bruder Ryan von den Behörden einvernommen wird. Eine Bestätigung für diese Informationen gibt es jedoch nicht. Zuvor hatte ein Recherchefehler von US-Medien für Aufsehen gesorgt, weil ursprünglich Ryan L. als Täter vermutet worden war.

"Es war einfach der Horror", berichtete die Mutter einer Drittklässlerin, die zu der Grundschule geeilt war. Sie berichtete von blutüberströmten Kindern, die aus dem Schulgebäude gekommen seien. "Alle waren hysterisch und in Panik." Eltern nahmen weinende Kinder in die Arme. Der erste Notruf sei um 09.41 Uhr Ortszeit bei der Polizei eingegangen, sagte ein Sprecher. Newtown liegt etwa 100 Kilometer nordöstlich der Metropole New York und hat etwa 27.000 Einwohner.

In den USA kommt es immer wieder zu Schießereien an Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen. So töteten zwei Jugendliche im April 1999 an der Columbine High School in der Stadt Littleton zwölf Mitschüler und einen Lehrer. An der Virginia Tech University kamen 2007 bei einem ähnlichen Vorfall 32 Menschen ums Leben - die bislang schlimmste Schießerei in der Geschichte der USA.

Im vergangenen Juli erschoss ein maskierter Schütze in der Nähe von Denver 12 Kinobesucher und verletzte 58 weitere Menschen. In Deutschland wurden auch Erinnerungen an die Schießerei an einem Erfurter Gymnasium im April 2002 wach: Damals tötete ein 19-Jähriger zwölf Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin sowie einen Polizisten. Anschließen nahm er sich selbst das Leben.  (Reuters/APA/red, derStandard.at, 14.12.2012)

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