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Washington - Was soll eine US-Außenministerin in Togo? Warum soll sie in ein kleines afrikanisches Land fliegen, das noch kein Vorgänger je besucht hat? "Nun, Togo sitzt zufällig im UN-Sicherheitsrat", antwortet Hillary Clinton. Deshalb mache es Sinn, sich um Togo zu bemühen, und zwar nach der guten alten Devise, dass auch modernste Kommunikationsmittel persönliche Begegnung nicht ersetzen können.
Clinton, die rastlose Weltreisende. Manchmal scheint es, als wollte sie keinen Winkel des Planeten auslassen, schon der Vollständigkeit halber. Im State Department führen sie unter der Überschrift "Where is the Secretary?" akribisch Statistik über die Vielfliegerei der Chefin. 395 Reisetage, 112 Länder besucht, 948.094 Meilen zurückgelegt - das war der Stand Anfang Dezember.
US-Außenminister haben den Vorteil, dass sie sich nicht ins Gezerre um Fiskalklippe, Steueraufschlag und Rentenkürzungen einzumischen brauchen und daher per se populärer sind, als es der Kollege aus dem Finanzressort jemals sein könnte. Im Falle Clintons allerdings sind die Beliebtheitswerte auf wahre Rekordhöhen geklettert. Über 70 Prozent ihrer Landsleute bescheinigen ihr, dass sie einen guten Job macht.
Nun absolviert die 65-Jährige eine Art Abschiedstournee, nicht nur im Ausland, auch zu Hause, in den Thinktanks Washingtons. Nüchtern zieht sie Bilanz, in aller Regel mit den Worten Max Webers. "Politik ist das langsame Bohren dicker Bretter", zitiert sie den Soziologen. Es klingt wie eine Handlungsanleitung für ein Land, das nach dem gewonnenen Duell mit den Sowjets, nach der Euphorie der Neunziger und der Hybris der Bush-Jahre seine Rolle in einer veränderten Welt sucht.
Die dicken Bretter - die Metapher trifft ziemlich genau, wie sich Weltstrategen in Washington fühlen, die Chefdiplomatin eingeschlossen. Die hat in keinem wichtigen Konflikt einen Durchbruch erzielt, nirgends einen gordischen Knoten zerschlagen.
Was hat sich geändert im Vergleich zu den 1990ern? Sie bringt es auf den Punkt, indem sie Krisen vergleicht, Kosovo 1999 und Libyen 2011. Auf dem Balkan hätten die USA fast neunzig Prozent aller präzisionsgesteuerten Geschosse abgefeuert, ihre Alliierten nur zehn. In Nordafrika sei es umgekehrt gewesen. Libyen soll Schule machen. Nach Clintons Überzeugung sind US-Außenminister erfolgreich, wenn sie es verstehen, Koalitionen zu schmieden - dies sei die wichtigste Messlatte. (fh, DER STANDARD, 15.12.2012)
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"Libyen soll Schule machen."
Nein, im Gegenteil.
Europa wird von den USA unabhängig werden, die NATO wird aufgelöst werden müssen.
Klingt unrealistisch? Ja, in indirekter Demokratie.
Aber wir werden indirekte Demokratie irgendwann durch direkte Demokratie ersetzt haben, dann brauchen wir auch nicht mehr die Netzwerke Europa ruinieren lassen.
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