Dieser Mann soll uns Olympia holen

14. Dezember 2012, 17:44
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Österreich-Variante der Shakespeare-Tragödie: "How to kill an Othello" im Nestroyhof-Theater

Wien - Othello, der schwarze venezianische Heerführer, ist eine vielinterpretierte Integrationsfigur. In Shakespeares gleichnamigem Drama dient er den venezianischen Kriegstreibern als Inbild eines furchtlosen Feldherrn. Zu diesem Inbild gehört, dass er brutal und genial ist, aber nicht, dass er eine weiße Senatorentochter ehelicht. Eine Intrige wird ihn zu Fall bringen. Man könnte sagen: Die blutigen Geschäfte lagert man gern an jene aus, die man als nicht sich zugehörig betrachtet, die man bereitwilliger opfert.

In einem Land von Weißen wie Österreich gilt eine dunkle Hautfarbe scheinbar noch immer als besonderes Merkmal. Dieses Merkmal steht in Blair Darbys gemeinsam mit dem Kollektiv daskunst verfassten Stück How to kill an Othello für Internationalität: Othello, der Schwarze, wird auf den Posten des Generalsekretärs des Österreichischen Olympischen Komitees gehievt (!), denn er kann sicher besser Englisch als alle anderen Funktionäre hier und soll die Olympischen Spiele 2020 nach Österreich holen.

Die temporeiche Inszenierung von Asli Kislal - sie verantwortete zuletzt die Projektreihe Pimp My Integration in der Garage X - entpuppt sich als eine österreichische Realsatire, die Aufstieg und Fall des Othello der Öffentlichkeit überantwortet. Jago: Das sind wir! Die Arbeitskollegen und Vorgesetzten, die Medien und der Desdemona-Vater. Dementsprechend treibt der Intrigant Jago in dieser Uraufführung im Nestroyhof-Theater zu sechst sein Unwesen.

Ein Jago verwehrt als Vater (Christian Strasser) dem Multikultipaar das Erbe, ein anderer (Alev Irmak) übt politischen Druck aus. In Gestalt des Fernsehens (Susanne Rietz) kommt er gleich auf Rollschuhen zur Homestory ins Schlafzimmer gefahren, an ein Bett mit gefährlicher Kippachse (Bühne und Visuals: Markus Liszt, Conny Zenk, motionlab).

Nicht mehr die persönliche Rache Jagos infolge seiner Degradierung ist hier das Motiv für die Intrige. Sie hat diffusere, gesellschaftlich verankerte Gründe. Puren Rassismus zum Beispiel, ein Wort, das in anderen jüngeren Othello-Inszenierungen aus der Mode gekommen ist.  (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 15./16.12.2012) 

Bis 20.1.

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