Verlorenes Jahrzehnt im Retail-Banking

Experten warnen: Im traditionellen Privatkunden-Geschäft können Österreichs Banken ihre Kapitalkosten nicht mehr verdienen

Wien - Im Privatkundengeschäft, dem Brotverdienst der heimischen Bankenbranche, droht ein verlorenes Jahrzehnt. Davor warnt die Unternehmensberatung The Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie, die dem Standard exklusiv vorliegt. Denn die Erträge im heimischen Privatkundengeschäft werden sich von dem herben Rückgang der vergangenen Jahren nicht erholen können.

"Am Privatkundenmarkt ist die Ertragsseite geschrumpft, viele Institute können ihre Kapitalkosten nicht mehr verdienen", sagt Christian Krammer, Senior Partner von BCG und Geschäftsführer des Wiener Büros. Seit 2007 sind die Betriebserträge aus dem Privatkundengeschäft um knapp 900 Millionen Euro gefallen, von 8,5 auf 7,6 Milliarden Euro (siehe Grafik). Bis 2016 sei nicht zu erwarten, dass das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird.

Ein Grund für den Ertragsrückgang im Privatkundengeschäft mit Spareinlagen und Krediten ist die extrem lockere Geldpolitik der Zentralbanken. Denn bei Zinsen nahe null können die Banken bei den Sparern kaum etwas verdienen: "Die Margen im Einlagengeschäft sind wegen der niedrigen Zinsen zusammengelaufen", sagt Krammer. Angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen sei daher auch keine Besserung der Margensituation in Sicht. "Das Problem wird uns noch länger begleiten, zumindest bis 2016 erwarten wir keine Aufwärtsbewegung." Real, also nach Abzug der Inflation, werden die Erträge sogar weiter zurückgehen.

Verdrängen statt verdienen

Auch aufgrund höherer Kapitalanforderungen werden die Erträge bis 2016 nur um vier Prozent steigen. Die gedrückten Margen bei den Einlagen können die Banken bei den Konsum- und Immobilienkrediten nicht kompensieren. Die Folgen der angespannten Ertragslage: Laut Modellrechnungen von BCG werden die heimischen Banken im Schnitt vor Steuern ihre Kapitalkosten im Retailgeschäft nicht mehr verdienen und damit einen ökonomischen Verlust einfahren. Nach Abzug von Verwaltungsaufwand, Risiko- und Kapitalkosten erwarten die Experten von BCG einen ökonomischen Verlust von 200 bis 250 Millionen Euro für die Branche. Das können sich die Banken aber auf Dauer nicht leisten. "Wir rechnen mit einem Verdrängungswettbewerb. Österreich ist im internationalen Vergleich immer noch overbanked", sagt Krammer.

Für Holger Sachse, Principal von BCG in Wien, kommt noch der "sehr harte Wettbewerb" von Nichtbanken dazu: "Klassische Beziehungen der Kunden zu ihren Banken zersplittern sich. So findet etwa das Wachstum bei privaten Krediten nicht fix bei den klassischen Banken statt." Stattdessen drängen etwa die Autobanken oder Konsumkreditgeber, die mit Elektrohändlern und Möbelhäusern zusammenarbeiten, in den Markt. Das Konzept der Hausbank, die ihrem Kunden eine ganze Palette an Produkten anbiete, tritt damit in den Hintergrund.

Laufend sparen

Sachse erwartet, dass die Banken ihre Mentalität ändern müssen: "Statt einmal alle zehn Jahre ein großes Sparpaket anzukündigen, muss laufend die Effizienz nach oben geschraubt werden." Denn ohne Kostensenkungen können die Banken angesichts fallender Erträge keinen Gewinn mehr schreiben. Dazu werden die Banken ihre Produkte vereinfachen müssen. Das bedeute mehr Standardisierung und weniger Produktvielfalt.

Auch Investitionen in neue Technologien seien nötig, um im Wettbewerb zu bestehen. Denn damit könnten sie die Geldinstitute im schärferen Wettbewerb von den Mitbewerbern abgrenzen. Die Zeit, als die Banken noch " mit dem Markt" wachsen konnten, ist aber laut BCG vorbei. (Lukas Sustala, DER STANDARD; 15./16.12.2012)

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Mir kommen auch gleich die Tränen. Übrigens: Kredit ist Geldschöpfung und kein Darlehen.

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Im Privatkundengeschäft, dem "Brotverdienst" der heimischen Bankenbranche ...
Die Kapitalkosten könnens nicht sein. Will ein Kunde seinen Kredit in Bar ausbezahlt, kostet das die Bank 0,75% (Seigniorage auf die Banknotenschöpfung der EZB). Ein bargeldloser Girokredit kostet die Bank gar nichts. nur ein paar Mausklicks.
Warum es für Banken schlecht sein soll, wenn sie auf Spareinlagen fast keine Zinsen zahlen müssen, ist nicht nachvollziehbar. Tatsächlich waren die Margen schon lang nicht mehr so hoch.
z.B. Konto: 0,25% Haben-, 11,75% Sollzinsen.
Privat, Unternehmer, Staat; alle sind mit Krediten voll abgefüllt. Es mangelt nicht an Geld, sondern an Bonität. Das Schneeball-Kreditsystem bricht zusammen mangels neuer Mitspieler/Schuldner.

Zinsspanne

Bei etwas Verhandlungsgeschick erhielt man bis vor kurzem einen hypothekarisch besicherten Wohnbaukredit mit einem Aufschlag von 1,25 % auf den 3-mon-Euribor = aktuell ca. 1,5 %. Durchschnittliche Spareinlagenkonditionen bei Bindung von 12 mon zwischen 0,8 % und 1 %.

Als Vergleichsparamenter einen unverhandelten Sollzins bei einer Giroüberziehung heran zu ziehen, ist mehr als nur blauäugig.

Eine leichte Anhebung der Zinssätze erachte ich als absolut sinnvoll. So lange sich die Inflation über der Spareinlagenredite bewegt, ist es v. a. jungen Menschen schwer zu erklären, dass das Ansparen von Eigenmitteln Sinn macht und bei künftigen Investitionen hilfreich sein könnte.

Inflation ist kein Synonym für Teuerung

Während eine allgemeine Teuerung verschiedene Ursachen haben kann, hat die Inflation nur eine einzige. Sie entspricht exakt dem Prozentsatz, um den die Geldmenge -durch Kreditvolumenexpansion- inflationiert wurde. (lat: inflare = aufblähen)
Länder mit "unabhängiger" Zentralbank, wurden gezwungen das Geldschöpfungs-Monopol privaten Kreditbanken zu überlassen um sich ihr eigenes Geld dann von diesen zu leihen?
Leihen? Nein, ein Kredit ist kein Darlehen. Euro-Anleihen werden wie jeder Giralkredit bargeldlos (ohne EZB) aus dem "Nichts" erschaffen. Neues Geld ensteht ausschließlich durch neue Schulden. Die Gesamt-Euro-Schulden sind durch den Zinseszins 2,5 mal höher als die gesamte vorhandene Euro-Geldmenge, eine Tilgung ist deshalb unmöglich.

wenn's eh verloren ist, ist es umso leichter unser dzt finanzsystem zu ändern:
http://vimeo.com/33908662
dr franz hörmann über die absurdität des dzt monopolymäßigen schneeballsytems des dzt finanzsystems, das zwingend sich selbst alle 60 jahre abschießt, die reichsten 10% belohnt und die restlichen 90% regelmäßig verarmt und ausplündert.

Rezept für ein Posting mit vielen grünen Strichen im Bank- und Finanzbereich:

1) Man verfasse ein Posting, in dem man diffuse Anschuldigungen gegen die Bankengangster erhebt.

2) Man garniere es mit Begriffen, die man nicht versteht (Giralgeldschöpfung, Mindestreserve, Geldmenge, ...) und vermenge alles zu haarssträubendem Unsinn.

Leute, wenn ihr das "System" kritisieren wollt, müsst ihr euch mal ein Grundwissen über die elementaren Zusammenhänge verschaffen. Besorgt euch ein Wirtschaftslehrbuch, wie z.B. "The Economics of Money, Banking and Finance" von Frederick Mishikin.

Ansonsten werden sich die wirklich Mächtigen weiterhin über euch kaputtlachen (mit Recht nebenbei).

wie recht sie haben:
zB: Confessions of an Economic Hit Man: The Shocking Story of How America Really Took Over the World: The shocking inside story of how Amerca really took over the world [Englisch] [Taschenbuch]
http://www.amazon.de/Confessio... 0091909104
oder
http://www.youtube.com/watch?v=FfWcZJtP6NI in DE

tja so ist das mit der Bildung :-)

Der Mann heisst Frederic Mishkin
und was erwarten Sie von einem Bush protege in der Federal reserve...ich sag nur Island und "inside job". Gut,dass er 2008 seinen Hut genommen hat.

So ist was mit der Bildung?

Rechtschreibung ? :-)

oder haben Sie noch nicht begriffen,dass Sie den von Ihnen so empfohlenen Autor sowohl im Familien- als auch im Vornamen falsch geschrieben haben. Dass sich der Herr unendlich blamiert hatte und 2008 seinen Abgang von der fed nahm.....na egal Herr Doktor :-))..oder spielen Sie hier eine Simpson Parodie? :-))

Er hat einen falsch geschriebenen Namen gefunden! Spiel, Satz und Sieg für den Medienskeptiker ;)

Im übrigen ist auch jedes andere Buch, in dem die Grundprinzipien moderner Währungssysteme beschrieben werden, geeignet.

Den "Mächtigen und Reichen" sind willige Schafe wie sie, die sich lieber mit Verschwörungstheorien und reißerischen Filmen befassen, anstatt sich grundlegende hard facts anzueignen, ganz recht. Das vernebelt den Blick fürs Wesentliche.

hehehe- machen Sie sich keine Sorgen

bezüglich meines hard facts Wissens. :-))) den "Mächtigen und Reichen" sind unkritische Schäfchen wie Sie noch allemal die Liebsten .

Oh Mann

Sie nennen sich 'Skeptiker' und glauben tatsächlich an so einen hanebüchenen Sch**ß wie "Inside Job". Sag einmal gehts überhaupt noch?...

mein freundlich,höflicher General :-))

ich glaube,was ich klar recherchieren kann und was logisch ist-- der Hinweis auf den Film war für den "Doktor" weiter oben. Ein ganz gut gemachter Hollywood Film halt -immerhin ein Oscar 2011 :-) - was hat das jetzt mit "Glauben" zu tun ?

die erträge der klassischen banken werden wohl weiter sinken

die leute haben heute vergleichsmöglichkeiten und alternativen und lassen sich folglich nicht mehr alles von den banken gefallen.
für banken gibts direktbanken, brokergeschäfte lassen sich auch 100x besser und billiger über online broker durchführen, und da bleiben den klassischen banken eben immer weniger dumme kunden übrig die unmengen an spesen zahlen.

politikdarsteller die erfüllungsgehilfen der bankster und deren rahmenbedingungen, die immer nur die obersten 10% der globalen eliten schützen ...

wer glaubt eigentlich noch an irgendwelche news in massenmedien?

wenn man sich die G+V Rechnunh der Erste gruppe

anschaut - dann kann man nur sagen . welch einen völligen Unsinn verzapft man da in diesem Artikel.Was die Bank hineinreitet sind die aufgeblasenen Abenteuer im osten (vor allem Rumänien),die Zinsspanne liegt bei 3 %!!! ein Supergeschäft !!!...übrigends ist es ein Skandal,dass die Erste praktisch keine Ertragssteuern zahlt !!!

Osten

Der Baerenanteil des positiven Erste Bank Group Ergebnisses kommt aus Tschechien und nicht aus Oesterreich. Raten sie einmal warum.

Mir ist schleierhaft, wo Sie das herausgelesen haben wollen, was Sie da schreiben.

aus der veröffentlichten Bilanz der erste groupe 2011

gehen Sie halt einfach ins internet und schauen Sie das an :-))

Dann sehen sie aber auch, dass das Zinsgeschäft in Österreich mit jenem z.B. in Tschechien und der Slowakei nicht annähernd mithalten kann und dass die langfristigen Erträge sicher nicht aus Ö kommen.

Aja, und Privatkunden haben keine Kredite bei den Banken aufgenommen?

Damit machen die Banken wohl den größten Reiber seit Jahren. Das Geld bekommen die Banken zu niedrigst Zinsen und verlangen dafür 4-5%. Und das ist kein Geschäft? Bei den Summen wo fast jeder einen Kredit laufen hat für Wohnung, Auto...

Sie zahlen für Ihren Wohnkredit 4-5% Zinsen? Das glauben Sie ja selbst nicht. Sehen Sie nochmal nach. Ungefähr 2% werden´s sein. Und wenn Sie ein Sparbuch auf zwei Jahre binden, bekommen Sie einskommairgendwas. Von einer derart mickrigen Zinsspanne können Sie unmöglich die Risikokosten tragen, die Administrationskosten decken und einen Gewinn erwirtschaften, der die Voraussetzung für Wachstum wäre.

sprach Alpendollar von einem Wohnbaukredit?? Nein !!

zur Zinsspanne können Sie auch gute informationen auf der wegsite der ÖNB bekommen.Es ist absolut kein problem feststellbar !!

Kredit

Ja, glauben Sie, dass Unternehmen für ihre Kredite mehr zahlen?
Das bisschen schwach besicherte (und daher höher verzinste) Konsumkredite macht nicht das erfolgsentscheidende Volumen aus. Dort, wo Volumen ist, sind die Zinsen sehr niedrig.

Siehe oben

die Kapitalkosten können nicht gedeckt werden.

Wenn Sie ein Produkt nicht proftibel produzieren können, ist es ziemlich wurscht, ob die Nachfrage danach größer ist.

Völlig klar, wenn es darum gehen würde, die Nachfrage zu maximieren, müssten auch alle Produkte 0 Euro kosten...

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