Die EVP lässt Silvio Berlusconi abblitzen

14. Dezember 2012, 18:12
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Europas Konservative unterstützen demonstrativ Monti - Italiens Rechte in Auflösung

"Una trappola": Als "Hinterhalt" schilderte Silvio Berlusconi am Donnerstag gegenüber Vertrauten die "Falle", die ihm seine Kollegen von der Europäischen Volkspartei gestellt hätten. Dabei war der Cavaliere eigens nach Brüssel geflogen, um die Vorwürfe eines populistischen, euroskeptischen Wahlkampfs zu entkräften. Doch als Berlusconi mit gewohnt strahlender Miene in der Königlichen Akademie in Brüssel eintraf, saß sein Gegenspieler Mario Monti als Überraschungsgast bereits im Kreis von Angela Merkel und Jean-Claude Juncker.

Den Coup hatte EVP-Präsident Wilfried Martens hinter dem Rücken Berlusconis eingefädelt. Monti durfte den aufmerksamen Zuhörern schildern, wie PdL-Chef Angelino Alfano seiner Regierung "in klarer und unmissverständlicher Form" das Misstrauen ausgesprochen und ihn damit zum Rücktritt gezwungen habe. Es war ein politisch unorthodoxer Vorgang: Die europäische Volkspartei stellte sich klar hinter einen Mann, der ihr gar nicht angehört - und gegen den Präsidenten ihres Mitglieds PdL, der im Kreis der Konservativen inzwischen als Störenfried gilt. EVP-Präsident Joseph Daul hatte dem Cavaliere schon vorher telefonisch sein "Unbehagen" über dessen "Spektakelpolitik" mitgeteilt. Juncker: " Wir haben unsere starke Unterstützung für Monti ausgedrückt".

Salto rückwärts

Berlusconi vollzog auch in Brüssel einen Rückwärtssalto: "Ich ziehe meine Kandidatur zurück, falls Monti für das konservative Lager antritt." Vor Journalisten erklärte der Expremier, er sei von seinen Kollegen "mit viel Zuneigung bedacht" worden. Für den Brüsseler Hinterhalt macht er einen Parteikollegen verantwortlich, den er längst als "Verräter" betrachtet: Mario Mauro, PdL-Fraktionschef im EU-Parlament und Gegner einer erneuten Kandidatur des 76-Jährigen. Der strenge Katholik gehört zum montifreundlichen Flügel des PdL, der am Wochenende in einem römischen Theater die Spaltung der brodelnden Partei vollziehen könnte. Mit dabei: der ehemalige Außenminister Franco Frattini, Roms Bürgermeister Gianni Alemanno und Fraktionschef Fabrizio Cicchitto.

Mario Monti hat sich zum Angebot bisher nicht geäußert. Nach Umfragen könnte er als Kandi- dat der Konservativen maximal 25 Prozent erreichen - genau die Hälfte der Zustimmung, die er derzeit unter den Italienern genießt. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 15.12.2012)

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