An der Spitze am liebsten einen "Leuchtturm"

14. Dezember 2012, 17:01
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Das Beraterzentrum bzd hat Führungskräfte gefragt, was Spitzenmanager und das mittlere Management können sollten

Durchsetzungsstärke, Führungsmotivation und Gestaltungsmotivation erhalten bei Top-Positionen die meisten Häkchen, wenn es um die " Erfolgsfaktoren" geht. Erstere umfasse jedoch mehr als die bloße Dominanz in sozialen Situationen, sagt bzd-Geschäftsführerin Marlies Buxbaum.

Da der Joballtag von Vorschriften, Regelungen und Anleitungen voll sei, sehnten sich die Mitarbeiter stark nach mehr Klarheit, Struktur und Orientierung. "Leider haben genau das viele Manager verlernt. Zu oft verstecken sie sich hinter Expertenwissen, ohne ihr reiches Erfahrungswissen anzuzapfen", so Buxbaum. Führungskräfte seien mehr denn je gefordert, positiv die Linie vorzugeben und wie "ein strahlender Leuchtturm" auch in stürmischen Zeiten permanenter Change-Prozesse die Richtung zu weisen. Auch die geforderte "Führungsmotivation" weise in diese Richtung. Für die 50 interviewten Führungskräfte heimischer Unternehmen sei es wichtig, dass Chefs Steuerungsaufgaben in die Hand nehmen und Autorität für andere sind: "Dabei müssen Manager ihre Führungsfunktion immer stärker auch auf der emotionalen Ebene ausüben, denn Unternehmen sind nicht bloß Arbeitsplätze, sondern Orte für Gefühle wie Geborgenheit", so Eva Pinter, Koautorin der Untersuchung.

Oft zitierte notwendige Fähigkeiten wie Teamfähigkeit rangieren demnach im Top-Management nicht besonders hoch, Fachwissen und Gewissenhaftigkeit liegen ebenfalls weit hinter den sogenannten Leadership-Skills.

Im mittleren Management treten die Ansprüche an Hard Skills deutlich hervor: Leistungsmotivation wird hier erwartet, also die Bereitschaft, sich überdurchschnittlich anzustrengen und kontinuierlich im Job mehr zu geben, das ist demnach das beste Ticket auf dem Weg nach oben. Belastbarkeit und Flexibilität wiegen ebenfalls schwer, also erhöhen Stressresistenz und Ausdauer die Erfolgschancen.

Beziehungen zweitrangig

Soziabilität, also die Fähigkeit neue, gelingende soziale Beziehungen einzugehen, wird interessanterweise als nicht wirklich ausschlaggebend angesehen, weder für die Spitze noch für die mittleren Ränge. Führungsmotivation in beschriebener Ausformung wird jedoch auch vom Mittelmanagement erwartet.

Fast könnte man da meinen, dass das so oft beschworene "Ende" der Helden zugunsten schwarmintelligenter Gruppen gerade erst einen Neuanfang des " Heldenzeitalters" in Unternehmen einläutet.

Jedenfalls: Von Gemütlichkeit in Chefbüros sind all die Ansprüche weit entfernt. Je höher oben, desto gefragter ist das Können, unter Zeitdruck neue Ziele und Strategien auch umzusetzen, Widerstände und Konflikte zu eigenen Führungsgunsten zu lösen. Anmerkung der bzd-Studienautoren: dies in einem Umfeld, das Veränderungsprozesse zur "zweiten Natur" vieler Unternehmen mache.

Welcher Druck dahintersteht, zeigen jene 60 Prozent der Befragten, die meinen, es hätte sich das Arbeitspensum im Top-Management im Vergleich zum Vorjahr nochmalig erhöht. Fast die Hälfte der Manager gesteht auch ihrer Belegschaft zu, dass sie spürbar mehr zu tun habe. Gute Nachricht für die Coaching-Branche: Immer mehr Firmen zahlen Coaching. Mehr als drei Viertel bieten diese Möglichkeit, im Durchschnitt sind es jährlich zehn bezahlte Coaching-Stunden pro Mitarbeiter. (Karin Bauer, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

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