Russland baut neue Langstreckenraketen

Schritt gegen US-Raketenschirm

Russland entwickelt gleich zwei neue Interkontinentalraketen. Die Waffensysteme sind nach Angaben von General Sergej Karakajew, dem Chef der russischen Raketenstreitkräfte, die Antwort Moskaus auf den geplanten US-Raketenschirm in Osteuropa.

Konkret geht es um eine mit Flüssigtreibstoff betriebene, 100 Tonnen schwere Langstreckenrakete, die die noch zu Sowjetzeiten konstruierte Wojewoda (Nato-Codename: SS-18 Satan) ablösen soll, und eine Rakete mit Feststoffantrieb, welche die neuen mobilen Systeme Topol-M und Jars ersetzen kann.

Auch wenn die Flüssigtreibstoffrakete nicht mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden soll, verspricht Karakajew den Amerikanern jede Menge Kopfschmerzen. Wenn die USA nicht auf den Raketenschirm verzichten, könne Russland mit dieser Rakete eine sehr präzise Waffe schaffen, die " praktisch rund um die Welt einsetzbar" sei, kündigte er an. Den US-Raketenschild kritisierte er erneut als gegen Russland gerichtet. Laut Washington dient das System als Schutz vor Raketen aus dem Iran.

Bei der Feststoffrakete sieht sich Russland ebenfalls auf einem guten Weg. Die Starts seien zufriedenstellend verlaufen, heißt es. Die Modernisierung der russischen Raketenstreitkräfte laufe nach Plan.

Drohungen an die Gegner

Russland droht nicht nur mit Raketen. Am Freitag verabschiedete die Staatsduma in erster Lesung Gegenmaßnahmen zu der von den USA beschlossenen "Magnitski-Liste" (Einreiseverbot und Kontensperre für Personen, die mit dem Tod des Anwalts Sergej Magnitski in russischer U-Haft in Verbindung stehen). Präsident Wladimir Putin hatte die US-Maßnahmen als "ausschließlich politischen, unfreundlichen Akt" kritisiert. In erster Lesung befürwortet wurde nun die Einschränkung von Visarechten für US-Bürger.

Auch gegen den Oppositionellen Alexej Nawalny werden neue Geschütze aufgefahren: Ermittler führten Durchsuchungen bei seinen Eltern und seinem Bruder durch. Laut Ermittlungskomitee hat Nawalny eine ausländische Firma mit einem Paketdienst betrogen. Für Zustelldienste sei um umgerechnet 1,4 Millionen Euro zu viel verrechnet worden. Nawalny bestreitet die Vorwürfe und vermutet politische Motive. Es ist das zweite Betrugsverfahren, das die Behörden gegen den als Korruptionsgegner bekannten Oppositionellen anstrengen. (André Ballin, DER STANDARD, 15.12.2012)

 

 

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