Umweltschützer kämpfen weiter gegen Lift auf dem Piz Val Gronda

14. Dezember 2012, 17:28
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Die Grünen fordern eine Nachdenkpause vor dem Liftbau auf dem Piz Val Gronda im Paznaun

Innsbruck - Mitte September war jene Entscheidung gefallen, für die die Ischgler Touristiker drei Jahrzehnte lang gekämpft hatten. Der Piz Val Gronda darf doch erschlossen und ein Lift gebaut werden. 1,3 Kilometer kommen zu den 238 bestehenden Ischgler Pistenkilometern dazu. Das zuletzt eingereichte und schließlich genehmigte Projekt sei umweltverträglich, hatte die Umweltabteilung argumentiert.

Schweiz will Wildruhezone einrichten

Die Grünen fordern nun eine Neubewertung dieser Erschließungspläne. Denn die Schweiz will keine Variantenfahrer in ihren Wildrevieren. Und deshalb auf ihrer Seite des Berges eine Wildruhezone einrichten. "Inklusive Strafen für Skifahrer", sagt der grüne Abgeordnete Gebi Mair. Die Schweizer Landesgrenze führe direkt über den Gipfel des Berges und umfasse viele Hänge, die von den Ischgler Seilbahnern als Freeride-Gebiet geplant seien.

Laut der Schweizer Ausgabe der Wochenzeitung Die Zeit hege das Bündner Amt für Jagd und Fischerei Pläne für diese Wildruhezone. Und die dürfe im Winter nicht einmal betreten werden: Steinwild und Gämsen dürften nicht gestört werden. "Damit ist das Freeride-Gebiet Fimbatal, das hinter der Erschließung des Piz Val Gronda durch die Ischgler Seilbahner steht, hinfällig", erklärt Mair.

Laut Land keine Naturzerstörung

Massive Eingriffe bis hin zur Vernichtung von Natur, wie von Umweltschützern kritisiert, gebe es im genehmigten Projekt nicht, versicherte das Land nach seinem Ja zum Ausbau. Der neue Lift müsse mit zwei statt drei Seilbahnstützen auskommen. Und anstelle von massiven Geländeveränderungen werde es nur "punktuelle Entsteinungsmaßnahmen" geben.

Zudem passten sich die ferngesteuerten Sprengmasten statt einer permanenten Lawinenverbauung zusammen mit einer optimierten Pistentrasse bestens der Landschaft an.

Kein Beschwerderecht

Umweltschützer und Alpenverein (OEAV) protestieren seit dreißig Jahren gegen die Pläne des Tourismus. Peter Haßlacher vom Alpenverein kritisiert vor allem das Fehlen eines Beschwerderechts des Landesumweltanwaltes in derartigen Fällen beim Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) und beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH): Tirol sei das einzige Bundesland, in dem dies nicht zulässig sei.

Wäre ein solches Beschwerderecht im Falle des Piz Val Gronda möglich, hätte die Entscheidung des Landes "nie gehalten", sagt Haßlacher.

Die Grünen fordern von der Regierung aber nicht nur eine Nachdenkpause rund um den Liftbau am Piz Val Gronda, sondern eine "sinnvolle Obergrenze", sowohl bei Pistenkilometern als auch bei der Anzahl der Schneekanonen. Allein im Bezirk Kitzbühel gebe es 3000. So viele habe es 2007 in ganz Europa gegeben, rechnen die Grünen vor. Und die Beschneiung sei nicht gerade billig. 25 Zentimeter Kunstschnee auf alle genehmigten Pisten zu sprühen koste bis zu 50 Millionen Euro. (Verena Langegger, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

  • 2014 soll Skifahren auf dem Piz Val Gronda möglich sein, werben die 
Ischgler Touristiker. Die Schweiz will Ruhe für ihre Tiere.
    foto: oeav

    2014 soll Skifahren auf dem Piz Val Gronda möglich sein, werben die Ischgler Touristiker. Die Schweiz will Ruhe für ihre Tiere.

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