Arbeiten im Frauenhaus

Starke Belastung und Verantwortung, aber sichtbare Erfolge

Irma Lechner begann schon 1988 mit der Frauenberatung. 1996 kam sie ins dritte Wiener Frauenhaus, baute es mit auf. Seit zehn Jahren ist sie die inhaltliche Leiterin desselben. Es ist Krisenarbeit. Zu Lechner und ihren Kolleginnen kommen Frauen, die in der Familie von Gewalt betroffen sind mit ihren Kindern. "Die Frauen befinden sich in einer akuten Krise und müssen sich erst langsam wieder neue Perspektiven für ihr weiteres Leben erarbeiten."

Hohe Anforderungen

Für die Frauenhausmitarbeiterinnen bedeutet das eine extrem hohe Anforderung an ihre Flexibilität. Es geht um den unmittelbaren Schutz vor dem Gewalttäter. Den gibt es im Frauenhaus. Es geht aber auch um Maßnahmen wie etwa eine einstweilige Verfügung, die man beantragen kann, um etwa Frauen auf ihrem Arbeitsweg oder rund um die Schule der Kinder mehr Schutz zu bieten. Dazu kommt vieles andere: Die Mitarbeiterinnen unterstützen Frauen, die rechtlich gegen den Täter vorgehen wollen. Es gibt auch psychosoziale Begleitung bei Prozessen. Dazu kommt die Organisation von gesundheitlicher und psychologischer Betreuung und praktisch Notwendiges, wie die Beratung im Zuge einer Scheidung, oft auch die Wohnungssuche, Aufenthaltsgenehmigungen oder die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle oder Kinderbetreuung.

Eine einmalige Ausbildung als Sozialarbeiterin reiche da nicht aus: "Man braucht ein fundiertes Wissen in sehr vielen Bereichen, Gesetze oder Anlaufstellen ändern sich, deshalb ist laufend Weiterbildung notwendig." Außerdem sei die permanente Auseinandersetzung mit Gewalt sehr belastend. Um die Belastung wie Verantwortung auf mehrere Schultern zu teilen werde im Team gearbeitet. Dazu brauche es auch Supervision und Auszeiten.

Die Befriedigung in ihrer Arbeit liegt für Lechner einerseits darin, den Erfolg zu sehen, wenn es Frauen schaffen, nochmals ganz von vorn zu beginnen. Dazu kommt bei vielen auch das feministische Anliegen, als Frau andere Frauen dabei zu unterstützen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Auch die gesellschaftspolitische Dimension, daran mitzuwirken, den Gewaltschutz auch über Gesetze und strukturell zu verbessern, spiele eine Rolle. Trotzdem sagt Lechner: "Im sozialen Bereich werden oft staatliche Aufgaben übernommen, überwiegend von Frauen. Deshalb wäre es nur fair, wenn das auch über das Einkommen eine größere Anerkennung findet." (mma, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

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