Goschenhauerbands und tanzende Budgetsterne

14. Dezember 2012, 18:27
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Von Julya Rabinowich

Während der besinnlichen Vorweihnachtszeit pflegen vielerlei Dinge zu geschehen. Geschenke werden begehrt und ausgesucht, Familienstrukturen in rosa Wattevorstellungen gepackt. Spätestens wenn es am 24. wieder ans Auspacken geht, passieren vielerorts ungute Dinge, die dann fälschlicherweise als sogenannte "Familientragödie" Niederschlag in den Chronikseiten finden. Je nach Gunst des Christkindleins mal mehr, mal weniger tödlich.

So weit, so alle Jahre wieder und bekannt. Das aber neuerdings Bands ausgerechnet das Frauenhaus als Quelle der Erheiterung auserkoren haben und Textzeilen a la "Wir brennen die Hüttn nieder" und "Die Emanzen wern verdroschen" skandieren, ist fragwürdig und untragbar. Man stelle sich vor, diese Band würde Texte mit dem Inhalt "Wir mischen auf im Asylwerberheim" grölen. Ganz schnell wäre die Empörung (zu Recht) groß. Aber Frauen? Das war doch nur lustig gemeint, ließ der Bandleader nachhakende Journalisten wissen. Weiter passierte nichts.

Das verleitet zur Annahme, das frauenfeindliche Aussagen selbst bei politisch auch sonst nicht völlig inkorrekt agierenden Mitbürgern leichter akzeptiert werden als rassistische. Die angedrohte Gewalt bleibt aber dieselbe angedrohte Gewalt und ist weder im ersten, noch im zweiten Fall lustig oder tolerierbar.

Dass Häuser, die solche Goschn-Hauer-Bands einladen, staatlich subventioniert werden, ist eine ganz andere Frage. Die Sache mit den Subventionen ist sowieso heikel. Kultur kostet.

Schon alleine deswegen, weil sie vielfältig ist, und oft je ausgefallener und spezialisierter, je widerspenstiger, desto schwieriger vermarktbar. Variationen jenseits von Dancing Stars, Großer Chance und Musikantenstadl bietet ORF III, das sich als Kultursender in Rekordzeit prächtig etabliert hat: hochwertige Film-, Opern- und Theaterübertragungen, Literatursendungen sowie Dokumentationen.

Das jüngste Kind des ORF hat mit sehr bescheidenem Budget seine Position binnen nur eines Jahres gefestigt. Es wäre wunderbar, wenn man dieses so anspruchsvolle wie erfolgreiche Projekt noch höher steigen ließe und es nicht zum hochbegabten Stiefkind verkommen lässt.

Dazu ist es notwendig, die 2013 auslaufende Abgeltung der Gebührenbefreiungen, welche die finanzielle Basis für das ORF III Programm bildet, dauerhaft und in voller Höhe für die nächsten Jahre abzusichern, abgesehen davon verhindert das absurde "Cross Promotion Verbot", das die Bewerbung der künstlerisch und kulturell wertvollen ORF III-Programme in den Vollprogrammen ORF 1 und ORF 2 de facto verbietet, weitere Höhenflüge. Qualitätsfernsehen aber kommt dem Bildungsauftrag auf höchstem Niveau nach. Es kann doch nicht nur Sido geben. (Julya Rabinowich, Album, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

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