Apokalypse? Denk positiv!

Kolumne |

Auch das Nichts hat seine guten Seiten

Am 21. Dezember ist bekanntlich Weltuntergang. Bei einer solch nihilistischen Zukunftsaussicht kann man schon einmal ins Sinnieren kommen, zum Beispiel ins Sinnieren darüber, wie sich so ein Apokalypserl eigentlich im Detail abspielt.

Weil die Welt vorderhand ja noch steht, haben wir keine Erfahrungswerte, dafür aber Fragen über Fragen: Erst großer Knall, dann blankes Nichts? Oder mehr die lautlose Schwuppdiwupp-Variante, wie man sie aus der Bezaubernden Jeannie kennt? Einmal zwinkern, alles weg! Sind nette pyrotechnische Features vorgesehen? Funkenspeiender Himmel, Riesenrad in Flammen? Wie schaut es mit der musikalischen Untermalung aus? Donauwalzer, Beethovens Neunte? Oder gar der letzte Hit von DJ Ötzi?

Ein möglicher Ablaufplan für einen starken Abgang von Wien - Umgebung könnte so aussehen: Frühmorgens zerbirst Meidling, am Vormittag zerschellt die Kaisergruft. Kurz danach erscheinen die vier apokalyptischen Lipizzaner in der Hofreitschule und machen ein letztes Mal Manderl. Auch Stronachs Magna Racino geht den Weg allen Irdischen.

Am frühen Abend tut sich ein Meer der Restfettn in Grinzing auf und verschlingt alle Heurigenbesucher mit Butz und Stingl. Torschlusspanik im Ernst-Happel-Stadion, im Burgtheater fällt der letzte Vorhang. Um Mitternacht vertschüsst sich der Pratervorplatz ins Nirwana, was gewiss eine karmische Aufwertung des Stadtbildes mit sich brächte (nur schade, dass es dann kein Stadtbild mehr gibt.).

Muss der Weltuntergang zwangsläufig Grund für Trübsinn und schlechte Laune sein? Mitnichten! Auch hier gilt wie immer das Lebensmotto " Positiv denken!" Denn: Auch das Nichts hat seine guten Seiten. Die nächste Steuererklärung kann einem gestohlen bleiben. Kein Binnen-I mehr, keine Wurzelbehandlungen, kein Weihnachtseinkauf auf der Mariahilfer Straße. Kim Jong-un? Auch er wird niemandem abgehen. Und erst das Aufatmen in Salzburg! Im Epizentrum des Nichts fällt selbst das spurlose Verschwinden von 340 Millionen Euro nicht weiter unangenehm auf.

Kleiner Abschlusstipp an alle, die noch nicht lebensmüde sind: Angeblich soll der Weltuntergang den Ort Bugarach in den französischen Pyrenäen verschonen. Die nächste Kolumne schreib ich dann von dort. Bis dahin: Fröhliches Untergehen! (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 15./16.12.2012)

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