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vergrößern 630x800Die Fondation Kokoschka erklärte dieses Werk unwiderruflich zur Fälschung, Auctionata versteigerte es trotzdem.
vergrößern 800x600Ein Bieter aus Taiwan bewilligte stattliche 75.000 (exkl. Aufgeld) für dieses spinatgrüne Gefäß.
Der Verbindung zwischen dem Medium Internet als New und dem Kunstmarkt als Old Economy war unendlich viel vorausgesagt geworden, nur ein Bruchteil sollte sich auch erfüllen. Dem anfänglichen Hype folgte jedenfalls die Ernüchterung. Eine der Lektionen: Ab einem bestimmten Preisniveau lässt sich hochwertige Kunst nicht übers Web versteigern. Und das ist, bis auf wenige Einzelfälle, auch so geblieben.
Zu den jüngsten Ausnahmen gehören ein Gemälde von Edward Hopper (October on Cape Cod), für das ein Online-Bieter Christie's (28. 11.) 7,39 Millionen Euro bewilligte, oder auch ein Alter Meister (Florentiner Schule 16. Jh., Porträt Giovanni Gaddi), den Sotheby's vergangene Woche (5. 12.) für 1,57 Millionen Euro einem anderen Webuser zuschlug. Nur, hinter diesen beiden Auktionsgiganten stehen 246 bzw. 268 vertrauensbildende Jahre an Branchenerfahrung.
Das Internet ist für den internationalen Kunstmarkt (derzeit) nur ein Verkaufskanal von vielen. Eine aktuelle Studie beziffert den zuordenbaren Umsatzanteil - gegenüber traditionellen Kanälen (u. a. Kunstmessen) - mit etwa zehn Prozent. Der qualitätsorientierte Kunstsammler, so der Anschein, hat offenbar andere Bedürfnisse als ein risikofreudiger Ebayuser. Dennoch: Zehn Prozent eines für das weltweite Geschäft mit der Kunst kolportierten Umsatzvolumens von 46 Milliarden Euro klingen in der Theorie ja durchaus stattlich. Und das könnte wiederum die Einbildungskraft von Investoren gehörig anregen.
Womöglich ist das junge Kunsthandelsportal Auctionata (siehe der Standard , 29. 9. 2012, "Herrn Alexanders Gespür fürs Geschäft") ein solches Beispiel. Neben Holtzbrinck Ventures und diversen " Business-Angels" begrüßte CEO Alexander Zacke Berichten der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant zufolge mit Bright Capital Ende November nun einen russischen Investor an Bord. Das Investitionsvolumen soll damit auf etwa 20 Millionen Dollar bzw. 16 Millionen Euro gestiegen sein. Auf Anfrage will man weder das eine noch das andere kommentieren.
Jedenfalls wäre das, salopp formuliert, ein ziemlicher Patzen Geld - selbst für den Bereich E-Commerce, dessen Chronisten Auctionata "mit als das Spannendste" hofieren, "was der internationale Markt momentan zu bieten hat". Haben hier Fantastilliarden womöglich den Blick auf das Wesentliche vernebelt? Denn in der Praxis der internationalen Giganten bewahrheitet sich ein solcher Zehn-Prozent-Anteil nicht, wie das Beispiel von Christie's eindeutig belegt: Zum Halbjahr 2012 verlautbarte das Auktionshaus weltweit eingespielte 3,5 Milliarden Dollar, wozu das Onlinegeschäft 74,3 Millionen (+24 Prozent ggb. 2011) bzw. 2,12 Prozent beitrug.
Ende vergangener Woche hielt dann die Realität auch am Berliner Kurfürstendamm Einzug. Dort residiert Auctionata samt eigenem Studio, von wo man via Live- Stream die "weltweit erste Online-Kunstauktion in der Geschichte des Internets" übertrug. Hinter dem vollmundig avisierten Anspruch auf eine "Weltpremiere" steckt eine eigens entwickelte Technologie, die eine verzögerungsfreie Übertragung in TV-Qualität und eine zuverlässige Synchronisation gewährleistet.
Zum Mitbieten motivierte dies nur bedingt: Zwischen 324.750 (Ruf-) und 747.600 (Schätzpreis) Euro sollte die 99 Lots umfassende Formation einspielen, am Ende summierten sich 56 Besitzerwechsel auf 345.000 Euro (inkl. Aufgeld, 277.550 Euro netto).
Mehrheitlich bewilligten die Käufer den Rufpreis oder etwas mehr, auch im Falle eines Rosen II titulierten (auf 1925 datierten) Gemäldes. Dieses war von einem Vorfahren der jetzigen Einbringer 1966 bei Lempertz (Köln) für 90.000 DM als eine ("echte") Arbeit Oskar Kokoschkas erworben worden.
Dass in der Fachwelt Unsicherheiten punkto Echtheit bestehen, ist jedoch seit Mitte der 1990er bekannt. "Wem werden die Bieter am Ende Glauben schenken?", fragte das Start-up-Unternehmen seine User beherzt, taxierte das Gemälde auf 5000 bis 15.000 Euro und ergänzte um den Zusatz, wonach der Erwerb in diesem Falle auf eigenes Risiko erfolge.
Der Fondation Oskar Kokoschka (Vevey/CH) war das zu wenig: Um auch die letzten Zweifel auszuräumen, übermittelte man eine detaillierte Stellungnahme, die Auctionata in ungekürzter Form auf seiner Website veröffentlichte. Das absolut endgültige Urteil erfolgte auf Basis stilistischer und technischer Befunde, untermauert durch authentische Quellen: eine Fälschung. Einem Schweizer Bieter war diese, exklusive Aufgeld, immerhin 7500 Euro wert.
Zuschläge über den Schätzwerten blieben bei dieser "Weltpremiere" mit exakt zehn an der Zahl eine Ausnahme: siebenmal erfolgten solche für Jade-Objekte (Qing-Dynastie, 1636-1911), etwa für ein großes spinatgrünes Gefäß, das für 75.000 (Hammerpreis) nach Taiwan abwanderte. Jade & Zacke, war das nicht schon mal ein in der Fachwelt eher strittiges Paar? Einerlei, Auctionata garantiert die Echtheit aller angebotenen Objekte. Und das gleich für die nächsten 25 Jahre (!). Ob das Unternehmen dann überhaupt noch existiert, ist eine völlig andere Geschichte. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 15./16.12.2012)
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Ist es nicht verwunderlich, dass eine österreichische Idee erst in Deutschland Erfolg hat und zwar was für einen! ( siehe Internat. Berichterstattung)oder liegt es gar an der intriganten,unprofessionellen heimischen Berichterstattung, die einer innovativen Idee so gar nichts abgewinnen kann ( oder sie auch nicht versteht).Schade jedenfalls für unser Land , dass wir dieses wirtschaftliche Aufstreben nicht für uns verbuchen können.
das es niemals echte Geschädigte gibt, denen es wehtun kann, wenn sie einem Betrüger aufgesessen sind. Fast schon eine "win-win" - Situation.
WO gibt es das sonst noch in der heutigen Zeit der Spekulation?
Selber durfte ich auch erleben wie bei grossen Auktionshäusern gelogen und Betrogen wird. Namen kann ich nicht nennen, aber Sie spielen ganz weit oben in der Liga mit. Je grösser das Haus, je mehr der Geldadel sich dort die Jobs gegenseitig zu schustert, je grösser die Vernetzung untereinander, umso weniger Kompetenz kann man erwarten und umso grösser die Wahrscheinlichkeit betrügerischer Absichten.
Im aktuellem Kunstmarkt kann keiner für alles absolute Echtheitsgarantie geben, dies ist Verblendung, das einzige mögliche ist Verantwortung zu übernehmen.
Sich in diesem Metier auszukennen ist ein Beruf der im Kenntnis Niveau sehr hohe Ansprüche legt, sollte nicht amateurhaft ausgeübt werden, und wen dann sich Experten nähern, welche auch nur für bestimmte gebiete zuständig sein können.
Ergo Vertrauen.
Man kann einem Sammler, nicht genug raten, sich Kunst Händlern mit angemeldete Galerie und offene Tür zu suchen, und Vorsicht mit den Kunst Auktionen, dies ist eigentlich eine Angelegenheit für Kenner. Eine Galerie kann man nach Beweis einer Fälschung anreden und mit ihr verhandeln, den sie trägt direkte Verantwortung der Expertise. Was bei einem auktions- Haus juristisch sehr kompliziert werden kann. Es schweige über Internet.
Leider wird der Kunstmarkt wie alles in globaler Sicht, immer spekulativer, es kursieren in aller Welt mysteriöse super Käufer und Verkäufer, einige mögen legitime Zwecke verfolgen, aber leider wurde dieser Metier schon längst von der gemeinen Gaunerei entdeckt, es ist nun mal sehr lukrativ ein paar Milliarden für eigentlich nichts einzustecken. Und dies ist dem korrekten Kunsthändler zum Verhängnis geworden.
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