Elf Jahre Haft für Beihilfe zum Mord an Anna Politkowskaja

14. Dezember 2012, 13:41
posten

Entschädigung an Familie von Kreml-kritischer Journalistin - Hinterbliebene kündigten Berufung an

Moskau - Im Gerichtsverfahren zur Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja ist ein ehemaliger Polizist zu elf Jahren Straflager verurteilt worden. Das entschied ein Moskauer Bezirksgericht am Freitag, nachdem der Angeklagte Dmitri Pawljutschenkow sich in dem Verfahren schuldig bekannt hatte, den Mordanschlag organisiert zu haben. Der Ex-Polizist muss nach dem Urteil zudem drei Millionen Rubel (rund 75.000 Euro) an die Familie Politkowskajas zahlen.

Die russische Justiz hatte zuvor gegen den Protest von Politkowskajas Familie eine Vereinbarung mit Pawljutschenkow getroffen. Demnach konnte der frühere Oberstleutnant bei einer Zusammenarbeit mit den Behörden mit einem deutlichen Strafnachlass rechnen. Pawljutschenkow hatte die Waffe besorgt, mit der die Reporterin vor ihrer Wohnung erschossen wurde.

Die regierungskritische Journalistin war am 7. Oktober 2006 im Treppenhaus ihres Moskauer Wohnhauses erschossen worden. Sie war eine scharfe Kritikerin von Präsident Wladimir Putin. In ihren Berichten prangerte sie insbesondere Menschenrechtsverletzungen während des Tschetschenien-Kriegs an. Ein aus Tschetschenien stammender Hintermann soll Pawljutschenkow rund 115.000 Euro für den Mord gezahlt haben.

Hinterbliebene kündigten Berufung an

Der Hintermann sitzt im Zusammenhang mit einem anderen Verbrechen derzeit eine zwölfjährige Gefängnisstrafe ab. In wessen Interesse er den Mord an Politkowskaja in Auftrag gegeben hatte, ist bis heute unklar. Menschenrechtler fürchten, dass die wahren Hintergründe der Bluttat, die international für Entsetzen gesorgt hatte, nie ans Licht kommen.

Im Jahr 2009 wurde der Todesschütze Rustam Machmudow zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Zwei an der Tat beteiligte Brüder Machmudows wurden dagegen freigesprochen. Im Jahr 2010 entschied der oberste russische Gerichtshof, den Prozess gegen die drei Tschetschenen neu aufzurollen.

Die Hinterbliebenen Politkowskajas, die als Nebenkläger aufgetreten waren, kündigten umgehend Berufung gegen das Urteil im Fall Pawljutschenko an. Sie würden nur die Höchststrafe von 20 Jahren akzeptieren. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert.

Der Fall Politkowskaja ist nicht der einzige ungeklärte Mord an einer russischen Journalistin. So gibt es etwa im Fall der 2009 ermordeten Reporterin Natalia Estemirowa trotz Versprechen des Kreml keine Festnahmen. (APA, 14.12.2012)

Share if you care.