Svindal eine Klasse für sich

  • Ein Blick aus dem Starthaus.
    foto: apa/dapd/trovati

    Ein Blick aus dem Starthaus.

  • Glückliche Menschen im Ziel: Matteo Marsiglia, Aksel Lund Svindal und Werner Heel.
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    Glückliche Menschen im Ziel: Matteo Marsiglia, Aksel Lund Svindal und Werner Heel.

Norweger gewinnt auch Super G von Gröden vor zwei Italienern - Matthias Mayer auf Rang sechs bester Österreicher

Wolkenstein - Aksel Lund Svindal ist weiterhin der Speed-König im alpinen Ski-Weltcup. Der Norweger war am Freitag im Super G von Gröden in einer eigenen Liga unterwegs und zertrümmerte die Konkurrenz. Im Rennen hinter Svindal durften die Italiener jubeln, vor Heimpublikum fuhren sie dank Matteo Marsaglia (+ 1,07 Sekunden) und Werner Heel (1,12) die Plätze zwei und drei heraus.

Für die Österreicher setzte es im vorletzten Super G vor der WM eine Niederlage. Matthias Mayer wurde als bester ÖSV-Läufer Sechster, direkt dahinter folgte Klaus Kröll als Siebenter. Der neuntplatzierte Joachim Puchner und Hannes Reichelt (Elfter) würden wohl nach jetzigem Stand das österreichische WM-Quartett vervollständigen. Die Würfel endgültig fallen werden aber erst nach der Generalprobe in Kitzbühel am 25. Jänner.

"Mit diesem Ergebnis können wir natürlich nicht zufrieden sein. Die Burschen sind eigentlich gut in Form und sollten vorne mitfahren können. Wir werden uns das ganz genau anschauen. Svindal befindet sich natürlich in einer Überform", meinte ÖSV-Sportdirektor Hans Pum nach dem schlechtesten Super-G-Ergebnis seit fast genau vier Jahren. Im Dezember 2008 hatte der am Donnerstag zurückgetretene Stephan Görgl als bester Österreicher ebenfalls in Gröden Platz sechs belegt.

Svindal fuhr in eindrucksvoller Manier seinen 19. Weltcup-Sieg heraus und überholte damit seinen Landsmann Lasse Kjus (18). Auch der bis dato beste Norweger, Kjetil Andre Aamodt (21), scheint für Svindal locker in Reichweite zu sein. Vor allem in dieser Form. Denn in den fünf bisherigen Speed-Bewerben der Saison belegte er die Ränge 1, 1, 2, 2 und 1. Logischerweise führt Svindal neben der Gesamt-Weltcup-Wertung auch die Klassements in Abfahrt und Super G überlegen an.

"Meine Form ist super. Ich habe das Vertrauen, dass ich voll attackieren kann", meinte Svindal nach seinem keineswegs fehlerfreien Husarenritt. Im Zielhang touchierte der Olympiasieger und vierfache Weltmeister sogar spektakulär mit einem Tor. "Ich stehe am Start und weiß: Wenn ich das abrufe, was ich kann, dann schaut es gut aus. Ich brauche nicht viel herumprobieren", berichtete Svindal, der schon vor dem Super G haushoher Favorit für die Abfahrt am Samstag war. "Lieber Favorit als Außenseiter", meinte Svindal lachend.

Der Norsker wäre der erste Athlet, dem in Gröden das "Double" gelingt. Dann würde er seinen ohnehin bereits komfortablen Vorsprung im Weltcup weiter ausbauen. Derzeit führt Svindal mit 540 Punkten vor dem US-Amerikaner Ted Ligety (408) und dem Salzburger Titelverteidiger Marcel Hirscher (380),

Happy durfte im ÖSV-Team vor allem der Kärntner Mayer sein. Der 22-Jährige war im Sommer von einer reaktiven Arthritis (Gelenkerkrankung) meilenweit zurückgeworfen worden, mittlerweile steht er vor seinem WM-Debüt. "Momentan schaut es ganz gut aus", sagte Mayer angesichts der Platzierungen 6, 7 und 6. "Im Sommer hatte ich die WM schon abgehakt. Dafür wäre es jetzt umso geiler."

Kröll konnte mit seiner Leistung im Aufwärmrennen für Samstag ebenfalls gut leben. "Mit dieser Platzierung bin ich auf jeden Fall zufrieden. Meine Formkurve im Super G zeigt deutlich nach oben, ich habe jetzt mehr Vertrauen und bin deutlich besser gefahren als in Amerika", bilanzierte der 32-jährige Steirer. Dass die Erwartungen für Samstag deutlich höher sind, steht außer Frage. "Es wird sicher sehr schwer, Svindal zu schlagen. Aber ich glaube dran, dass es möglich ist", so Kröll.

Nicht nur Reichelt rätselte im Ziel über die Dominanz Svindals. "Irgendwas haben die (Head, Anm.), leider weiß ich nicht, was." Die Antwort von Head-Renndirektor Rainer Salzgeber lautete mit einem breiten Grinsen: "Was wir haben? Schnelle Ski, würde ich sagen." Geheimnis gebe es keines, so Salzgeber. Und wenn, dann sei es logischerweise nicht für die Konkurrenz bestimmt. "Wir wollen doch nicht schlafende Hunde wecken."

Verzweifelt war Reichelt vor allem deshalb, weil er den Grund für den großen Rückstand nicht kennt. "Ich war von der Linie her am Limit, hab Gas gegeben. Aber ich bin einfach nicht vom Fleck gekommen. Heute habe ich eine ordentliche am Deckel bekommen", erklärte der Salzburger. Auf die Frage, ob man im ÖSV eine Entwicklung verschlafen habe, meinte Reichelt: "Hoffentlich nicht. Und wenn schon, dann sollten wir schnell draufkommen."

Die Nerven blank scheinen schön langsam bei Benjamin Raich zu liegen. Der mit großen Ambitionen in die Saison gestartete Tiroler wurde 20., die ersten Speed-Punkte der Saison waren aber nur ein schwacher Trost. Der an Siegen erfolgreichste aktive Fahrer verließ den Zielraum kommentarlos über den Hinterausgang. (APA, 14.12.2012)

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