Der Traktorist, die heilige Kuh

Kolumne16. Dezember 2012, 17:32
98 Postings

Der Traktorführerschein: Eine Bewährungsprobe für den Parlamentarismus

Es braucht nicht viel, um Österreich dem Untergang des Abendlandes näherzubringen. Denken Sie jetzt aber bitte nicht an den Skandal um die Hochfinanzer mit den goldenen Händchen in diversen Provinzregierungen. Die lassen sich vom Bund zwar Steuergeld zuweisen (und das nicht zu knapp, wie die erpresserisch geführten Finanzausgleichsverhandlungen belegen). Die dazugehörige und unerlässliche Kontrolle freilich verweigern sie als Entmündigung, wie ein Tiroler Ex-Gendarm offenherzig zugibt.

Da ist es nur logisch, dass nicht das große Spekulationsrad, an dem kleine, weisungsgebundene Sachbearbeiter drehen, der p. t. Volksvertreter Zorn sprießen lässt. Nein, es sind die kleinen Dinge, die den ohnehin scheintoten Parlamentarismus lahmlegen. Der Traktorführerschein zum Beispiel.

Geiselhaft für Mobilität

Das kam so: Die Verkehrsministerin hatte sich im Frühjahr erdreistet, die Landwirte zu verpflichten, bei der Fahrt mit Landmaschinen Kfz-Papiere und Führerschein mitführen zu müssen. Das war der selbsternannten Bauernpartei im Parlament natürlich zu viel, zumal das Ansinnen durch die (öffentliche) Begutachtung ins Gesetz geschmuggelt worden war. Also verhinderte sie monatelang die Abhaltung von Verkehrsausschusssitzungen, quasi Geiselhaft für Mobilität.

Nun muss man wissen, dass dem fleißigen, tüchtigen Bauern - wie allen Verkehrsteilnehmern - selbstverständlich zumutbar ist, den Ausweis im Pkw mitzuführen. Aber um Gottes willen nicht auf der Fahrt zum Acker. Aber keine Sorge: Die heilige Kuh ist gerettet, Agrarier dürfen wieder inkognito fahren. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 14.12.2012)

  • Da fährt er hin, der Traktorist.
    foto: steyr landmaschinentechnik

    Da fährt er hin, der Traktorist.

Share if you care.