Wien spekuliert doch

14. Dezember 2012, 10:46
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Entgegen der Behauptung der Stadtregierung verfügt Wien doch über Derivatgeschäfte und Fremdwährungskredite - vor allem in gemeindeeigenen Unternehmen

Am Donnerstag hat die Stadt Wien noch verlautbaren lassen, dass sie "keine Derivatgeschäfte am Laufen" habe. Laut einem Bericht der "Presse" ist das aber falsch. Wien verfüge sehr wohl Franken-Kredite und umfangreiche Derivatgeschäfte der gemeindeeigenen Unternehmen sowie Cross-Border-Leasingdeals.

Als Beispiel nennt der Bericht die Finanzierung des Wiener Defizits: 38 Prozent der offiziellen Schulden der Stadt von vier Milliarden Euro werden in Schweizer Franken gehalten. Das ist technisch gesehen eine kombinierte Zins- und Währungsspekulation. Weil der Franken-Kurs gegenüber dem Euro drastisch gestiegen ist, steht dieses Kreditportfolio derzeit mit etwas mehr als 300 Millionen Euro im Minus.

Brauner: "Nicht budgetwirksamer Buchverlust"

Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) bezeichnete das als nicht budgetwirksamen Buchverlust. Trotzdem dürfte er Konsequenzen haben. Um den Kredit aus der Verlustzone zu bringen, müsste der Euro nämlich auf einen Kurs von 1,46 Franken oder mehr steigen.

Für die Stadt gibt es laut Rathaus für Derivatgeschäfte keine Ermächtigung. Das gilt aber nicht für ausgegliederte Betriebe wie die Wien Holding und die Stadtwerke. Laut Zeitungsbericht hat sich die Stadthallengesellschaft beispielsweise mit Spekulationen auf die Türkische Lira verspekuliert, die Dimension ist aber nicht alarmierend. 

Die meisten Wiener Spekulationsgeschäfte betreffen die Vergangenheit, Frankenkredite dürfen aber nicht neu aufgenommen werden. (red, derStandard.at, 14.12.2012)

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