"Drei Engel für Charlie – Volle Power": Gebt Gas, wir wollen Spaß!

23. Juli 2004, 10:29
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Freizeitvergnügen, Verbrecherjagd, gutes Aussehen: "Drei Engel für Charlie" gehen in die zweite Runde - "Volle Power"

Wie man Freizeitvergnügen mit Verbrecherjagd kombiniert und dabei gut aussieht, davon erzählt unter anderem "Drei Engel für Charlie - Volle Power". Das pralle Actionabenteuer, das alles, nur nicht ernst genommen werden will, leitet eine Serie an Sequels ein.


Wien - Wenn ein Blockbuster in die zweite Runde geht, dann lauten Vorsatz der Produzenten und Versprechen für den Zuseher: Steigerung - der Einspielergebnisse, der Production-Values, des Tempos ganz allgemein und ergo der Schauwerte. Full Throttle - deutsch Vollgas, neudeutsch Volle Power - verheißt schon die Unterzeile zur Neuauflage von 3 Engel für Charlie.

Dementsprechend tosend geht's los: In einer Bar in der Nordmongolei testen die drei Engel Cameron Diaz, Drew Barrymore und Lucy Liu ihre Fähigkeiten aus, indem sie abwechselnd mit ihrer Optik betören und mit ihren physischen Fähigkeiten überraschen. Martial-Arts-Einlagen folgen auf parodistische Elemente, bis schließlich alles im freien Fall vom Staudamm samt Helikopter kulminiert: ein typischer Baustein dieses Films.

3 Engel für Charlie, erneut inszeniert vom Musikvideo-versierten McG, ist eine einzige Aneinanderreihung solcher Set-Pieces. Lose verbunden werden sie einerseits durch eine Fabel, in der es um die Sicherstellung zweier Ringe geht - Ähnlichkeiten zu anderen Blockbustern sind durchaus beabsichtigt -, die dem Besitzer Aufschluss über in Zeugenschutz befindliche Personen geben. Charlie, die körperlose Stimme, erteilt seinen drei Liebsten den entsprechenden Auftrag.

Wichtiger ist jedoch ohnehin, den stets prächtig gelaunten Agentinnen Gelegenheit zu geben, sich ständig in neuen Verkleidungen in veränderten Milieus zu profilieren. Schon in der immens populären ABC-Fernsehserie aus den 70er-Jahren ging es ja vor allem um ein kalkuliertes Spiel mit Attributen des Zeitgeists. Attraktive Frauen, die vor Verabreichung von Tritten und Hieben nicht zurückschrecken - das war nicht nur neu, sondern auch ein produktiver Zugriff auf veränderte Frauenrollen, dem auch Männer etwas abgewinnen konnten.

3 Engel für Charlie aktualisiert dieses Prinzip insofern, als das Geschehen nunmehr in Zonen der Erlebniskultur verlagert wird, die schon in Filmen wie 2 Fast 2 Furious doppelt besetzt sind: Ob am Surferstrand oder auf Motocross-Schlammpisten, Freizeitvergnügungen werden zu Verbrecherjagden umfunktionalisiert. Wodurch die Arbeit selbst zum Extremsport mutiert, der es dem Film wiederum erlaubt, körperliche Reize und das Gebot permanenter Beschleunigung harmonisch zusammenzuführen.

Ernste Gefahren

Bedrohung geht für das Trio in diesem Action-Adventure so auch immer von Personen aus, die den gemeinsamen Freundinnenspaß infrage stellen. Das können Partnerschaften mit langweiligen Freunden (Matt LeBlanc, Luke Wilson) sein, aggressive Exlover (Justin Theroux) mit Rachelüsten - oder auch gefallene Engel wie Madison Lee, die ihren Job seit einem traumatischen Zwischenfall einfach zu ernst nimmt - schließlich versucht Demi Moore mit diesem Part ein Comeback.

Doch Unernst wird in 3 Engel für Charlie sehr groß geschrieben: Nicht nur wechseln sich filmische Referenzen und Star-Cameos ab, als ginge es darum, sich einer bestimmten Historie zu vergewissern. Auch den Engeln wird in kurzen Rückblenden eine komische Kindheit und Jugend angedichtet, die sie wohl in der Erinnerung der jüngeren Zielgruppe verankern sollen.

Dialogische Missverständnisse kreisen hingegen um Sexualpraktiken und doppeldeutige Namen - eine ermüdende Angelegenheit, für die John Cleese eine ganze Rolle lang durchhalten muss. Überhaupt wirkt der erfrischende Humor von Teil 1 - damals noch mit Bill Murray - im Sequel insgesamt zu kalkuliert.

Man merkt dem Film vielfach an, dass an ihn hohe Erwartungen gestellt werden: Rekordträchtige 1,6 Millionen Fuß Film wurden belichtet, vielleicht zerfällt er deshalb in lauter disparate Abschnitte. Der Spaß, den dieses knallbunte Hybrid permanent suggerieren will, er erscheint hier als Produkt harter Arbeit. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.7.2003)

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    columbia
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