Daten-Revoluzzerin im Spital

9. September 2003, 12:06
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Technologie heißt auch im medizinischen Bereich der Schlüssel zum Überleben - Eva Deutsch (32) Leiterin der Sparte Life Sciences bei IBM, will künftig die internationale Vernetzung zwischen der Patienten- und der medizinischen Welt stärker vorantreiben

"Die Spitäler von heute haben dazugelernt. Auch sie sehen der digitalen Revolution nicht mehr stumm zu", sagt Eva Deutsch, Leiterin der Sparte Life Sciences bei IBM Österreich und damit zuständig für den Aufbau von Hightech-Plattformen für das Gesundheitswesen zwischen Europa und Südafrika. Zielpublikum von Eva Deutsch sei neben dem Pharma- auch das Biotechnologie- und das Gesundheitswesen.

Deutsch arbeitet mit mehreren Hundert Mitarbeitern an der computerisierten Vernetzung der Patientenbetreuung. Ihre Hauptkunden sind in erster Linie Spitäler im In- und Ausland, die ihre Patientengeschichten in modernen Krankenhausinfosystemen aufgelistet haben wollen.

Schubladisiert und vergessen

"Bisher war es so, dass Ärzte einen Befund geschrieben haben, und der wurde schließlich schubladisiert und vergessen. Kam der Patient wieder, gab es keinen Zugriff auf den alten Befund. Er musste sich erneut untersuchen lassen, und es wurde wieder ein Befund geschrieben", erklärt IBM-Life-Science-Chefin Deutsch. Doch dieses System sei heute zu zeitaufwändig: Es sei für die Spitäler wichtig - besonders bei Krankengeschichten -, die EDV "effizient und verstärkt einzusetzen", sagt Eva Deutsch.

Sie hat sich mit ihrem Team zum Ziel gesetzt, klinische Prozesse derart zu optimieren, dass die Arbeit der Ärzte noch effizienter und schneller vonstatten gehen kann. "Über Dokumentation hat man sich bis vor kurzem ja im medizinischen Bereich nicht sehr viele Gedanken gemacht", sagt Deutsch weiter.

Gemeinsam mit der Mayo-Klinik in Florida baut IBM derzeit eine Datenanalyse-Plattform für den medizinischen Bereich auf. Die nächste Stufe soll bereits eine genetische Datenbank sein, die mit klinischen Informationen verknüpft wird. "Dieses Projekt ist revolutionierend, da man dadurch bei Patienten erstmals feststellen kann, an welchen Krankheiten sie aufgrund ihrer genetischen Voraussetzungen erkranken - oder sogar sterben können. Dann kann der Arzt sofort präventive Maßnahmen einleiten", sagt Deutsch. In Großbritannien arbeitet Deutsch derzeit mit der Universität in Oxford an einem digitalen Mammografie-Vernetzungsprojekt. Ziel des Projekts: künftig in jedem Spital Englands auf alle Daten der Patientinnen zugreifen zu können. Ein Schmankerl dabei ist eine virtuelle Lehrplattform für die Medizinstudenten der Universität Oxford.

Zugriff auf alle Daten

In Wien arbeitet Eva Deutsch an einem Krankenhaus- und Forschungssystem für das Allgemeine Krankenhaus. Und den Niederösterreichischen Gesundheits- und Sozialfonds berät sie derzeit in Sachen "künftige Informationsstruktur".

Die ehemalige Studentin der medizinischen Computerwissenschaften an der Technischen Universität Wien hat ein großes Ziel: "Ich bin überzeugt, dass IBM mithilfe der Informationstechnologie das Gesundheitswesen verbessern kann." Die Vernetzung und der Datenaustausch zwischen Pharmaunternehmen, Krankenhäusern, niedergelassenen Ärzten, Forschungseinrichtungen und öffentlichen Gesundheitseinrichtungen ist im vollen Gange. (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe, 5./6.7.2003)

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